Havergal Brians 20. Sinfonie in cis-moll von 1962 ist der Abschluss einer kleinen Trilogie von dreisätzigen Sinfonien und eine kurze Zeit lang dachte Brian darüber nach, mit diesem Werk sein kompositorisches Lebenswerk zu beenden. Zum Glück für uns kam es aber nicht soweit und Brian sollte der Welt noch 12 weitere Sinfonien hinterlassen!Die Zwanzigste ist für ein recht großes Orchester geschrieben und ein vorwiegend optimistisches und expressives Werk. Die kurze langsame Einleitung weicht bald einem in losem Sonatensatz gehaltenen Allegro-ein energisch vorwärtsstrebender Satz, stark auf die Entwicklung des Hauptthemas ausgelegt.Der 2. Satz ist ein schön lyrisches Stück mit gelungenen Einfällen und interessanter,bisweilen verblüffender Evolution.Auch das Finale, rondoartig angelegt, ist von stupender Fülle an Ideen erfüllt und verströmt ein überschwängliches,frohsinniges Gefühl. Vor allem der ausgedehnte walzerhafte Abschnitt ist bemerkenswert. Trompetenfanfaren leiten die finale Sequenz ein und das Rondothema wird sehr schnell und mit effektreichem Schlagzeugeinsatz verarbeitet, bevor die kurze Coda die Sinfonie zu einem siegreichen, knappen Ende bringt.Die Sinfonie Nr. 25 in a-moll(1966) ist ebenfalls dreisätzig und hebt sich durch stärkere Annäherung an klassische Muster und melodischen Wohlklang hervor.Im 1. Satz kommen wieder einmal Brians Markenzeichen, nämlich wuchtige Marschthemen, zum Einsatz, dezenter tauchen diese auch im ernsthaften,etwas kargen langsamen Satz auf. Das kürzere Rondo-Finale ist dafür lebhaft, virtuos instrumentiert und bringt das Werk zu einem fröhlichen Abschluss.Als drittes Werk findet sich auf dieser CD noch das Orchesterstück "Fantastic Variations on an Old Rhyme" wieder, welches über 50 Jahre vor den obigen Sinfonien entstand!Dies war ursprünglich der 1. Satz von Brians verworfener "Fantastic Symphony", die viele Wandlungen durchlief. Die Variationen basieren auf dem alten Kinderreim "Three Blind Mice"-diese Melodie wird gleich zu Beginn eingeführt und das an sich simple Thema wird mittels gewaltigem orchestralen Aufwand variiert. Entwicklung wird großgeschrieben, mit am gelungensten sind der romantisch-leidenschaftliche 3. Abschnitt und die sogenannte 2. Verfolgungssequenz(4.Abschnitt) mit aufregender Dynamik und der Überschneidung von Instrumentengruppen. Man hätte zu gerne die ganze "Fantastic Symphony" gehört! (den letzten Satz gibt es zumindest auf einer anderen Naxos-Aufnahme).Fazit: Auch wenn es fraglos bedeutendere Sinfonien von Havergal Brian gibt, so kann man sich mit dieser Aufnahme doch einen sehr günstigen und lohnenden Eindruck des ebenfalls überzeugenden Spätwerkes dieses viel zu sehr vernachlässigten Giganten britischer Musik des 20.Jh. verschaffen!