Den Streit zwischen den Bewunderern von Virtuosentum als Selbstzweck und den Anhängern einer werktreuen Interpretation wird es immer geben.Michael Korstick hat vor der Einspielung dieser Aufnahme ausgedehnte Studien im Autographen betrieben und legt hier eine Interpretation vor, die es sich zum Ziel genommen hat Beethovens Werk so erklingen zu lassen wie es gemeint war.Es wäre nun paradox zu glauben, daß dieses Ziel von einem Pianisten erreicht werden könnte, der nicht über die nötigen Klangfarben verfügt oder sie - aus Gründen der Werktreue - nicht einsetzt. Selbstverständlich müssen auch bei werktreuer Interpretation alle erforderlichen Klangfarben eingesetzt werden. Wenn daran Mangel besteht, ist die Interpretation nicht werktreu sondern einfach schlecht.Korstick verfügt über alle Ausdrucksmittel, die für eine beispielhafte Interpretation erforderlich sind. Mehr noch, sein Beethoven klingt so plausibel, daß ich den Eindruck habe, Beethoven noch nie so gut gehört zu haben wie hier.Im übrigen ist seine Technik viel besser als die vieler Konkurrenten, die es mit Virtuosentum probieren.Aufnahmetechnisch ist diese Aufnahme ebenfalls vorzüglich gelungen: tonale Balance (schöner Klavierklang), großes Dynamikspektrum und gute Räumlichkeit sind vorhanden.Diese Aufnahme hat den Preis der Deutschen Schallplattenkritik Vierteljahresliste 4/2005 erhalten.
Michael Korstick hat es mit seinen Interpretationen geschafft, eine heitere und bisweilen auch freche Aura der Diabelli-Variationen zu transportieren! Die spielerischen Wechsel von piano zu subito forte (und anders herum) setzt er meiner Meinung nach sehr gekonnt um, und auch lieblichere Variationen wie z.B. Nr. 15 wirken dann wiederum betörend schön. Das kann man kaum besser machen. Dass er die Emotionen Beethovens aus dessen Original Noten herauslesen konnte, das nimmt man Michael Korstick bei dieser Darbietung ab.Diese Aufnahme höre ich mit großem Vergnügen immer wieder - allerdings bei meinen beiden High-End Anlagen nicht exakt mitten zwischen den Lautsprechern sitzend, stattdessen halte mich lieber "irgendwo" im Raum auf. Und warum? Weil die Aufnahme "von der Seite angehört" zwar sehr echt und livehaftig klingt - und das ist richtig gut - so wird der Flügel jedoch bei korrekter Sitzposition zerhackt wiedergegeben: eher rechts die Klaviatur, theoretisch würde demnach der Deckel der direkt klingenden Aufnahme im Weg stehen, was aber nicht der Fall ist. Der Korpus ist räumlich nicht definiert, alles wirkt etwas durcheinandergewürfelt, wenngleich wieder durch den dezenten Nachhall durchaus räumlich wirkend. Und das ist es wahrscheinlich auch, was bei vielen Anlagen zu einer Überforderung der Komponenten und letztlich auch dem Hörer führen kann. Daher ein Stern Abzug.
Michael Korsticks Interpretation der Diabelli-Varationen von Beethoven besticht durch ihre stellenweise verblüffende Virtuosität bei gleichzeitig transparenter Spielweise. Außerdem hat der Pianist der CD eine gelunge Aufnahme eines Variationszyklus von Josef Haydn spendiert.Anlass zur Kritik gibt mir allerdings die Tatsache, dass man nicht in der Lage ist, sich einzelne Varationen für sich genommen anzuhören, da die CD alle 33 Variationen als einzelnen Block umfasst.Wer jedoch darüber hinwegsehen kann, ist mit dieser CD sehr gut beraten.