★★★★★
Wolfgang-Armin Rittmeier
04.07.2024
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Schön ist die Musik Stanfords. Sicher, sie ist nicht das, was man erst einmal erwartet, wenn man an englische Musik denkt, steht sie zeitlich doch vor der eigentlichen musikalischen Renaissance in England.Stanford, der in Deutschland das Kompositionshandwerk erlernte, ist stark von der deutschen Tradition, von Schumann, von Brahms geprägt. Sein Personalstil, der sich durch eine glanzvolle spätromantische Sprache auszeichnet, ist sehr gut zu hören, wenn man keine stilistischen Neuerungen erwartet. Diese Musik ist in ihrer Grundhaltung rückwärtsgewandt, aber nicht sentimental. Sie beweint nicht die "Tempi passati", sondern ist durchweg von sich selbst überzeugt und in ihrer Grundhaltung positiv, was sie auch sein kann, denn sie ist handwerklich ohne jeden Fehl und Tadel.Die hier gekopppelten Werke überzeugen in ihrer Darstellung völlig. David Lloyd-Jones und das Bournemouth Symphony Orchestra widmen sich dieser lange vernachlässigten Musik mit viel Inbrunst. So gelingt schon der erste Satz der Vierten, die sich ebenso frank und frei irischer Motivik bedient wie die den Beinamen "Irish" führende Dritte, sehr gut. Es wird beschwingt musiziert, man hört Musik wie für einen fröhlichen Weekend-Nachmittag "in the countryside". Doch bleibt es nicht dabei. Der dritte Satz ist einer der grüblerischen, ja schon bald tragischen Sätze Stanfords und Lloyd-Jones und das Bournemouth Symphony Orchestra gelingt es bestens umzuschalten und den Satz mit der nötigen Gravitas zu spielen. Hier hört man denn nun auch, wie sehr Stanford Brahms verpflichtet ist, dessen dunkler Ton hier Pate gestanden hat.Ein ähnlicher Ton herrscht in der Siebten vor, die - die kürzeste der Symphonien - ausgesprochen konzentriert daher kommt. Stanfords Musik galt zum Zeitpunkt der Komposition (1912) als Schnee von gestern. und doch zeigt das Werk noch einmal die Qualitätetn, die seine Musik ausmachen: glänzende Instrumentierung, elegenate Motivik und vollkommende Beherrschung der Form. Dabei brechen hier durch den "schönen Schein" dieser Musik nun häufiger Elemente, die es vormals nicht gab: Nervosität, plötzliche Trübungen, heraufziehende Wolken vor der britischen Sonne.Insgesamt sehr zu empfehlen!