Michael Theunissen - inzwischen 70 geworden - hat mit "Pindar" sein opus summum vorgelegt. Heidegger durchaus nicht unähnlichsucht er in den äußersten Frühschichten europäischen Denkens Antworten auf Urfragen der Menschheit. Im wohl gründlichsten universalen Wurf seit den "goldenen Tagen" der deutschen Altphilologie deckt er die Epoche der archaischen Lyrik von ihren Anfängen bis auf Pindar ab und führt in assoziativen Gedankenketten "Dichten und Denken" zueinander.Überzeugend weist er dabei das Leiden an der Zeitherrschaft ("griechischer Pessimismus") und die Versuche ihrer Überwindung als Konstanten des frühgriechischen Denkens, das auf einmal erstaunlich modern wirkt, auf (Anmerkungen zu Hölderlin und Heidegger). Sein Vorgehen ist nichts für Verfechter der historisch-kritischen Methode und auch nichts für Konsumenten von Büchern wie "Philosophie für Gestresste". Dabei gilt: Der Weg ist das Ziel, denn der Begriff der "Wende der Zeit" erschließt sich erst nach vollendeter Lektüre. Dafür erwartet den ausdauernden Leser, der wenn möglich Kenntnisse des Altgriechischen mitbringen sollte, ein Abenteuer, das man zurecht als philosophisches Gegenstück zu "Auf der Suche nach der verlorenen Zeit" bezeichnen könnte. Fazit: Ein Monolith in der Wüste philosophischer Geschwätzigkeit.