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3/5 (2 Bewertungen)
★★★★★ Simon Brenncke 15.10.2024 amazon.de
Auf diesen Titel wurde ich vor ein paar Jahren durch den Hinweis in einem theologischen Buch aufmerksam: hier sei die Theodizee-Frage, die Frage, wie ein guter Gott das Leid zulassen kann, literarisch verarbeitet. Bevor ich den Titel bestellte, beschäftigte ich mich nicht weiter mit dem Inhalt; allein schon diese verquere Aussage von einem Mann namens Donnerstag zog mich an. Die Geschichte brachte mich schließlich in den Bann von Chesterton und führte zu vielen weiteren Buchbestellungen.Chesterton wirft in seiner "Autobiography" Licht auf die undurchsichtig wirkende Entwicklung der Romanhandlung.Die Philosophie der Anarchisten ist schlimmer als jegliches Verbrechen; sie sind nicht nur Mörder; sie sind Verzweiflungstäter ohne Hoffnung auf Reue. Sie wollen die ganze Welt in die Luft sprengen - darin sind sie Mörder -, und sich am Ende gleich mit - darin sind sie Verzweifelte; ohne Hoffnung auf Paradies oder jeglichen Wert des Handelns, aus der finsteren und mächtigen Verzweiflung des Nihilismus heraus. Der Lebenswein ist vergossen", so hören wir das sinistre Gemurmel der Anarchisten. "Der Lebenswein ist ausgeschenkt!", hält Chesterton aber immer wieder feurig-fröhlich dagegen. Diese Linie der optimistischen Weltsicht nimmt von "The Man Who Was Thursday" ihren Anfangspunkt und sollte sich durch sein gesamtes späteres Werk, auch durch sein Leben, durch persönliche Entscheidungen bezüglich der Weltanschauung ziehen.In dem vorliegenden Buch überwindet Chesterton den Pessimismus seiner Jugendzeit.Beim ersten Lesen des Buches sah ich nur die spannende Detektivgeschichte, das haarsträubende Komplott, die entzückenden Verwandlungen. Das Ende enttäuschte mich dann; es erschien mir wie zu einem anderen Roman gehörend, mystisch überlastet, unvereinbar mit dem kitzelnden und unbeschwerten Laufschritt der vorherigen Erzählung. Ich hatte die berechtigte Ahnung, daß dieses Ende erst den theologischen Zusammenhang, nachdem ich vordem vergeblich gesucht hatte, ohne dies wegen der treibenden Erzählung zu bereuen - daß dieses Ende erst diesen Zusammenhang herstellte. Falls es das tat, dann aber auf eine Weise, die ich noch nicht interpretieren konnte.In der Folge las ich mehr von Chesterton, kam seinem Denken näher.Und beim zweiten Lesen interessierten mich tatsächlich am meisten die immer neuen Verwandlungen, diese verklärenden Beruhigungen nach einer unwirren Nacht des Alptraums: Es war nur ein Traum, es war nicht so schwarz, wie es erst den Anschein hatte. Die Theodizee-Frage stand mir fortwährend vor Augen und jetzt meinte ich, die Verbindung zu erkennen.Nun ist Chesterton ein Meister darin, Lebenserfahrungen und geronnene Erkenntnisse in einer religiösen Symbolsprache zu präsentieren. Sein Christentum ist vor allem ein Lebensstil, eine Einstellung zur Welt, die anders als in dieser religiösen Symbolsprache für ihn nicht hätte artikuliert werden können. So geht es in der Theodizee-Frage auch nicht allein abstrakt darum, warum Gott das Leid, die Alpträume in der Welt zuläßt, sondern im Anfang, auf die Existenz des einzelnen heruntergebrochen, darum, wie wir leben, wie wir glücklich sein können in einer Welt, in der das, was uns die Beine vom Boden wegschlägt, was uns aus der Fassung bringt, uns bloßstellt an allen Ecken und Enden lauert, stets bereit, zuzuschlagen, den Lebenswein zu vergießen, uns Tränen vergießen und am Leben verzweifeln zu lassen. Wie läßt es sich überhaupt leben in einer solchen Welt? Die Anarchisten in The Man Who Was Thursday" haben eine simple und schreckliche Antwort: Garnicht. Das ist der schlimmste aller Alpträume. Das Ende las ich jetzt als das kosmische Erwachen, das durch die vorhergehenden Verwandlungen, Enthüllungen, sich in kleinerem Format schon mehrfach angedeutet hatte: Wach auf, es war alles nur ein Traum; das Leben ist gut; du kannst jetzt glücklich sein.Es verwundert also nicht, daß Chesterton in der "Autobiography" von der Begegnung mit einem Psychoanalytiker schreiben konnte, der ihm mitteilte, vielen seiner Patienten "The Man Who Was Thursday" zum Lesen gegeben zu haben: es waren jene, die kurz vom Wahnsinn standen, die das Buch verstanden - und vom Wahnsinn geheilt wurden.Und: natürlich gibt Chesterton auf die Theodizee-Frage, die in dem philosophischen Konflikt seiner Jugendzeit schon vorgebildet war, keine Antwort; er malt nur eine Verheißung aus, wie die großen Religionen es tun: Seine Wege sind unergründlich. Das Buch verleiht aber trotzdem neuen Schwung und eine klarere Sicht, denn es ist allein die unnachahmliche Haltung Chestertons - der Humor, der Optimismus - die dem Leser das Vertrauen gibt, daß die Verheißung keine Phanstasterei ist, daß er auch für sein persönliches Leben hoffen, es in Angriff nehmen kann. Diese übergreifende Haltung Chestertons, diese Pose ist sein Genie.
Klassiker EAN 9780141199771

Chesterton, Gilbert Keith: The Man Who Was Thursday

Hersteller: Penguin  ·  MPN: 7914182
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Produktbeschreibung

G.K. Chesterton was born in 1874 and educated at St Paul's School in London. After two unfinished degrees in both illustration and literature, he became an artist, columnist, arts critic and prolific writer. The religious esotericism of his youth increasingly gave way to orthodox Christianity, and he converted to Roman Catholicism in 1922, going on to become Knight Commander with Star of the Papal Order of St. Gregory the Great. A very large man of 6'4" and 21 stone, Chesterton also had a 'colossal genius' according to his friend George Bernard Shaw - and his work, particularly The Man Who Was
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