Das Thema "Bewusste Ernährung" begleitet mich nun schon eine ganze Weile und alles was zu diesem Thema geschrieben wird stimmt und ist in Romanform wunderbar mit der Handlungsgeschichte verdrahtet.Dabei prallen eben Welten aufeinander, wenn ein Karnivore, der es eben nicht anders kennt, auf eine militante Veganerin Lorena trifft, welche noch dazu sehr übergriffig ist, dessen sich Emelia aufgrund der Situation kaum entziehen kann.Aber genau diese so illustrierte Extremsituation zeigt unser allgemeines Verhalten auf: Flucht(gedanken).Wenn es schwierig oder schlicht ungewohnt, entziehen wir uns nur allzu gerne dieser Situation.Emilia bleibt, lernt sich zu arrangieren, macht ihre eigenen Erfahrungen und es entwickelt sich eine teils sehr berührende, verrückte, herzliche Verbindung. Denn im Verlauf der Geschichte, kommt dann doch das Menschliche, der Wunsch nach Verbindung zum tragen, besonders ab dem Zeitpunkt wo Mateo, Emilias Bruder zu Besuch kommt ...Beide teilen im Grunde genommen die gleichen Sorgen mit ihren Müttern, welche selbst ständig und sehr invasiv auf ihre Kinder einwirken, dabei maßgeblich für das Drama der Storyline mitverantwortlich sind.Hier waren die mütterlichen Charaktere evt. etwas extrem oder satirisch dargestellt. Ich war zw. beiden Prädikaten hin- und hergerissen, denn es war auch teils zum grölen.(Berufliche) Erfüllung, Authentizität, Selbstverwirklichung, Glück lässt sich eben nicht wirklich ( außer in Butan ;) ) allein in Zahlen, dem Verdienst, bemessen. Die Geschichte zeichnet auch sehr deutlich den Weg, den Abnabelungsprozess, der gegangen werden muss um den eigenen Weg zu finden und somit der wahren Verantwortung gerecht zu werden und wie wichtig es ist Menschen im Leben zu haben, welche uns unterstützen.Ich stehe kurz vor dem Ende und habe mich dabei ertappt durchaus gewillt zu sein eine Fortsetzung zu lesen ...
HandlungEmilia ist nach der Trennung von ihrem Freund Leo verzweifelt auf Wohnungssuche und flieht Hals über Kopf von Berlin nach München. Trotz einer leicht skurrilen Wohnungsbesichtigung sagt sie nach kurzer Bedenkzeit ein WG Zimmer in München zu, ohne vorher ihre Mitbewohnerin kennengelernt zu haben. Schon kurz nach ihrem Einzug zeigt sich auch das erste Konfliktpotential: Lorena, Emilias neue Mitbewohnerin, ist überzeugte Veganerin und nicht begeistert davon, dass Emilia dies nicht ist. Charaktere und SchreibstilEmilia ist ein sehr netter Charakter und eine angenehme Protagonistin. Am Anfang wirkte sie mir zu flach und für mich wenig greifbar, dies änderte sich aber mit zunehmender Seitenzahl, sodass ich Emilia am Ende sogar richtig mochte. Lorena hingegen zeigt von Anfang an Ecken und Kanten und einen überzeugten Veganismus. Grundsätzlich mag ich ungewöhnliche und skurrile Charaktere, leider wirkte Lorenas Figur in den ersten Kapiteln zu gekünstelt und konstruiert, dies besserte sich, ähnlich wie bei Emilia, mit zunehmender Seitenzahl. Der Schreibstil an sich ist angenehm zu lesen, sticht jedoch nicht sonderlich heraus und plätschert angenehm vor sich hin. Emilias Hintergrundgeschichte mit Leo und der Grund für ihren überstürzten Umzug werden in Rückblenden erzählt. Mein FazitDie Pflanzenfresser-WG: unfreiwillig vegan, ist ein lustiger Roman, der seinen Witz für mich erst nach einigen Kapiteln voll entfaltet hat. Der Beginn war für mich sowohl vom Lesefluss, den Charakteren als auch vom Witzfaktor etwas holprig. Auch die Rückblenden, mit denen die Hintergrundgeschichte um Emilias Flucht von Berlin nach München geschildert wird, war für mich in den ersten Kapiteln schwer greifbar und wirkte mir vor dem eigentlich lustigen und selbstironischen Hintergrund des Buches zu sehr und nicht wirklich passend auf Dramatik konstruiert. Auch dieser Punkt wurde mit zunehmender Seitenzahl besser, sodass ich nach dem ersten Drittel des Buches fast mitfiebern und auch herzlich über die wunderbar skurrilen Situationen zwischen Lorena und Emilia lachen konnte. Sehr gut gefallen hat mir, dass die Autorin es auf unterhaltsame und auch lustige Art geschafft hat, den Leser mit den kritischen Aspekten des Konsums von tierischen Produkten zu konfrontieren und dabei nur Lorena gegenüber Emilia, aber keineswegs das Buch gegenüber dem Leser belehrend gewirkt hat. Vielmehr wurden Informationen geboten, welche den Leser zum Nachdenken anregen sollen.Gut gefallen hat mir außerdem die Entwicklung der Figuren und das Annähern von Emilia und Lorena, welche ihre WG sogar noch um einen Tierheimhund erweitern konnten und auch eine angenehme Prise Romantik rundet das Buch am Ende ab. Einzig der ein oder andere Nebencharakter hätte durchaus noch sein Fett wegbekommen können. Insgesamt ein lustiger Roman, der einem definitiv ein paar schöne Lesestunden beschert. BewertungIch vergebe 3,5 / 5 Punkten.