Das Buch bietet sich mit seinen kurzen, knackigen, täglichen Texten, biblischen Bezügen und Gebeten als wunderbarer Begleiter durch das gerade begonnene Jahr an. Corrie ten Booms Gedanken sind schlicht und gerade, besitzen aber doch die anrührende Tiefe, Frische, Freiheit und Kraft einer Frau, die Gott wirklich kannte. Ihre Theologie ist einfach: Schau weg von dir selbst, deinen eigenen Begrenzungen und Defiziten, schau erst recht weg von dem was dir an menschlicher Unvollkommenheit bei anderen begegnet und blicke hin auf den, der Anfänger und Vollender des Glaubens ist. Lebe aus dem Geschenkten, nicht aus dem selbst gemachten; aus Seinen Möglichkeiten, nicht aus deinen. Im Vertrauen auf Seine Kraft und aus der Gemeinschaft mit Ihm heraus, findet dein Leben zur größtmöglichen Entfaltung und du kannst deinen kleinen Beitrag dazu leisten, diese Welt zu einem etwas besseren Ort zu machen.Im wieder nimmt die Autorin auch Bezug auf ihre Lebensgeschichte. Corrie ten Boom (1892-1983) war eine außergewöhnliche Frau. Ihr Vater betrieb ein Uhrmachergeschäft in Haarlem. Beruflich trat sie in seine Fußstapfen, als sie nach der Ausbildung als erste Frau der Niederlande ein Uhrmacher-Diplom erhielt. Die große Familie Corries war durch eine lebendige christliche Frömmigkeit geprägt. Diese Harmonie fand mit dem Einbruch des Nationalsozialismus 1940 ein jähes Ende. Die Judenverfolgung setzte auch in den Niederlanden ein. Die Familie baute ein Untergrund-Netzwerk von Unterstützern auf. Zahlreiche Juden konnten so versteckt und gerettet werden.Die ten Booms selbst wurden jedoch denunziert. Dies bedeutete Deportation für die in ihrem Haus versteckten Juden und ebenso für die gesamte Familie. Den Vater und anderen Familiengliedern kostete dies schon bald danach das Leben. Corrie und ihre Schwester Betsie kamen ins KZ Ravensbrück. Im Rückblick beschreibt sie die Zeit in der Gefangenschaft so: "Das Leben in Ravensbrück spielte sich auf zwei getrennten, einander ausschließenden Ebenen ab. Die eine, das sichtbare äußere Leben, wurde Tag für Tag furchtbarer. Die andere, das Leben, das wir mit Gott lebten, wurde täglich beglückender, Wahrheit um Wahrheit, Lichtglanz um Lichtglanz."Corrie überlebte die Lagerzeit und wurde eine der wirkungsvollsten Verkünderinnen der Guten Nachricht in der Nachkriegszeit. Sie baute Reha-Zentren für die Opfer des Nationalsozialismus auf. Ein zentrales Thema war für sie jedoch auch die Vergebung gegenüber den auf der Täterseite in die Nazi-Verbrechen involvierten. Von der Holocaustgedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem wurde Corrie ten Boom mit dem Ehrentitel „Gerechter unter den Völkern“ geehrt. Die Königin der Niederlande schlug sie zum Ritter. Das Haus der Familie ten Boom ist heute ein Museum.