Ich wusste nach wenigen Seiten, dass ich ein neues Lieblingsbuch in den Händen hielt. Die Stimmung, die Dodie Smith in ihrem ersten Roman entwirft, ist einmalig. Ich würde sie als eine Mischung aus Jane Austen und Harry Potter ohne Zauberei beschreiben.Der Roman spielt in den 30er Jahren in der englischen Provinz, ist realistisch geschrieben und es kommen keine Fabelwesen darin vor, trotzdem hat "I Capture the Castle" etwas Märchenhaftes an sich. Das liegt vielleicht daran, dass Smith ihre Geschichte nicht in England, sondern in den USA schrieb. 1948 lebte sie seit einigen Jahren dort und vermisste ihre Heimat. In "I Capture the Castle" entwirft sie ein ideales England, das sich aus den Romanen der Brontë-Schwestern, viktorianischer Schauerliteratur und eben Jane Austens Welt zusammensetzt.Die exzentrische, aber bettelarme Familie Mortmain lebt in einem halb verfallenen Schloss. Die 17-jährige Cassandra schreibt einen Sommer lang Tagebuch, um ihre schriftstellerischen Fähigkeiten zu verbessern. Sie beobachtet und kommentiert das Treiben ihrer Familie: ihres Vaters, der als Eremit im Torhaus des Schlosses lebt; ihrer Stiefmutter, die gerne nackt durch den Wald spaziert; ihrer älteren Schwester Rose, die von einem reichen Ehemann träumt. Cassandras Kommentare sind witzig und geistreich und funkeln vor Sprachwitz, wie man es sonst nur von Oscar Wilde oder - nochmal - Jane Austen kennt.Am Anfang des Romans ist Cassandra ein Kind, dann lernt sie die Liebe kennen und mit ihr die Eifersucht, den Streit und überhaupt das Leben außerhalb des Schlosses. Ohne es zu merken, wird sie erwachsen. "Ich fange das Schloss ein", bedeutet der Titel. Cassandra fängt das Schloss ihrer Kindheit in ihrem Tagebuch ein, bevor es aus ihrem Leben verschwindet. Ihre Erkenntnisse über den Übergang von der Jugend ins Erwachsenenalter, ihre Selbstironie und ihre scharfe Beobachtungsgabe machen aus "I Capture the Castle" einen Jugendroman, der auch für Erwachsene geeignet ist.Unbedingte Empfehlung also, und für Liebhaber englischer Literatur des 19. Jahrhunderts sowieso ein Muss, weil es Dodie Smith in "I Capture the Castle" meisterhaft gelingt, die Stimmung und Sprache der großen Vorbilder einzufangen und in die Moderne zu versetzen. Ein zeitloser Klassiker.
Das Buch ist wirklich schön gearbeitet und deshalb macht es noch mehr Spaß es zu lesen.Was mich bei Amazon aber immer wieder ärgert ist, dass die Bücher oft schlecht verpackt sind.Leider war das Buch nicht in Plastik o.ä. verpackt, so dass der Buchumschlag verschrammt und eingerissen hier ankam. Das ärgerte mich besonders, weil das Buch wirklich aufwendig produziert ist und ich es eigentlich verschenken wollte.Aber der Titel ist meiner Meinung nach auch für erwachsene Leser empfehlenswert; es liest sich einfach und ich bin schon gespannt, wie es mit Cassandra und ihrer Familie weitergeht (bin schon auf Seite 101 angelangt).