★★★★★
Wolfgang-Armin Rittmeier
14.07.2024
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Schön ist die Musik Stanfords. Sicher, sie ist nicht das, was man erst einmal erwartet, wenn man an englische Musik denkt, steht sie ihrem brahmsesken Charakter nach doch vor der Tonsprache wie sie in der English Renaissance entwickelt wurde.Stanford, der in Deutschland das Kompositionshandwerk erlernte, ist stark von der deutschen Tradition, von Schumann, von Brahms geprägt. Sein Personalstil, der sich durch eine glanzvolle spätromantische Sprache auszeichnet, ist sehr gut zu hören, wenn man keine stilistischen Neuerungen erwartet. Diese Musik ist in ihrer Grundhaltung rückwärtsgewandt, aber nicht sentimental. Sie beweint nicht die "Tempi passati", sondern ist durchweg von sich selbst überzeugt und in ihrer Grundhaltung positiv, was sie auch sein kann, denn sie ist handwerklich ohne jeden Fehl und Tadel.Die hier gekopppelten Werke überzeugen in ihrer Darstellung völlig. David Lloyd-Jones und das Bournemouth Symphony Orchestra widmen sich dieser lange vernachlässigten Musik mit viel Inbrunst. Die "Irische", die sich als einzige der Symphonien aus der Volksmusik Irlands speist (Stanford war Ire), gelingt ebenso so schön, frisch, vibrierend wie die Sechste, die dem großen englischen Maler George Frederick Watts gewidtmet ist. Ist die "Irische" schon einigermaßen bekannt, so ist die Sechste eine Entdeckung. Besonders der zweite Satz (Adagio molto espressivo) zeigt, was für bezaubernde, tiefempfundene Musik Stanford schreiben konnte. Von hier ist es gar nicht mehr weit zu seinen Lehrmeistern.Insgesamt sehr zu empfehlen!
★★★★★
Mark Hübner-Weinhold - Leadership Scout
14.07.2024
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Über den irischen Komponisten Charles Villiers Stanford bin ich vor 20 Jahren erstmals in der Hyperion-Reihe "The Romantic Piano Concerto" gestolpert (Vol. 12, gekoppelt mit Parry). Später ergänzten die sechs "Irish Rhapsodies" meinen Stanford-Bestand, überzeugend eingespielt vom Belfaster Ulster Orchestra unter Vernon Handley (Chandos). Nun also das erste Album aus der Symphonien-Serie, die das Bournemouth Symphony Orchestra mit David Lloyd-Jones Stanford schon 2007 bei Naxos eingespielt hat. Kurzum: eine exzellente Investition! Stanford verwebt darin brillant irische Volksmusik mit romantischer Streicherlyrik und satten Bläsersätzen. Hier trifft die romantische deutsche Tradition von Schumann und Brahms auf die englische Symphonik à la Elgar. Stanford ist ein brillanter Architekt beim Bau dieser musikalischen Brücke. Er mag gerade wegen dieser Position nicht als kreatives Genie im Sinne eines neuen Klangkosmos gelten, aber ein genialer Handwerker und Orchestrator war er allemal. In dieser Kopplung sind die beiden wohl bekanntesten Symphonien Stanfords ideal kombiniert - quasi eine Einstiegsdroge. Und was David Lloyd-Jones aus dem ohnehin oft unterschätzten Bournemouth Symphony Orchestra herausholt, ist superb. Das klingt makellos, inspiriert und von ungebremst dynamischer Spielfreude. Beim Auftakt des vierten Satzes der 6. Symphonie klingt das Blech kurz übersteuert, das soll aber wohl so sein. Klangtechnisch ist diese Aufnahme auf höchsten Niveau.