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★★★★★ Sathyan Ramesh
Es gibt diesen irrwitzíg abgenutzten Spruch von jenen Schauspielenden, denen man auch zuhören würde, wenn sie das Telefonbuch vorläsen (würde übrigens ein kaum erträgliche Lesung, da bin ich sicher) – so geht es mir mit Livia Gerster.Livia Gerster kann über alles schreiben, ich werde es ihr (oder jedweden Verkaufenden) sofort aus den Händen reissen.Frau Gerster, die mir zum ersten Mal ziemlich abrupt mit dem nicht laut auftrumpfenden, vollkommen brillanten Artikel „Was ist bloß los mit mir?“ über Philipp Amtor auffiel (Untertitel „Philipp Amthor ist der jüngste CDU-Politiker im Bundestag und längst Kult. Ich wollte ihn auch toll finden. Die Geschichte einer Enttäuschung.“), schreibt in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung und ist mit jenem Text sofort unumkehrbar der Grund geworden, warum ich dieses Blatt, welche durchaus nicht überall zu haben ist – was ist bloß los mit ihr – ab dem Sonnabend regelrecht jage. Die FAS, vielleicht kurz vor ZEIT und SZ die am besten abgefasste regelmäßige Publikation des Landes, hat viele grandiose Schreibende, allen voran noch der superentspannt hochemotionale Bertram Eisenhauer, aber Gersters völlig einzigartiger, total subtiler Stil ist mein Koks, mein Häagen-Dasz, mein Roero Arneis.Denn ja, Livia Gerster könnte über wortwörtlich alles schreiben – ich würde es lesen, und ich interessiere mich bei Göttin nicht für alles, eigentlich nicht mal für viel.Versuch eines Beispiels: Wenn sie die in Kevin Kühnerts Wahlkreis maßgebliche Generation Wirtschaftswunder in einem italienischen Café skizziert und wahrnimmt, „in unauffälliges Beige gekleidet, bestellen sie auffällig bunte Eisbecher“, dann ist das maliziös genug, um politisch zu wirken – aber andererseits Literatur genug, um mehrdeutig zu bleiben. Die Welt sind wir, und damit nicht fassbar.Wer jetzt denken könnte, Gerster sei eine wandelnde Konfettibombe im Sinne von Pointenkatapult, der mutmaßt fehl. Livia Gerster schreibt superpointiert – aber kaum fassbar uneitel. Ihr Stil ist federnd, wehend, auf eine geheimnisvolle Art lächelnd. Damit meine ich nicht charmant – das sowieso – sondern seltsam weise: als wäre sie sich allen Grauens in der Welt völlig bewusst... und habe dennoch immer auch einen Blick für deren Schönheit, für Hoffnung, für unvermutet blühende Komik verborgen in Chaos und Tragik.Und das ist alles andere als naiv, Livia Gerster hat sich schon in Kriegsgebiete begeben und hält über lange Zeiten Kontakte zu den Bedrängtesten. Im Geschlechterkriegsgebiet hat sie einmal versucht, eine Nacht unbeschadet durch einen deutschen Park zu kommen. Und mehr als einmal hat sie mich bei der Auswahl ihrer Themen überrascht, da ist von der Metapher mit dem Fächer bis zum Strauß echt alles drin, auch wenn das jetzt ein bißchen trutschig klingt, aber ich bin nun mal nicht Livia Gerster, die hätte das eleganter skizziert.Wenn man Gerster liest - kann man nicht anders, als Gerster gut leiden zu können.Und das kann eines der größten Geschenke beim Lesen sein – wohlgemerkt bei jeder Lektüre. Natürlich gibt es die großen Hassenden, Polemisierenden, die Unversöhnlichen und Ewig Angreifenden. Aber wie es im Film nicht nur Martin Scorsese gibt, sondern auch Lawrence Kasdan, so gibt es in der Literatur die großen, oh je, wie gendert man jetzt Zeitgenossen – Zeitgenießenden?, meinethalben – es gibt die großen Welt- und Menschenliebenden.In der journalistisch-essayistischen Literatur sind das neben dem erwähnten unterschätzten Bertram Eisenhauer die unerreichbare Barbara Sichtermann, der relaxt fechtende Stefan Niggemeier, die verliebtmachende Ursula März, der fläzend geniale Volker Weidermann, die melancholisch frotzelnde Elisabeth Raether (die sich gerade verändert und immer noch besser wird), die angeschmutzt feenhafte Johanna Adorján und, eben, man ahnt es vielleicht, räusper, trommelwirbel, irgendwie hätte das überraschender kommen müssen: die irgendwie noch am Anfang stehende, leise, wenig ironische, nie sarkastische, sowieso nicht zynische, unglaublich sympathische und angesichts ihrer Jugend nicht ermesslich vielversprechende Livia Gerster, die an einer unaufhaltsamen Karriere sowohl im Zeitungs- wie im Buchwesen nicht mehr vorbeikommt.Wohlgemerkt, bitte: das klingt alles viel pompöser und aufdringlicher, als Gerster schreibt.Livia Gerster, Menschenliebende und Gesellschaftszweiflerin, beobachtet lang, genau und empfindsam... und dann schreibt sie – ich habe keine Ahnung, ich kenne sie nicht, so liest es sich – schnell, freudvoll, tanzend.Und dann geht sie wahrscheinlich noch zehnmal drüber, denn alles liest sich windgleich, aber nicht flüchtig.Sie ist ganz genau.Und es ist ihr wichtig.Ja, das hier ist eine Liebeserklärung, schon klar, der Blick des Lesenden ist durch Dauerbegeisterung rauschgetrübt.Aber in diesen ekelerregenden Zeiten, wo kaum ein Mensch noch einen relativ gesund gebauten Satz zusammenkriegt (ich spreche von Moderierenden und Talkshowteilnehmenden, nicht von Leuten auf der Straße), wo Anglizismen eine befremdliche Ersatzreligion darstellen und Menschen es sich angewöhnt haben, „Eigenhumor“ statt Selbstironie zu sagen oder, wow, das muss man erstmal über die Lippen kriegen, „ehrlicherweise“ (mein Unwort des Jahres, ehrlicherweise), da kann man vor einer Autorin wie Livia Gerster nur selbstentflammt lang hinschlagen.Sie wird schon behutsam mit einem umgehen.„Die Neuen“.Nicht nur eines der schönsten Bücher über die gegenwärtige Politik.Eines der schönsten Bücher.

Gerster, Livia: Die Neuen

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Produktfakten auf einen Blick zur EAN 9783406791239

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9783406791239
Hersteller-Artikelnr.
793589
Kategorie
Fachbücher, Lernen & Nachschlagen
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Produktbeschreibung

EINE GENERATION WILL AN DIE MACHT Bei der letzten Wahl sind so viele junge Abgeordnete wie nie zuvor in den Bundestag eingezogen. Dass ihre Aufgabe die Klimawende sein wird, das wussten sie. Auch auf Auseinandersetzungen mit Rechtsradikalen und Querdenkern waren sie vorbereitet. Aber dass sie es mit einem Krieg zu tun bekommen würden und mit dessen Folgen, davon ahnten sie nichts. Schnell müssen die Neuen schwerwiegende Richtungsentscheidungen treffen. Aber ihre Ideale wollen sie nicht aufgeben. Wird ihnen dieser Spagat gelingen? Oder werden sie im Kampf mit der älteren Generation der Bab
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