".....but fairness is not the historical Novelist`s first duty."(B. Cornwell in siner Historical Note, Seite 317)Neben seinem Postulat, was nicht die erste Pflicht des Autors eines historischen Romans sei, räumt Bernard Cornwell in seinem Nachwort zusätzlich ein, dass "Sword Song" mehr Fiktion beinhaltet, als die drei vorangegangenen Romane um König Alfred den Großen und den fiktiven Protagonisten Uthred of Bebbanburg. Dies lässt schon der Titel erahnen, der gegenüber den pragmatischen der vorangangenen Bände, geradezu poetisch anmutet. Während sich der erste Band "The Last Kingdom" weitgehend an die historische Chronologie hielt, was durch etliche Jahreszahlen dokumentiert wurde, bekannte Cornwell im Nachwort zu "The Pale Horseman", dass er aus "dramaturgischen Gründen" den angelsächsischen Sieg von Cynuit um ein Jahr vorverlegt hat. Im dritten Band, "The Lords Of The North" gestattete ihm das "dunkles Zeitalter" Northumbrias im 9 Jahrhundert eine Menge dichterischer Freiheiten, von denen er reichlich Gebrauch machte. Die "Historical Note" zu "Sword Song" bietet jedoch nur eine rudimentäre Trennung zwischen historischen Tatsachen und Fiktion. Während Cornwell zugibt, das alttestamentarische "Eifersuchtsordeal des bitteren Wassers" (Numeri 5,11-31) in die Handlung eingebaut hat, wird der Leser nicht nur darüber im Unklaren gelassen, welche Akteure historisch, welche fiktiv sind, er erhält auch keinen Hinweis darauf, dass wieder die Chronologie der Ereignisse verändert wurde. In seinem, im Jahre 885 beginnenden, vierten Teil lässt er der Hochzeit Aethelreds II of Mercia mit Alfreds Tochter Aethelflaed die Eroberung Londons und danach die Belagerung Rochesters folgen. Tatsächlich wurde das damalige Hrofeceastres jedoch bereits im Jahre 884 belagert, London 886 erobert und an den Lord of Mercia übergeben und der früheste Zeitpunkt der Hochzeit war im Jahre 887.......nachdem Uthred aus Northumbria zurückgekehrt ist, lebt er seit zwei Jahren mit seiner zweiten Ehefrau Gisela, der Schwester König Guthreds von Northumbria, und seinen Kindern seit zwei Jahren in Coccham (Cookam/Berkshire. Dort soll er die Stadt zu einer "burgh" ausbauen und den Grenzfluss Temes (Themse) gegen anhaltende Überfälle der Nordmänner sichern, als ihn König Alfred mit der Eroberung Lundenes beauftragt....Neben den bereits bekannten Akteuren hat Cornwell auch neue Antagonisten in die Romanhandlung eingebaut, die beiden norwegischen Warlords Sigefrid und dessen Bruder Erik. Bemerkenswert ist auch diesmal, dass sich die Darstellung der Charaktere nicht in einer Schwarzweissmalerei erschöpft, sondern z. B. Freundschaft und Loyalität unabhängig von Stammes- oder Religionszugehörigkeit sind. Cornwell schafft es jedoch, dass der Leser eher Sympathie für den "Heiden" Uhtred und seine Kameraden empfindet, als für König Alfred und dessen Günstlinge und klerikale Berater. Zu Beginn des Romans gibt es ein Verzeichnis, das die damaligen angelsächsischen und nordischen Ortsnamen ihren heutigen Bezeichnungen gegenüberstellt. Daneben bieten zwei Skizzen einen geographischen Überblick die damaligen Königreiche Wessex, Mercia und Eastanglia bis zur Mündung der Themse, sowie die im Zentrum des "Dreiländerecks" gelegenen Stadt Lundene (London)."Sword Song" ist ein Muss für alle Cornwell-Fans, die bereits die vorausgegangenen Bände seiner Sachsenchronik gelesen haben und zwingt den Leser geradezu, sich näher mit der Geschichte Britanniens zu befassen. Trotz des fortschreitenden Verlustes an historischer Substanz ist es dem Autor wieder gelungen, eine emotional packende Story vorzulegen, die erneut beweist, dass das Schicksal unerbittlich sein muss und daher in der Hoffung auf einen mehr historischen, jedoch gleichermaßen spannenden 5. Teil mit 4 Amazonsternen zu bewerten ist."Yet dreams, as the more fortunate of the authors characters discover, can come true, and so Uhtred ans his Story will continue....." (Seite 318)
