Am Anfang meiner Rezension möchte ich mitteilen, dass ich zwar von Hildegard von Bingen ein paar Bücher zum Thema Heilkunst besitze, jedoch über ihr eigentliches Leben und Wirken nicht wirklich viel Wissen besitze, daher will ich mich hier nicht dazu äußern, wie genau der Film es mit der Historie nimmt und ob nun alles tatsächlich korrekt dargestellt wurde.An sich hatte mir der Film jedoch gefallen, wenngleich man keinen Film von der Wiege bis zur Bahre erhält, der wirklich jeden einzelnen Aspekt vom Leben der Hildegard von Bingen abdeckt. Dies wird auch von der Regisseurin im Audiokommentar, auf der zweiten Tonspur der Blu-Ray, so verkündet. Daher ist es vielleicht ein wenig verwirrend, wenn der Film mit dem Abend der Jahrtausendwende beginnt und man in der nächsten Szene beim Sonnenaufgang des nächsten Tages ein kleines Mädchen erblickt, von welchem man nun denken könnte, dies soll wohl Hildegard sein, obwohl sie dies selbstverständlich nicht sein kann, da Hildegard erst lange nach der Jahrtausendwende geboren wurde. Trotzdem hatte mir die Szene schon sehr gut gefallen, denn tatsächlich besaßen die Menschen eine unwahrscheinliche Angst davor, dass mit der Vollendung der ersten 1.000 Jahre die Welt untergehen würde, in Anlehnung auf einen Vers in der biblischen Offenbarungsschrift. Sodann springt der Film in die Aufnahme von Hildegard in das Kloster um, springt aber nur wenige Filmminuten mehrere Jahrzehnte weiter, an eine Stelle, wo die geistliche Mutter von Hildegard, Jutta von Sponheim, bereits im Sterben liegt. Überhaupt wirken manche Schnitte für mich ein wenig zu drastisch, vor allem, wenn Hildegard ihre erste göttliche Vision enthält und kurz darauf der Mönch Volmar, der Hildegard von Bingen auch in der Realität unterstützte, dem Leiter des Klosters bereits ihre aufgeschriebenen Gesichte präsentiert.Wie gesagt, ich weiß selbst nicht, wie der Charakter der echten Hildegard von Bingen denn gewesen sein könnte, doch persönlich habe ich zumindest das Gefühl erhalten, dass Barbara Sukowa in ihrer Rolle ein wenig übertreibt. Oft wirkt mir Hildegard einfach zu streng, während sie im selben Atemzug immer wieder verkündet, dass sie doch nur eine schwache Frau wäre, während sie zugleich auch immer wieder an sich selbst zweifelt und sich fragt, ob der Weg, den sie einschlug, der richtige ist. Persönlich kann ich ihren filmischen Charakter daher nur sehr schlecht einordnen. Heino Ferch als Bruder Volmar fand ich noch am besten, denn der Leiter des Klosters wirkte auf mich wieder ein wenig zu dunkel, fast schon ein wenig besessen, nach all den Gütern, welche sein Kloster natürlich verliert, sobald Hildegard mit einem großen Tross auszieht, um ein eigenes Kloster zu errichten, wobei ich den sehr aufwendig gestalteten Auszug sowie den Aufbau des Klosters sehr gut dargestellt fand, denn so lernt man auch, dass nicht einfach nur die Nonnen allein und für sich aus dem Kloster zogen, sondern unzählige Güter und Personen dahinterstehen, welche diesen Tross begleiten. Hier erkennt man auch den sehr großen Aufwand mit Kostümen, Kulissen und der Zahl der Darsteller, was mir sehr gut gefallen hat. Klar, sobald das Kloster fertig ist, sieht man dieses nur als CGI, denn laut dem Audiokommentar ist vom originalen Kloster heute wohl nur noch ein Keller übrig, jedoch ist das CGI so gut gemacht, dass es keineswegs gekünstelt rüberkommt. Auch die Qualität der Blu-Ray ist gestochen scharf.Weniger gut gefallen hat mir, technisch betrachtet, jedoch die Tatsache, dass wohl ausschließlich solche Kameras verwendet wurden, welche das Kamerateam auf seinen eigenen Schultern tragen musste, sodass das Bild stets ziemlich wackelt. Besonders nervig war dies für mich immer dann, wenn die Kamera rasch auf die Nahansicht eines Gesichtes zoomen wollte und dabei erst einmal in Richtung Hals der jeweiligen Schauspielerin zoomt, sodass das Bild dann ganz schnell nach oben gerissen wird, damit das Gesicht überhaupt im Bild ist. Irgendwann hatte ich mich zwar daran gewöhnt, sodass die ganze Wackelei für mich nicht mehr ganz so störend war und es liest sich hier vielleicht auch ein wenig gravierender, als es im Film den tatsächlichen Anschein hat, doch habe ich mich trotzdem gefragt, warum man bei vielen Szenen nicht Standkameras verwenden konnte. Gerade, da sich die meisten Szenen im Inneren von Klöstern abspielen, wäre es doch wohl nicht so schwer gewesen, eine Kamera auf dem festen