Nachdem mir die kalifornischen Kriminalromane Don Winslows ausgesprochen gut gefallen hatten, hatte ich mich richtig auf Satori gefreut. Das Vergnügen hielt sich dann leider in Grenzen.Der Roman ist zwar, wie erwartet, schnell und brutal, und man erfährt eine Menge über das Ostasien der frühen Fünfziger Jahre. Nach sechs Jahrzehnten kann eine kleine weltpolitische Auffrischung sicher nicht schaden, und eine von Don Winslows Stärken ist das gründliche Recherchieren.Was dem Roman allerdings völlig fehlt, sind irgendwelche Nuancen. Die Charakterzeichnungen haben tatsächlich etwas groschenromanhaftes: Der Held ist edel, hochintelligent, im Kampf Mann gegen Mann unbesiegbar und kann sich deshalb immer wieder frohen Mutes in Situationen begeben, aus denen es nach menschlichem Ermessen kein Entrinnen gibt. Schließlich hat er ja als Held von Trevanians "Shibumi" auch die Pflicht zu überleben. Sehr hilfreich ist dabei übrigens sein "proximity sense", der ihn auch im Schlaf spüren lässt, wenn Gefahr im Anzug ist, und auf den wir anlässlich jeder Attacke hingewiesen werden. Und deren gibt es viele.Die Bösewichter hingegen sind verschlagen, versoffen, pervers und sadistisch und riechen nach Wodka, Schweiß oder Knoblauch oder allem zusammen. Die Heldin wiederum ist bildschön und eine hervorragende Köchin und lässt auch im Bett keine Wünsche offen, also ein richtiger 50er-Jahre-Traum. Dazwischen gibt es kaum etwas.Etwas Unangenehm berührt war ich durch die Folterszenen. Ich muss mir eigentlich nicht unbedingt ausmalen lassen, welche Sequenzen der Pekingoper jemand von sich gibt, dem man langsam und genussvoll die Hoden zerschneidet. Hier bedient Don Winslow mit offenkundigem Vergnügen eine Klientel, die die politischen Passagen dann vermutlich diagonal gelesen hat.Trotzdem, drei Sterne (= nicht schlecht) hat das Buch allemal verdient. Am Schluss wird es wieder richtig spannend, und die eine oder andere Überraschung wartet auch auf den Leser, zumindest auf jemanden, der sich so gerne überraschen lässt wie ich. Also eine durchaus unterhaltsame Reiselektüre, aber mehr auch nicht.