Ich kenne Utrenja von der Philips Aufnahme, die ich vor über 40 Jahren gekauft habe.Diese Produktion von Naxos ist aller Ehren wert und bringt die geniale Partitur in großer Transparenz der Klangpracht kongenial zu Gehör.Pendereckis Musik für Karsamstag und den Ostermorgen gehört - ebenso wie seine Lukaspassion - zu den Meisterwerken der Musik, die man unbedingt kennen sollte.
Utrenja ist ein sakrales Werk ("utrenja" = Mette), das zwei Teile umfasst: Teil 1 - Die Grablegung Christi (1970) und Teil 2 - Die Wiederauferstehung (1971). Es wurde für zwei gemischte Chöre und Orchester (Streicher und Perkussion) geschrieben. Es handelt sich um eine Reminiszenz an die orthodoxe Liturgie zu Ostern. Musikalisch vereint das Werk eher Traditionelles, das sich in mächtigen Chören manifestiert und avantgardistische Elemente, die sogar vor elektronischen Effekten nicht Halt machen; wobei Letzteres nicht stilprägend ist. Meisterlich wurden diese unterschiedlichen Ingredienzien zu ungemein berückenden Klanggemälden vereint. Besonders hervorheben möchte ich die perfekte Klangqualität. Das Werk befindet sich kompositorisch auf Augenhöhe mit Pendereckis "Polnischen Requiem" und der "St. Lukas Passion".Ich wünschte, ich könnte mich fachmännisch ausdrücken. So bleibt mir nur übrig, meiner Begeisterung Ausdruck zu verleihen. Würde es sich um einen Film handeln, würde ich sagen: Das ist ganz, ganz großes Kino ... Ich wünsche mir nur, eines Tages im Konzertsaal zu sitzen und diese wunderbare Klangwelt auf mich einwirken zu lassen. Pendereckis Musik ist von einer Meisterschaft beseelt, die ihresgleichen sucht und hat für mich insofern Referenzcharakter. Wer immer das Besondere sucht und keine Vorurteile hegt, weder gegenüber Traditionellem, noch gegenüber Avantgardistischem, wird in seinem Oeuvre fündig.Es hat seinen Grund, warum K. Penderecki zu den wenigen absoluten Größen der Modernen Klassik zählt. Wer Utrenja gehört hat, weiß warum.