Untergrund zu platzieren.Sehr gut fand ich jedoch, dass der mittelalterliche Zeitgeist gut eingefangen wurde. Als die ersten Gesichte von Hildegard nämlich hohen Geistlichen vorgezeigt werden, die sich darüber ein Urteil machen sollten, hatte ich, vor allem dank der wohl absichtlich sehr düster gehaltenen Szene, fast schon Angst gehabt, dass Hildegard wohl gleich als Ketzerin auf dem Scheiterhaufen brennen würde. Gut, ihr wurde zumindest damit gedroht, als Ketzerin aus der Kirche ausgestoßen zu werden, doch für die damaligen Verhältnisse war dies alles andere, als eine reine Rufschädigung. Auch die Tatsache, dass das Keuschheitsgelübde keine absolute Keuschheit garantiert, wird in diesem Film thematisiert, zumindest in der Hinsicht, dass Hildegard von einer heimlichen Liebschaft zwischen einer jungen Nonne und einem ebenso jungen Mönch erfährt, wenngleich die Identität des Mönches unbekannt bleibt, und die Nonne daraufhin das Kloster verlassen muss, woraufhin diese sich jedoch das Leben nimmt. Im Audiokommentar wird überdies erwähnt, dass man bei Ausgrabungen tatsächlich Kinderskelette auf dem Boden ehemaliger Klöster gefunden hat und ich schätze, dass bei Gemeinschaftsklöstern die Enthaltsamkeit tatsächlich relativ schwer und nicht zu jeder Zeit gesichert werden konnte, obwohl stets sehr strenge Regeln galten und sich beide Geschlechter nicht einmal ansehen durften. Ebenso gut dargestellt fand ich, dass auch die Politik stets versucht, in das klösterliche Leben einzugreifen, als Hildegard dazu aufgefordert wird, eine ihr sehr lieb gewordene Nonne an ein anderes Kloster übergeben zu müssen, damit diese dort eine Äbtissin werden kann, wobei in dieser Sache von dessen sehr einflussreicher Mutter aus adeligem Hause ein großer Druck ausgeübt wird. Und obwohl es hier fast nur auf die Dialoge ankommt, denn actionreiche oder besonders dramatische Szenen enthält dieser Film zu keinem einzigen Zeitpunkt, so sind bei mir die historischen Verhältnisse von damals sehr gut rübergekommen, sodass ich das alles sehr gut von den Schauspielern inszeniert fand.Wie ich bereits erwähnte, besitzt der Film keinerlei Dramatik, was das Leben von Hildegard von Bingen jedoch auch kaum hergeben dürfte. Eher auf Action oder auf gewaltige Massenszenen ausgelegte Menschen werden daher mit diesem Film sicher nicht glücklich. Liebhaber von Filmen, die vor allem Wert auf zahlreiche, nach originalen Vorlagen nachgemachte Kostüme, historisch akkurate Requisiten etc. legen, kommen hier schon eher auf ihre Kosten. Wie bereits erwähnt, kann ich nicht behaupten, was nun wirklich historisch korrekt ist oder nicht, wenn man das Leben und damit auch die Geschichte von Hildegard von Bingen in Betracht zieht, doch man erhält einen guten Überblick, zumindest hatte ich diesen Eindruck erzielt, auch wenn mir Barbara Sukowa als Hildegard von Bingen doch ein wenig unglaubwürdig wirkte, da sie an manchen Stellen doch sehr dominant wirkte, dann wieder meint, sie wäre nur eine schwache Frau, während sie manchmal an sich selbst zweifelt, um dann wieder einer Äbtissin aus einem anderen Kloster ohne Nonnentracht ein Singspiel vorzuführen, wobei auch alle anderen Nonnen ihr Haar offen tragen. Für mich ist es sehr schwer vorstellbar, dass die echte Hildegard von Bingen ein solches Stück einer Äbtissin jemals vorgetragen hatte. Enden tut der Film daher auch nicht mit ihrem Tode, sondern wie sie noch einmal auf Predigerreise geht, wovon sie selbst der Mönch Volmar nicht abhalten kann und natürlich trotzdem mit ihr zieht.Da mir sonst kein Film über Hildegard von Bingen bekannt ist, würde ich persönlich aussagen wollen, dass Menschen, die sich über sie interessieren, sich den Film ruhig einmal zur Gemüte ziehen sollten, wenngleich man auch nicht allzu viel erwarten sollte, obwohl der Film auch zahlreiche, nach originalen Vorbildern nachempfundene Kulissen, Kostüme etc. enthält. Zum Einstieg in die Geschichte über das Leben von Hildegard von Bingen, die nicht umsonst ihre recht tiefen Spuren in der deutschen Geschichte hinterlassen hatte, ist der Film gut geeignet, doch um tiefer in die Materie einzusteigen, kommt man sicherlich nicht an einem guten Buch über Hildegard von Bingen vorbei, während der Film zur reinen Unterhaltung nur bedingt herhalten kann, da er keinerlei Dramatik oder irgendeine Art von großer, tiefgreifender Spannung enthält. Jedoch halte ich den Film selbst für einen ganz guten Durchschnitt.