★★★★★
k.A.
12.06.2026
ean-shopping.de
Die Sinfonie 10 auf CD ist eine fantastische musikalische Reise und ich bin absolut begeistert von der Qualität der Aufnahme. Ich kann diese Platte wärmstens weiterempfehlen!
Vor gut zwanzig Jahren machte ein international so gut wie unbekanntes britisches Orchester (Birmingham Orchestra) mit seinem ebenso unbekannten Chefdirigenten (Simon Rattle) einige herausragende Einspielungen für das Label EMI. Wiederholt sich nun die Geschichte?Zugegeben, weder Chefdirigent Vasily Petrenko noch das Royal Liverpool Symphony Orchestra gehören zu den etablierten Namen im aktuellen Klassikbetrieb auf höchster Ebene. Es zeigt sich im vorliegenden Fall aber wieder einmal, daß Namen bisweilen Schall und Rauch sind: was die Musiker aus Schostakowitschs Zehnter machen, befindet sich ohne jede Übertreibung auf einem Niveau mit den Leistungen so berühmter Schostakowitsch-Dirigenten wie Kondrashin, Mravinsky, Ormandy und Roshdestvensky.Der Kopfsatz besticht durch wundervoll ausbalancierte Streicher und einer sorgsam ausgeloteten Dramaturgie, die in das Tutti kurz vor dem Ende des ersten Satzes mündet. Wenn dann anschließend die geisterhafte Piccoloflöte den Satz verklingen läßt, staunt man bereits nicht schlecht ob der ungezwungenen spieltechnischen Akkuratesse des Orchesters, das sowohl in intonatorischer Hinsicht als auch in Sachen Transparenz stets den richtigen Ton trifft.Der gefürchtete zweite Satz besticht durch die genaue Tempowahl, die ohne jede Abstriche erbarmungslos bis zum Ende durchgepeitscht wird. Speziell die Offbeat-Rhythmen im Schlagwerk kommen schneidend scharf und ohne jede Verzögerung daher. Die wunderbar präzisen Streicher und die grellen, blitzsauberen Einwürfe der Blechbläser werten das Hörvergnügen noch weiter auf. Erwähnenswert ist zudem, daß aufgrund des wunderbar transparenten Klangbilds (auch ein Verdienst der makellosen Aufnahmetechnik) hier Stimmen in den Holzbläsern zu hören sind, die in den allermeisten Fällen dem tumben Kriegsgeheul dieses Satzes geopfert werden und vollkommen untergehen.Der dritte Satz lebt insbesondere von seinem hintersinnigen und doppelbödigen Humor. Petrenko scheut keinen derben Effekt und läßt speziell den tiefen Streichern immer wieder den ihnen gebührenden Freiraum, um genau diesen Charakter noch derber erscheinen zu lassen. Der junge Dirigent profitiert auch in gleichem Maße von den wunderbar homogenen Hörnern, denen selbst bei sehr leiser Dynamik der Ton immer noch rechtzeitig anspricht. Ein Traum sind auch die beiden Fagotte, die selbst in den exponierten Lagen alles im Griff behalten und maßgeblich zum Gelingen dieses Satzes beitragen.Das Finale schließlich gibt speziell in den langsamen Abschnitten nochmals den Holzbläsern die Möglichkeit, ihr Können zu zeigen. Auch hier spielen die Musiker aus Liverpool als gehörten sie zur Weltelite - traumwandlerisch sicher werden die langen Fagott- und Oboensoli gestaltet. Die schnellen Sechzehntelketten in den Klarinetten und Streichern werden aber genauso souverän gemeistert und dabei organisch in das Gesamtgefüge eingebaut, da diese vertrackten Stimmen meistens nicht einmal die Melodie spielen. Das eigentliche Wunder an diesem Satz ist aber das glasklar agierende Schlagzeug. Nirgendwo müssen die Pauken igendwelche spieltechnischen Unzulänglichkeiten des Orchesters kaschieren, und wohl noch niemals hat man das D-S-C-H-Motiv in den Pauken ganz am Ende jemals so deutlich wahrgenommen wie hier. So darf jede Abteilung des Orchesters mindestens einmal in dieser Symphonie - fast so, als wäre sie ein Konzert für Orchester - ihr Können beweisen - und wie!Diese Einspielung darf modernen Referenzrang beanspruchen und befindet sich neben den Aufnahmen von Karel Ancerl (DGG), Herbert von Karajan (DGG, 2. Aufnahme) und Christoph von Dohnanyi (Decca) in bester Gesellschaft. Nicht verpassen!