Ich habe vor Jahren schon den "grünen Heinrich" gelesen und bin daher mit Kellers Erzählstil schon etwas vertraut. Die manchmal betulich-umständliche Erzählweise verlangt schon einiges an Durchhaltevermögen. Diese Erzählung, die aus den "Leuten von Seldwyla" ausgekoppelt wurde, enthält im Grunde zwei Erzählstränge. Der eine schildert, wie sich zwei Bauern, die über ein Stück Land in Streit geraten, wegen einer Nichtigkeit schikanieren und gegenseitig bis in den psychischen und physischen Ruin treiben. Dieser Teil ist psychologisch sauber herausgearbeitet und auch plausibel.Der Anklang an Romeo und Julia ist dadurch gegeben, dass sich im zweiten Handlungsstrang die beiden Kinder der verfeindeten Bauern ineinander verlieben und am Ende wegen der tragischen Familiengeschichte gemeinsam in den Tod gehen. Dieser Teil überzeugt in deutlich geringerem Ausmaß. Insbesonders das latent Schicksalhafte, welches das Scheitern des jungen Paares umgibt, hat etwas stark Konstruiertes. Ich kann mir gut vorstellen, dass diese gewollte Tragik heutzutage junge Leser stark abtörnen dürfte.Dazu kommen, wie gesagt, Kellers bisweilen arg detailverliebte Landschaftsbeschreibungen und Szenerien. Wer primär Wert auf Unterhaltung legt, der sollte was anderes lesen. Ich musste trotz der Kürze der Erzählung mehrere Pausen einlegen. Spaß macht diese Lektüre gewiss nicht, selbst wenn man Kellers Entschuldigung akzeptiert, die er zu Beginn einfügt, dass diese Geschichte tatsächlich passiert sei. Das düstere Ende und die überbetonte Tragik lassen vermuten, dass der Autor hier stark nachgelegt hat.