Böhms Buch "Die Reformpädagogik" verfehlt ihr Thema einer Vorstellung der Reformpädagogik und ihrer Vordenker. Böhm widmet einen Großteil des Werks der Böhms philosophische und historische Kenntnisse zelebrierenden Darstellung der Rezeptionsgeschichte sowie möglicher Vorläufer der Reformpädagogik, statt einer Darstellung der Reformpädagogik selbst. Soweit die Reformpädagogik selbst behandelt wird, konzentriert sich Böhm darauf, tiefliegende theoretische Hintergrundüberzeugungen der Reformpädagogik (zumindest was Böhm als solche vermutet) zu problematisieren und einer polemischen Kritik zu unterziehen, die sich oft rein ad personam gestaltet. Statt einer kritisch-ausgewogenen Rekonstruktion der Reformpädgogik begleicht Böhm, im Stil kleinlich, offene Rechnungen mit den Reformpädagogen, insbesondere dann, wenn aus seiner Sicht die Reformpädgogik von Böhms christlich imprägnierten Personverständnis abweicht. Eine Darstellung der Didaktik oder der Methodik oder auch der Praxis der reformpädogischen Ansätze findet nicht statt, womit das Buch seinen im Klappentext ausgewiesenen Zweck verfehlt. Positiv zu bemerken ist allerdings die überblickshafte Behandlung reformpädagogischer Ansätze in anderen Staaten, wie den USA, Italien, Rußland, Frankreich und Spanien.