Diese Gesamtaufnahme von Mozarts "Don Giovanni" (von 1959), ist von der Besetzung her selten gut ausgewogen; nachdem Giulini das Gespür für die richtigen Tempi hat, ist diese Aufnahme aus meinerpersönlichen Sicht beispielhaft gelungen. Klanglich merkt man der 3er-Box das Alter der Entstehung (1959)kaum an -klanglich gut aufbereitet. Und nachdem die Sänger ausnahmslos zur damaligen Elite gehörten - Wächter, Sutherland, Taddei, Frick, Schwarzkopf, Sciutti, - ist eine gewisse Garantie gegeben, um ausgezeichnete sängerische Leistungen zu hören. Bei Mozarts "Figaro" gebe ich der Böhm-Aufnahme den Vorzug, aber beim "Giovanni" ist Giulini mein Favorit. Eine klare Kaufempfehlung für diese wunderbare Ausgabe!Gottfried Ofner
Otto Klemperer (1885-1973) bringt der Musikfreund landläufig eigentlich mehr mit Beethoven, Brahms oder Mahler in Verbindung, aber der große Dirigent hat neben seinen eigenwilligen, aber glänzenden Interpretationen der späten Mozart-Symphonien in den letzten Jahren seines aktiven Wirkens auch Mozarts Meisteropern in die Rillen gebannt. Aus ihnen ragen nach meinem Empfinden die Zauberflöte und der - etwas später entstandene - Don Giovanni hervor, der hier als "Querschnitt" vorgelegt wird.Ich kenne keine Aufnahme dieser Oper, die so düster und bezwingend klingt wie diese hier. Dirigentisch ein Meisterstück, an Dämonie und Dramatik kaum zu überbieten, ist sie sängerisch der Giulini-Aufnahme von 1959, als deren Dirigent eigentlich Klemperer vorgesehen war, der aber durch schwere Krankheit nicht zur Verfügung stand, zwar nicht ganz gewachsen (Ausnahme: Nicolai Ghiaurov als finster-dämonischer Titelheld, der wie kein anderer in Klemperers Konzept hineinpaßt), aber die übrigen Protagonisten, darunter Franz Crass (Komtur), Walter Berry (Leporello), Nicolai Gedda (Don Ottavio), Christa Ludwig (Donna Elvira) und Mirella Freni (Zerlina), genügen ebenfalls hohen Ansprüchen. Einzig Claire Watson als Donna Anna erfüllt die in sie gesetzten Erwartungen nicht ganz.Besonders beeindruckend und düster die Friedhofszene, die aber leider hier nicht enthalten ist, und das Finale. Eine aus dem Rahmen fallende, aber in jeder Hinsicht packende Aufnahme, ein Muß nicht nur für Klemperer-Verehrer. Wer sich mit einem repräsentativen Querschnitt durch das Werk zufrieden gibt, wird hier gut bedient. Immerhin enthält die CD eine reichliche Stunde Musik.Klanglich ist gegen die Produktion von 1966 nichts einzuwenden, die Textbeilage ist zwar mehrsprachig, aber nicht sonderlich originell.