Rued Langgaard fiel früh als musikalisches Wunderkind auf, erhielt eine erstklassige kompositorische Ausbildung und hat dann ein umfangreiches Œuvre geschaffen. Dabei hat er auch in fortgeschrittenem Alter viel experimentiert und dennoch einen eigenen Stil entwickelt und beibehalten.Für mich ist es immer wieder eine Freude, neue Musik zu entdecken. Zum Glück werden immer wieder Komponisten dem Schleier des Vergessens entrissen (z.B. Alkan) und bereits bekannte neu gehört und bewertet (z.B. Skriabin).Langgaard hat einen großen Eindruck hinterlassen. Auch seine, im Alter von 17 Jahren begonnene Oper Antichrist, die er selbst als Kirchen-Oper bezeichnet hat. Die Handlung (wenn man diesen Begriff verwenden will) ist seine Interpretation der Offenbarung. Ein mystisch-moderner Albtraum über das Wirken Luzifers und das Ende der materiellen Welt und schließlich die Erlösung durch den echten Christus.Die Musik hat mich schon im Vorspiel in ihren Bann gezogen. Im weiteren Verlauf begegnen dem Hörer ein enorm breites Spektrum an Kompositionstechniken. Etwas plakativ gesagt, bewegen wir uns zwischen Bach, Wagner und Strauss. Von welchem modernen Komponisten kann man das sagen?Bei alledem gefiel mir auch, dass er sich relativ kurz gefasst, und doch alles Wesentliche ausgedrückt hat. Er lässt uns dadurch Zeit und Raum zur Entfaltung des Stoffes in uns selbst.