Nachdem ich im Laufe meines Studiums entschieden hatte meinen Schwerpunkt und weiteren Werdegang in die Organische Chemie zu legen, belegte ich bereits im Bachelor, aber auch jetzt im Master, entsprechende Fortgeschrittenenkurse. Der "Clayden" hat mich auf diesem Weg bisher mehr als kompetent begleitet und mein Studium bereichert.Gerade die englische Originalversion überzeugt durch einen durchweg klaren, verständlichen, teilweise schon unterhaltsamen, aber vor allem organisierten und präzisen Schreibstil. Es macht schlichtweg Freude in diesem Buch zu lesen. Gleichzeitig ist es sehr arm an Fehlern, und die Fehler die entdeckt wurden, können auf der offiziellen Webseite, neben zahlreichen teils fordernden Übungsfragen, kostenlos eingesehen und heruntergeladen werden. Die deutsche Version des Buches ist diesbezüglich weniger gut gelungen: Mehr Fehler und weniger schön geschrieben. Aber das nur nebenbei.Der Inhalt ist sehr modern und aktuell. Konkret heißt das: Durchgehende Argumentation über die Molekülorbitaltheorie, mit sehr schönen Abbildungen; das hilft sehr beim Verständnis und der räumlichen Vorstellung der Mechanismen. Darüber hinaus werden Begrifflichkeiten klar definiert und voneinander abgegrenzt: Zum Beispiel die Begriffe "stereoselektiv" und "stereospezifisch", sowie die Verbannung des Begriffs "Resonanz" bezüglich mesomerer Grenzformeln. Dieser ist nämlich extrem irreführend (Das Molekül "schwingt" nicht zwischen zwei Zuständen hin und her!) und schon durch die Spektroskopie besetzt. Dennoch verwenden viele Bücher, und leider auch Studenten und Dozenten diesen "modernen", unpassenden Begriff. Danke für die Klarstellung lieber Clayden!Andere Bücher wie der "Vollhardt", oder der "Bruice", oder auch der in Amerika sehr beliebte "D. Klein", führen inhaltlich maximal bis zum Bachelorabschluss; der Clayden hingegen überzeugt mit einer Tiefe und einer Diversität an Themen (man beachte hier auch die kostenlos herunterladbaren Zusatzkapitel), dass er signifikant weiter führt als die anderen Lehrwerke. Kurz: Man kann ihn im Master genauso gut gebrauchen wie im Bachelor.Durch sein tiefes Vordringen in die Materie und seinen mechanistischen Schwerpunkt macht er sogar Büchern wie dem "Brückner" Konkurrenz, die nochmal eine andere Ebene bedienen. Hier zieht er jedoch, vor allem durch die fehlende Beschreibung von Namensreaktionen und mancher essentielleren Spezialmechanismen, den Kürzeren; zumindest auf dieser Ebene.Wer wirklich umfangreiche, solide Grundlagen in Organischer Chemie erwerben möchte, dem kann ich dieses Buch wärmstens ans Herz legen.Einige Kritikpunkte habe ich natürlich dennoch, man möchte Dinge ja differenziert betrachten::Ohne ein grundlegendes Zweitwerk an Organisch-chemischer Literatur wie den "Vollhardt", oder den "Bruice", kommt man in den Grundvorlesungen in der Uni leider, zumindest zu Beginn, nicht weit, da der Clayden auf Stoffchemie, sowie elementare Grundlagen wie "Nomenklatur" fast vollständig verzichtet. Außerdem hat er eine andere inhaltliche Gliederung als die meisten Dozenten: Er gliedert sich nach Mechanismen, die Vorlesungen in der Uni sich meist nach Stoffklassen.Wer sich, ähnlich wie ich, auf die OC spezialisieren möchte, wird darüber hinaus, spätestens im Master, weitere Bücher zu Rate ziehen müssen: Der "Brückner" und der "March" wären hier als Bücher für Fortgeschrittene zu nennen. Es ist aber natürlich auch nicht ganz fair von einem Buch zu verlangen quasi "Alles" zu beinhalten, und es sei hier nochmal betont: Das was der Clayden an Inhalt umschließt, macht er auf allen Ebenen verdammt gut!Liebe Autoren, danke für dieses tolle Lehrbuch!
Wer die komplizierte und wirre Welt der Organischen Chemie lernen will und muss, sollte sich wirklich den Clayden zulegen! Ständig wird der Vollhardt von den Professoren empfohlen, aber ich persönlich und vieler meiner Kommlitonen können nicht viel damit anfangen. Aber Dank dem Clayden verstehe ich pötzlich so viel mehr und plötzlich lernt man auch die ganzen Synthesewege, Regeln und Ausnahmen zu verstehen und anzuwenden. Was ich besonders toll am Clayden finde (und im Vollhardt vermisse), sind die einzelnen fein säuberlich aufgezeichneten Mechanismen. Außerdem ist das Buch wirklich sehr gut strukturiert und sofort findet man Dinge und weiß dank der farbigen Abbildungen, welche Abschnitte wichtig sind und welche nur Zusatzinformationen beinhalten. Außerdem merkt man, dass es den Verfassern wirklich darum geht, dass man die Organische Chemie versteht und behutsam und gedulig wird komplizierter Stoff erklärt. Oft findet man auch eine Prise Humor wieder und man fühlt sich direkt angesprochen, was einen anspornt, weiter zu lesen! Ganz klar 5 Sterne!P.S. Keine Sorge, das Englisch sollte einen nicht abschrecken! Das Buch ist wirklich sehr verständlich geschrieben und da viele Begriffe in der Chemie international sind, sollte der Einstieg problemlos gelingen! :-)