Die Operette "Die Fledermaus" gilt als das bedeutendste und bekannteste Werk des österreichischen Tonsetzers Johann Strauss (Sohn). Es ist ein komisch-burlesker Reigen zahlreicher Tänze und nonchalanter Szenerien. Musikalisch bietet Strauss alles auf, was ihm zu Gebote steht: Walzer, Märsche, Polkas und vieles mehr...Die Handlung, die auf einem Libretto von Karl Haffner und Richard Genée beruht, ist regelrecht harmlos: Der Lebemann Dr. Eisenstein wird von einem alten Bekannten, der berühmt-berüchtigten Fledermaus, kräftig durch den Kakao gezogen, unter anderem im Rahmen eines Balles bei einem sehr speziellen russischen Gesandten und später - beinahe - hinter schwedischen Gardinen.Die vorliegende, illustre Einspielung stammt von 1984, erfreut sich aber dennoch sehr guter Bild- und Tonqualität. Das NVC-Arts-Label verzichtet allerdings gänzlich auf ein Booklet.Das Orchester der Royal Opera Covent Garden vollbringt eine Meisterleistung: Akzentuiertes, farbenfrohes Spiel zeichnet ihren dynamischen, stetweg transparenten Vortrag aus. Unter der Federführung des weltbekannten Placido Domingo gedeiht ihr Spiel zu einer kecken, gelösten Kaskade von Nuancen und Schattierungen.Auch die Solisten sind nicht nur Sänger, sondern auch Schauspieler der Extraklasse: Hermann Prey als herrlich täppisch-stereotyper Dr. Eisenstein, seine Frau, gemimt von der würdevollen Kiri Te Kanawa, Dr. Falke, dargestellt vom hämisch-schadenfrohen Benjamin Luxon, und zu guter Letzt die liebenswürdige Hildegard Heichele als Zimmermädchen Adele. Ebenbürtig unterstützt werden diese Stars vom Chor der Royal Opera Covent Garden.Bühnenbild und Requisiten sind konservativ, nahezu klassisch gehalten. Eine andere Art der Aufführung ist für dieses seiner Zeit so verhaftet gebliebene Stück auch schwer vorstellbar...
Der Grund weshalb ich mir diese DVD kaufte war Hermann Prey. Ich war erst skeptisch, ob Engländer wirklich die wienerischste aller Operetten glaubhaft auf die Bühne bringen können, aber es hat tatsächlich geklappt. Es macht überhaupt nichts, daß der Text nicht wortwörtlich übernommen wurde, Anpassungen an das jeweilige Publikum gehören zur "Fledermaus" und machen letztendlich auch einen Teil des Erfolgs der "Königin der Operette" aus. Der Mischmasch aus Deutsch und Englisch ist hier nicht albern sondern witzig, Die Pointen sind gut gesetzt, wie bei einer klassischen Screwball-Comedy. Die Besetzung ist erstklassig, sowohl in musikalischer als auch schauspielerischer Hinsicht: großartige Sänger die sichtlich Spaß haben. Und natürlich der unvergessene Josef Meinrad. Hat es je einen besseren "Frosch" gegeben?