CDU, ÖVP, Fidesz – das sind heute die wichtigsten christlichen Parteien in Europa. Christdemokratisch sind sie allerdings erst seit 1945. Der Zusammenbruch des Faschismus und die Drohung einer kommunistischen Machtübernahme schufen eine historische Chance für den politischen Katholizismus, die Demokratie für sich zu vereinnahmen und zur führenden konservativen Kraft in Europa zu werden.Das „demokratisch“ im Namen dieser Parteien verschleierte dabei gut, dass der Katholizismus in seinem Wesen autoritär war und geblieben ist. Die christlichen Parteien wurden erst Ende des 19. Jhdt. als Gegengewicht zum Sozialismus und zum Liberalismus geschaffen, um Papst und Kirche eine geeignete Vorfeldorganisation zu schaffen. 1000 Jahre lang, bis zur Französischen Revolution 1789, waren Adel und Klerus in der autoritären Unterdrückung der Masse des Volkes vereint und kämpften daher ab 1815 darum, die Revolution zurückzudrängen und die alte Macht zu restaurieren. Noch Papst Pius IX. war extrem autoritär und bekämpfte die Demokratie, wo er nur konnte, vor allem, um seinen weltlichen Kirchenstaat zu schützen. Erst als die Arbeiterbewegungen zu stark wurden, schuf die Kirche die katholische Soziallehre als caritative Milderung der Klassengegensätze, um jede Revolution zu beschwichtigen und im Keim zu ersticken.Nach 1918 fielen die christlichen Parteien sofort in den Autoritarismus zurück, was im Austrofaschismus und dessen Ständestaat ohne Parlament gipfelte. Im Nationalsozialismus war die Kirche gespalten zwischen Kollaboration und Opferhaltung. Die überlebenden politischen Gefangenen aus den KZ schufen dann erst den demokratischen Katholizismus, der die Nachkriegszeit prägte. Im Spanien Francos, im Portugal Salazars und heute in Orbans Fidesz blieb aber das autoritäre „christliche“ System erhalten.Kohl, Merkel und in Österreich Kurz schufen eine menschliche Christdemokratie, die in die soziale Mitte rückte. Dies darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass alle diese Politiker mit dem zutiefst antidemokratischen Vatikan kooperieren und Reichtum und Macht der Kirche weiterhin stützen, nicht zuletzt über die ungleichen Konkordate, die Reichtum und Macht der Kirche als Staatsverträge in alle Ewigkeit einzementieren. In Italien ging diese Verflechtung von Kirche und Macht schon schief, die Demokratia Christiana ist seit 30 Jahren von der Bildfläche verschwunden, weil die Italiener ihre Korruption satthatten.Dr. Rüdiger Opelt, Autor von „Heiles Deutschland. Geschichte, Lösungen, Zukunft“