Auch der vierte Teil der "Saxon Stories" ist ein routiniert geschriebener, recht unterhaltsamer Historienroman – und dennoch der bislang schlechteste Teil der Reihe über das angelsächsische England im ausgehenden 9. Jahrhundert. Der Hauptprotagonist ist wieder Uhtred, der heimatlose Krieger aus Northumbria. Er ist mittlerweile fast 30 Jahre alt, verheiratet und zweifacher Vater. König Alfred, mit dem ihn eine komplexe, widersprüchliche Beziehung verbindet, hat seinen Wert als erstklassigen Heerführer erkannt und ihn als eine Art Militärgouverneur in einer der vielen grenznahen Wehrburgen eingesetzt. Auch hier kann sich Uhtred den Intrigen und Auseinandersetzungen zwischen den einzelnen sächsischen und nordischen Königreichen nicht entziehen und muss wieder gegen skandinavische Invasoren kämpfen, deren Lebensart ihm doch so viel näher steht als die der zunehmend vom christlichen Klerus dominierten Angelsachsen. Die Geschichte entwickelt sich rasant, wieder hat der Held viele Gefahren zu bestehen. Diesmal wirken die beinahe ununterbrochen aufeinander folgenden Schlachten jedoch etwas ermüdend, die Beschreibungen dieser Szenen, im Allgemeinen eine Spezialität des Autoren Cornwell, erscheinen inzwischen stereotyp und geben der Geschichte keine neuen Impulse. Auch das ständige Auftauchen immer neuer skandinavischer Warlords wirkt geradezu beliebig. Die Hauptstärke des Gesamtentwurfes dieser Romanserie, den Romanhelden als echten Mann zweier Welten darzustellen, der in beiden Gegenpolen, der angelsächsischen und der nordischen Welt, (nicht) zu Hause ist, kommt in diesem Teil weit weniger zum Tragen. Das merkt man dem Roman leider immer wieder an. Insgesamt hat man etwas den Eindruck, hier erstmals Ermüdungserscheinungen beim Autor festzustellen. Das fällt besonders bei einigen typischen Themen des Autors auf: Der Demontage historischer oder mythischer Lichtgestalten und ganz besonders der verächtlichen Beschreibung christlichen Glaubenseifers und der Scheinheiligkeit des politisch agierenden Klerus (der Autor wuchs in einer bigotten Pflegefamilie auf). Was gelegentlich durchaus amüsant sein kann, ist in diesem Fall ziemlich nervig. Ein Pluspunkt ist wieder mal die Einbindung der diversen Charaktere, deren Zeitbezug durchaus glaubwürdig erscheint und die dennoch für ein modernes Publikum attraktiv sind. Das verbindet Cornwell mit einer legendären Kollegin, Rosemary Sutcliff. Beiden war die virtuose Beschreibung menschlicher Charaktere nicht gegeben, beiden gelang es durch die gekonnte Einbettung in einen spannenden Geschichtsverlauf dennoch Figuren zu entwickeln, die einem Leser sehr schnell ans Herz wachsen können. Gerade das gelingt aber vielen zeitgenössischen Verfassern historischer Romane nicht mehr, gerade das lässt Bernard Cornwell – auch wie hier mit einem schwächelnden Buch – immer noch aus dem Gros der Konkurrenz herausragen. Wollen wir hoffen, das nach einem guten ersten, einem hervorragenden zweiten Teil und den beiden lauen dritten und vierten Bänden die Nummer fünf wieder besser wird. Die Figur Uhtred, die trotz aller schicksalhaften Wendungen kaum eine nennenswerte Entwicklung durchmacht, muss mehr Tiefe erhalten, die monochrome Festlegung auf einen arroganten, selbstbewussten Krieger kann auf Dauer nicht fesseln, geschweige denn einen Romanzyklus tragen. Ein Pluspunkt ist wie immer die originelle Porträtierung Alfreds, dem "Warrior King", als einen pedantischen, gelehrten und rationalen Fürsten in einem mystisch geprägten Zeitalter, der wie ein Vorläufer der absolutistischen, intellektuellen Monarchen des Hochmittelalters wirkt. In der Konfrontation dieser beiden so gegensätzlich Charaktere, Alfred und Uhtred, dürfte wohl auch das größte Potential für die weiteren Folgen liegen.
Zum Inhalt ist alles gesagt ... Auch wenn es Längen und Wiederholungen gibt, ist die ganze Uthred Reihe spannend und vor einem realen Hintergrund toll erzählt. Vielleicht die beste Buchserie zu diesem dunklen Zeitabschnitt, in dem die römische Kultur zunehmend verblasst, die Völkerwanderung mit den Vikingern zu Ende geht und mit dem Frankenreich und England erste Nationalstaaten in Europa entstehen.