darauf muß man wirklich erst einmal kommen: allertiefste religiöse Glaubensfragen, eingebunden in holländisches Lokalkolorit, unglaublich. Dem Verfasser müssen sämtliche Pferde durchgegagen sein.
Bei Ausgrabungen nahe der niederländischen Stadt Leiden wird die Maske eines Kriegers aus der Römerzeit gefunden. Doch welche Brisanz hinter diesem Fund steckt, erfährt der Archäologe Peter de Hann erst, als das Artefakt durch Zufall in seine Hände gerät. Er könnte die gesamte christliche Weltanschauung auf dem Kopf stellen – und Peter de Haan gerät in das Visier der Menschen, die das unbedingt verhindern wollen…In seiner Heimat, den Niederlanden, hat Autor Jeroen Windmeijer bereits einige Thriller veröffentlicht, die Reihe um Peter de Haan ist nun auch in der deutschen Übersetzung erschienen. Und es lohnt sich durchaus, denn statt eines Detektivs, Polizeiermittlers oder Pathologen steht hier ein Archäologe im Fokus. Ein interessanter Perspektivwechsel, der sehr gut zu dem Umfeld passt: Viele religiöse Themen sind in den ersten Band „Die Petrus-Verschwörung“ eingebunden, es wird ein ganz anderer Blick auf die überlieferten letzten Tage von Jesus geworden, auch das moderne Christentum und die immer noch immense Macht der Kirche sind in die Geschichte eingebunden. Das sorgt schnell für eine dichte Atmosphäre und eine packende Stimmung, was auch einige der Charaktere vermitteln können. Doch nicht zu allen wichtigen Figuren habe ich eine Verbindung gespürt, da sie nicht allzu stark ausgemalt wurden. Der Autor hat sich eher auf die Entwicklung der Handlung konzentriert – was zunächst einmal nichts Schlechtes ist, in diesem Fall hat es meinen persönlichen Geschmack aber nicht getroffen.Die Spannung wird direkt auf den ersten Seiten hochgepusht, schnell bekommt man eine Ahnung von der Brisanz des Fundes – auch wenn man die ganze Tragweite erst später erkennt. Leider kann dieser Druck nicht den ganzen Roman über gehalten werden, der Handlungsbogen sackt im Mittelteil deutlich zusammen, die Handlung scheint dann stellenweise nur wenig voranzukommen. Dieser Eindruck wird gegen Ende zwar wieder aufgehoben, das Finale wird durchaus packend erzählt und beinhaltet noch einige überraschende Wendungen.Vollkommen gepackt hat mich dieser erste Band leider nicht, dafür ist der Handlungsbogen nicht kontinuierlich genug und einige Charaktere nicht ausreichend markant. Doch das überzeugende Konstrukt und das sehr präsente, interessante Thema der kirchlichen Geschichtsschreibung mit einer alternativen Erzählung der letzten Tage von Jesus sind lesenswert – und wecken die Lust auf die weitere Entwicklung der Thrillereihe.