Der Autor hat sich offensichtlich sehr sehr eingehend mit Günter Wand und dessen Dirigistentätigkeit beschäftigt. Über 500 Seiten (gebundene Ausgabe) sind dabei herausgekommen.Sehr ausführlich und mit vielen Beispielen werden die Stationen und die persönliche Situation Wands dargelegt. Ein "Gschmäckle" hat das nur insofern, als Wand die Biografie gegengelesen und autorisiert hat.Immerhin hat Wolfgang Seifert durchaus kritisch die Schwierigkeit des Charakters Wands in vielen konkreten Situationen deutlich gemacht. Natürlich überwiegt die außergewöhnliche Leistung Wands, zB. beim Aufbau des Gürzenich Orchesters unmittelbar nach dem Krieg und natürlich Wands außergewöhnliche "Alterskarriere", die ihn als Bruckner-Dirigenten par excellence ausweist. Insbesondere die Bruckner Werke haben Wand letzlich - ohne Übertreibung - Weltruhm gebracht. Einige ernsthafte Musik-Kritiker sprechen sogar von "Welt-Kulturerbe". Seine Partiturtreue ist legendär; Wand selbst bezeichnet sich als "komponistengläubig".Hochinteressant, wie Wand - ohne PG zu werden - die Nazi-Zeit überstanden hat. Unbegreiflich, wie Wand noch bis zu seinem Tode als 90jähriger mit ausgeprägtem Buckel dirigieren konnte. Aber ein beschauliches Vor-sich-Hin-Altern war seine Sache nicht. Sein Arbeitspensum, die den Orchestern abverlangten Proben (Wand war in der Tat ein fanatischer Probierer und forderte meistens 6 Proben pro Musikwerk, was von den gewerkschaftlich organisierten Orchestern zunächst durchweg als Quälerei empfunden wurde) und sein Perfektionismus, oft mit daraus resultierender Unzufriedenheit oder gar Depressionen, sind legendär. Solche Dirigenten gibt es heute nicht mehr. Ohne Ironie kann man natürlich die Frage stellen, ob dieser Typus heute noch zeitgemäß ist. Wand verstand sich jedenfalls schon damals als Gegenfigur zu den glatten Zeitgeist-Erfolgsmusikern, denen die künstlerische Individualität abhanden gekommen zu sein scheint.Eine außergewöhnlich detailreiche Biografie hat Seifert hier vorgelegt und - wenn man von gelegentlichen Längen absieht - ist ein Buch mit vielen Facetten entstanden, dass unbedingt lesenswert ist.
Lange war es her, dass ich diese Biografie (ein geliehenes Exemplar) gelesen hatte, und seinerzeit war ich begeistert und gefesselt.Es gab so viel Interessantes über die Person Günter Wand, aber auch etliches Interessantes über die Musik zu erfahren. nun bin ich nach JAhren wieder auf dieses Buch gestoßen und habe es mit zugelegt. Und es hat nichts von sener Qualität und seinem Informationsgehlat verloren. Ein Glücksgriff, noch dazu in sehr gutem gebrauchten Zustand.
Wer zum ersten Mal das Buch in die Hand nimmt und kurz aufblättert, den mag der Umfang erschrecken, - vielleicht sogar abschrecken, was sehr, sehr schade wäre. – Denn dieses Buch ist eine von Günter Wand autorisierte Biographie mit vielen persönlichen Erinnerungen.So wie Günter Wand Notentexte nach genauem Studium für sich analysiert und schließlich in Musik umsetzt, fundiert und aus der tiefen Überzeugung „so und nicht anders“, so präziserecherchiert und beschreibt Wolfgang Seifert die Gedanken und Erinnerungen dieses großartigen Dirigenten, der einerseits immer noch von der Mehrheit der Musikfreunde unterschätzt wird, dessen Einspielungen andererseits von „Insidern“ schon zum Welt-Kultur-Erbe gezählt werden.Seifert ist immer bemüht, Hintergründe darzustellen, um Wands Entscheidungen und Lebensweg aus dem Zeitgeschehen heraus zu beschreiben und so dem Leser nachvollziehbar zu schildern.Da Wand – wie wir in dem Buch erfahren – nie den Ehrgeiz hatte, gefeierter Star-Dirigent zu werden, sich den Kompositionen und seinem Musikempfinden dagegen geradezu radikal verpflichtet fühlt, ist er kein einfacher Partner der Musikwelt. Künstlerische Kompromisse existieren für Wand nicht. „So und nicht anders“ – das ist daher auch der treffende Titel dieses Buches.Die akribische Ausführlichkeit lässt die Kapitel beängstigend lang werden, aber wer aufmerksam liest und genügend Vorstellungsvermögen besitzt, der erfährt einen tiefen Einblick in den Musikbetrieb der vergangenen Jahrzehnte und lernt – mit Unbehagen – wie auch damals schon Politik, Macht und Geld sich der Kunst zu bemächtigen versuchten und wie sich Günter Wand dagegen zu wehren wusste, was häufig für ihn mit persönlichen Opfern verbunden war.Je weiter man sich im Text vorarbeitet, desto verständlicher und interessanter werden die Schilderungen, da der Leser immer mehr Bezüge zum damaligen Musikbetrieb gewinnt.Und nicht zuletzt: Wer das Buch gelesen hat und dann eine CD mit Günter Wand auflegt, wird wahrscheinlich noch genauer hinhören und vielleicht dabei ganz neue Sphären der Musik erobern.