★★★★★
k.A.
02.06.2026
ean-shopping.de
Obwohl die Beschreibung sich auf einen Autor bezieht, der nicht direkt mit Chirurgie zu tun hat, finde ich die Darstellung des Buches von Ian McEwan sehr ansprechend. Es ist ein gutes Werk, mit einigen Einschränkungen bezüglich des spezifischen Themas.
Das Buch hat mir sehr gut gefallen, obschon - und da gebe ich dem Vorrezensenten recht - es nichts mit Joyce zu tun hat.Auch wenn man den Tag zumeist aus der Innensicht von Perownes Kopf erlebt, so ist dort doch selbst unter Streß, in Verlegenheit als auch in Lebensgefahr alles fein-säuberlich geordnet. Keine Gedankenfetzen fliegen, der *stream of consciousness* fließt in den üblichen von Grammatik und Satzbauregeln diktierten Bahnen.Was die Assoziation, oder sagen wir: das Lob, das damit gemeint war, verständlich macht, ist die Tiefe, die McEwan mit einer relativ kurzen Geschichte eines Tages zu erzeugen vermag. Und durch diese Tiefe einen großen Widerhall - zumindest bei mir.Perowne ist nicht nur der sachliche, disziplinierte Mensch, der Langweilige. Er ist auch warmherzig, kritikfähig, selbstreflektiert und vor allem nicht denkfaul.Geschmack für und Durst auf Wein und Champagner machen ihn mir sympatischer als den vielleicht erwarteten Abstinenzler.Im Gegensatz zu (ich nenn es jetzt mal so) unserem so oft bemühten *Wald-und-Wiesen-homo faber* ist er nicht ständig durch die eigene Rationalität erschöpft und schlurft auch nicht, vorgealtert durch seinen großen geistigen Umsatz, irgendwie gebückt durch das tableau.Wohl aber entdeckt er äußerliche Zeichen des Alterns und überprüft auch andere Bereiche seines Lebens dann daraufhin.Bei allem aber bleibt er, einer später dann doch auftretenden (und verständlichen) Müdigkeit zum Trotz, eigentlich immer auf einem Wahrnehmungsniveau, das großen Hunger nach Reibung zu signalisieren scheint.Nach dem zu urteilen, was in ihm abgeht, müsste er ein ziemlich anstrengender Zeitgenosse sein, aber da er nur einen Bruchteil davon nach außen mitteilt, wirkt er auf seine Familie wohl eher wie der ruhende Pol, der Fels in der Brandung.Nach innen geht es aber richtig ab.Der Kampf mit den Dingen, die sich nicht klassifizieren lassen (seine Familie, die Tochter, die erwachsen wird und deren Dichtung, die ihm - unter anderem - verdeutlicht, daß sie zur Frau geworden ist) wird minutiös geschildert. Aber, und das ist die Kunst, ohne je langweilig zu werden.Ob man seiner Hand bei feinen Schnitten in hochempfindliche Körperregionen folgt, oder seinem Blick, als seine Tochter sich unter Androhung von Gewalt entkleiden soll - ihm entgeht nichts (sprich: sie ist schwanger) - außer der Fähigkeit, direkt emotional ergriffen zu sein. Alles geht zunächst durch einen innerlichen Filter, und das ist faszinierend.Er beschreibt sich selbst als einen Menschen, der sehr wohl die Leseliste der Tochter "abarbeitet", aber nie wirklich von Ehrfurcht erfaßt wurde bei irgendeinem Buch. Er würde es aber gern mal erleben...Umso mehr verwundert (auch ihn selbst) seine für seine Verhältnisse *überemotionale* Reaktion auf das vermeintlich abstürzende Flugzeug, das er vom Schlafzimmerfenster aus, einer plötzlichen Insomnia vorahnungsvoll ans Fenster folgend, fast abstürzen sieht.Er ertappt sich bei Spekulationen und beim Durchspielen von nicht durch Fakten belegbaren irrationalen Terrorszenarien, die sich von diesem Ereignis aus vollziehen könnten. So wird auch der drohende Irakkrieg in die Geschichte eingeführt - der Terror von 9-11 hat selbst Perowne zu einem relativ vor-nervösen, etwas schlimmes antizipierenden Menschen gemacht.Nicht nur inspiziert er sein Leben, seine Liebe, seinen Beruf und seine Prioritäten, er stellt nun auch neue Verbindungen dazwischen her.So kann man ihm unheimlich gut folgen, auch wenn man hinterher denken mag: so bin ich selbst gar nicht.Aber für die Stunden, die man mit ihm verbringt, hat man die Illusion, ihn wirklich verstehen zu können.Man bangt teilweise um ihn, sieht ihn aber auch dazulernen.Man würde ihm dann wieder ein bißchen mehr action gönnen, sieht ihn dann aber scheitern.Letztendlich, noch mal davongekommen.Viel Spaß bei diesem tollen Buch!
★★★★★
CoolCatsCologne.de
11.08.2023
amazon.de
Beim Lesen hatte ich die ganze Zeit das Gefühl, dass das hier ganz große Literatur sein will. Vielleicht ist das auch so. Mich hat das Buch leider sehr gelangweilt, weil mir die Figuren so egal waren. Alles darin ist der feuchte Traum eines Bildungsbürgers. Natürlich ist Henry erfolgreicher Gehirnchirurg, der mit seiner jüngeren Frau glücklich zusammen lebt. Natürlich sind die beiden Kinder schon in jungen Jahren so erfolgreich als Dichterin und Jazzmusiker. Wow. An diesem einen Tag in Henrys Leben denkt er viel und lange über sich und die Gesellschaft nach. Dabei trifft er den Klischee-Proleten Baxter, der ein bisschen Gefahr in seinen Alltag bringt. Es ist so ein bisschen „Männliche Ehre – Das Buch“ und deshalb eher nichts für mich.