Vom Streichquartettrepertoire Schuberts sind den meisten nur die späten drei bzw. vier Quartette bekannt. Zu Unrecht, wie diese grandiose Gesamteinspielung zeigt!Die frühen Quartette Schuberts sind für den familiären Kreis komponiert worden, sprühen aber dennoch von Elan und Einfallsreichtum. Es sind alles Frühwerke mit hohen Ambitionen. Die Experimentierfreude des Meisters tritt vor allem in den in Moll gehaltenen Quartetten zum Vorschein, obschon er stark eingeschränkt war, da sein Vater, der traditionellerweise das Cello spielte, alles andere als ein Virtuos war.Bevor Schubert an die Komposition seiner letzten Quartette ging, machte er mit diesem Genre eine lange Pause, vor allem um sich als Opernkomponist einen Namen zu machen. Das Quartett Nr. 12 blieb unvollendet: Nur der erste Satz und ein Fragment eines langsamen Satzes sind erhalten. Warum Schubert das Komponieren abbrach, ist unklar, denn das, was uns von diesem Quartett erhalten ist, ist weit mehr als vielversprechend.Das "Rosamunde Quartett" in a moll ist dann sein erster großer Wurf auf dem Gebiet des Streichquartetts und das Quartett "Der Tod und das Mädchen" sollte sein zweiter werden, auch wenn diese Werke noch keinesfalls vollkommen, also quasi beethovensch sind. Dennoch wirkt insbesondere das letztere betörend schon allein wegen seiner düsteren Grundstimmung.Das Streichquartett aber, das es mit Beethoven und auch mit Schuberts Streichquintett aufnehmen kann, ist das 15. in G Dur. Abstrakt, schroff und abweisend und zugleich unendlich schön, ungreifbar pittoresk und gen Himmel strebend gebart es sich dem geneigten Hörer. An seinem Sterbebett soll Schubert gewünscht haben, dass ihm das cis moll Quartett Beethovens vorgespielt werde. Ihm und der Welt war zu diesem Zeitpunkt (noch) nicht bewusst, dass Schubert bereits selbst mit dem Streichquintett und dem G Dur Quartett seine eigenen Meisterwerke geschaffen hatte.Das Melos Quartett, das leider etwas im Schatten bekannterer Quartette steht, interpretiert vor allem die Spätwerke hervorragend. Mit viel Zeit und Gefühl nimmt es sich auch der unbekannteren Quartette Schuberts an und macht auch diese zu einem unvergleichlichen Leckerbissen, den zu verzehren man sich nicht entgehen lassen sollte.
Zunächst einmal: diese Edition umfasst sämtliche Streichquartette von Schubert. Ich kann nicht nachvollziehen warum sich niemand mit den frühen Quartette befassen will. In Konzerte wird in der Regel "Der Tod und das Mädchen" oder der "Rosamunde" gespielt. Die Ensemble die als "Starquartette" gelten leider auch. Vermutlich will das Publikum nur das hören Schon der Mut alle Quartette zu bespielen verdient schon 5 Sterne. Leider lässt sich die technische Qualität der Aufnahme viel zu wünschen übrig. Die Aufnahmen stammen aus Anfang der 70er Jahren. Ich hatte teilweise den Eindruck gehabt, es wären Monoaufnahmen. Muß daher leider ein Stern abzihen. Schwer vorzustellen, daß sich seitdem niemand mehr sich mit den frühen Quartette befassen wollte. Es wäre zu begrüssen wenn modernere Aufnahmen auf dem Markt kommen würde.