Das Buch ist schon wie das erste Eddie Flynn Buch, spannend und bis zum Schluss weiss man nicht wer oder was, denn es ändert sich alles immer wieder. Kann es nur empfehlen
Als Strafverteidiger Eddie Flynn nachts in seiner Ein-Mann-Kanzlei von Unbekannten überrascht wird, die sein Büro auf den Kopf stellen, ahnt er noch nicht, dass dort gleich sein nächster Klient vor ihm stehen würde – erst recht nicht, als dieser als Special Agent Bill Kennedy, ein alter Bekannter vom FBI, entpuppt. Dieser fordert Eddie dazu auf, die Verteidigung des Tech-Milliardärs David Child zu übernehmen, dem der brutale Mord an seiner Freundin zur Last gelegt wird. Allerdings geht es dem FBI dabei nicht etwa um Gerechtigkeit, denn in erster Linie soll Flynn den Verdächtigen dazu überreden, als Teil eines Deals gegen eine große Anwaltskanzlei auszusagen, die offenbar in zwielichtige Geschäfte von gigantischem Ausmaß verwickelt ist. Und um die Mitwirkung des zögernden Anwalts zu erwirken droht der Agent mit der Verhaftung von Eddies Frau Christine, die nichtsahnend für eben jene Kanzlei tätig ist und gutgläubig ihre Unterschrift unter ein verhängnisvolles Dokument gesetzt hat. Aufgrund dieses überzeugenden “Arguments” nimmt Flynn den Auftrag schließlich wiederwillig an, doch nach dem ersten Treffen mit seinem neuen Klienten steht Eddie vor einem noch größeren Problem – denn er ist fest davon überzeugt, dass David Child den ihm vorgeworfenen Mord gar nicht begangen hat und er daher dem vom FBI vorgeschlagenen Deal gar nicht erst zustimmen sollte…Wie bereits bei Steve Cavanaghs erstem Eddie-Flynn-Thriller “The Defense” (bzw. “Zu wenig Zeit zum Sterben”) merkt man auch bei der Fortsetzung “The Plea” (dt. ”Gegen alle Regeln”) schnell, dass man es hier nicht mit einem staubtrockenen Gerichtsroman zu tun hat, in dem sich die Protagonist:innen kapitellang Paragrafen um die Ohren hauen. Stattdessen findet der Großteil der Geschichte außerhalb des Gerichtssaals statt und hat zudem einen recht hohen Actionanteil, was auch daran liegt, dass eben auch Eddie Flynn nicht dem typischen Klischee eines spießigen Anwalts entspricht – schließlich kann wohl eher die Minderheit der Justiziare auf eine Laufbahn als Betrüger zurückblicken und einen guten Draht zum organisierten Verbrechen aufweisen. So entspricht vieles in diesem Buch dann auch nicht gerade dem typischen Anwalts-Alltag, nichtsdestotrotz kann Cavanagh als selbst praktizierender Jurist aber dennoch auf ein solides Fundament aufsetzen, was den trotzdem noch vorhandenen rechtlichen Aspekt dieser Story betrifft – so weiß der Mann trotz kreativer Freiheiten immer noch, worüber er hier genau schreibt.Insgesamt liefert der Autor hier schlicht gute und schnelle Unterhaltung und stellt damit erneut seine Pageturner-Qualitäten unter Beweis. Das beginnt beim dramatischen Prolog und zieht sich durch die gesamte Handlung bis zum aufregenden Ende. Eddie Flynn ist wegen seiner etwas zwielichtigen Vergangenheit eine spannende Figur, bringt aber trotz mancher fragwürdiger Verbindungen dennoch eine gewisse Aufrichtigkeit mit, die sein Dilemma in dieser Geschichte glaubwürdig macht und ihn selbst sympathisch wirken lässt – das kann man von Anwält:innen ja wahrlich nicht immer behaupten. Ein packender und wendungsreicher Justiz-Action-Thriller, der für reichlich Kurzweil sorgt und Lust auf die Folgebände macht.