Zum InhaltDieser Roman verfolgt die Wege zweier Protagonisten, die eine Gemeinsamkeit haben: Sowohl der Vater von James Marwood als auch der Vater von Cat(herine) Lovett waren Mitglieder der Fifth Monarchists, die den Sturz und die Hinrichtung König Charles I mit zu verantworten haben.Dem Vater von James Marwood hat König Charles II nach Wiedereinführung der Monarchie Milde erwiesen, nach sechs Jahren im Gefängnis wurde er in die Obhut seines Sohnes James entlassen, dieser muss dafür für Sir Joseph Williamson für die Belange des Königs arbeiten. Als kurz nach dem Großen Brand von London zwei ermordete Männer aufgefunden werden, deren Daumen hinter ihrem Rücken zusammengebunden wurden – eine Strafe für Verräter - , soll James der Sache auf den Grund gehen. Außerdem soll er Thomas Lovett finden, den Vater von Cat. Dieser befindet sich seit der Re-Institution der Monarchie auf der Flucht, aber er hat seine Tochter bei seinem Schwager, dem Goldschmied Sir Henry Alderley gelassen. James möchte über die Tochter an den Vater herankommen, muss aber feststellen, dass Cat aus dem Hause Alderley geflohen ist, nachdem die Alderleys sie aufgrund eigener Interessen mit einem Mann verheiraten wollten, der ihr zuwider ist.Nun steht James unter doppeltem Stress, denn der König könnte im Falle seines Scheiterns wieder gegen seinen alternden und schwächelnden Vater vorgehen.BeurteilungJames Marwood tritt als Ich-Erzähler auf und bezieht den Leser direkt in sein Leben, seine Vergangenheit und seine Sorgen ein. Parallel dazu wird das Leben von Cat distanzierter in der dritten Person präsentiert. Cat möchte nach einem einschneidenden Vorfall nichts mehr mit Männern zu tun haben, an einer Heirat hat sie ohnehin nie Interesse gehabt. Vielmehr träumt sie davon, sich als Architektin / Bauzeichnerin zu betätigen und sich beim Wiederaufbau Londons einzubringen. Doch nicht die Alderleys, sondern auch ihr Vater, der immer noch ein religiöser Fanatiker ist und von der Rückkehr des „King Jesus“ träumt, haben andere Pläne mit ihr.Die Charaktere der Romanfiguren sind gut ausgearbeitet und weitestgehend glaubhaft, auch wenn Cat ziemlich aus der Frauenrolle ihrer Zeit fällt, was hier allerdings nachvollziehbar ist.In wechselnden Abschnitten und sehr anschaulich lässt der Autor den Leser am Schicksal der beiden Protagonisten teilhaben, dabei ist die in einen gründlich recherchierten Kontext eingebaute Handlung gut aufgebaut. Stellenweise ist der Roman spannend, gelegentlich auch mit einer Prise Humor gewürzt, wenn es um die vier Doggen der Familie Alderley geht: „Thunder, Lion, Greedy and Bare-Arse. Especially Bare-Arse.“ (Cats Lieblingshund).Das Vorwort des Autors hätte etwas ausführlicher sein können und auch ein Personenverzeichnis hätte nicht geschadet.Der Titel ist ausgezeichnet gewählt und kann in einem doppelten Wortsinn verstanden werden. Einerseits bezieht sich die „Asche“ darauf, dass die Handlung des Romans nach dem eigentlichen Großbrand spielt und dessen Auswirkungen schildert, andererseits könnte sich „ashes“ auch auf die glimmenden Überreste der Bewegung der Fifth Monarchists und der „regicides“ (Mörder des Königs Charles I) beziehen.FazitEin sehr lesenswerter, unterhaltsamer Roman, der hoffentlich in absehbarer Zeit ins Deutsche übersetzt werden wird.