Ich empfinde die beiden Violinsonaten von Krzysztof Penderecki als emotional aufbäumende Werke, besonders die 2. Violinsonate von 2000 erzeugt bei mir eine Gefühltiefe in die ich mich hinein legen möchte. Sie ist mit ruhigem Anfang sich stetig steiernd, ohne zu sehr in Cluster sich zu ergehen. Die erste Sonate ist im ganzen eckiger, will meinen hier empfinde ich die Melodie rhytmischer und zerrissener, aber ständig im Fluss. Die "Cadenza for Solo Viola" von 1984 wurde durch Christiane Edlinger im Jahr 1987 für Violine transkripiert und wird durch Ida Bieler sehr gefühlvoll und elegisch dargeboten. Als Zugabe ist das Stück "Miniatures" aus dem Jahr 1959 anzusehen, das in 3 Sätzen zusammen auf knapp 4 Minuten von den beiden Solisten gut dargeboten ist. Die beiden Solisten Ida Bieler, Violine und Nina Tichman, Piano wurde im Juni 2003 bei ihrem Konzert in der Konzertgalerie in Burgsteinfurt aufgenommen, und durch den Tontechniker Arnd Koppers gut eingefangen. Wer sich für zeitgenössische Violinsonaten interessiert hat hier die Möglichkeit sowohl die Werke des Komponisten welche im Abstand von 47 Jahren entstanden sind, kennen zu lernen, als auch das Repertoire für dieses Kammermusikgenre kennen zu lernen.
Die wahrhaft große und großartige 2. Violinsonate von Krysztof Penderecki aus dem Jahr 2000 darf man getrost zu seinen besten Werken rechnen, nicht nur aus dem Bereich Kammermusik, sondern überhaupt. Der musikalische Leerlauf, der in einigen seiner (späten) Sinfonien und Konzerte leider immer wieder zu beobachten ist, fehlt diesem Meilenstein der Kammermusik völlig. Jeder Ton dieser todernsten, hochpathetischen, an Alfred Schnittke und den späten Schostakowitsch anknüpfenden Sonate "spricht" und macht im Gesamtgefüge der großdimensionierten Komposition Sinn. Die Interpretation, die Ida Bieler (Violine) und Nina Tichman (Klavier) hier vorlegen, ist schlichtweg atemberaubend. Hinzu kommt eine hervorragende Disposition der Instrumente und die glasklare, perfekt duchhörbare Naxos-Aufnahmequalität, die das faszinierende Werk bis in seine feinsten Verästelungen hinein ausleuchten. Obwohl es meines Wissens nach bislang keine andere Aufnahme dieses Werkes gibt, kann man schon jetzt getrost von einer Referenzaufnahme der Sonate sprechen, an der sich spätere Interpreten werden messen lassen müssen. Wer sich ernsthaft für die Kammermusik des 20. und 21. Jahrhunderts begeistert und einen Faible für die genuin osteuropäische Spielart dieser Musikrichtung hat, kommt an dieser CD auf gar keinen Fall vorbei.