Dieser Roman, der aus der Sicht einer Frau in einer Art Briefform verfasst ist, ist trotz des ruhigen Schreibstils spannend zu lesen. Die Handlung dreht sich im Kern darum, wie junge Menschen zunächst in ein sehr archaisch-starres Familienleben der chinesischen Oberschicht geboren und dort erzogen werden, dann aber daraus ausbrechen, weil die jungen Männer durch ein Studium in den USA mit westlicher Lebensweise in Berührung kommen. Sie setzen sich für eine auf Liebe basierende, selbstbestimmte Ehe ein und verwirklichen diese gegen den erbtterten Widerstand ihrer Eltern, bei denen noch die arrangierte Ehe und das Konkubienwesen praktiziert wird.Mich beeindruckt vor allem, wie der Blick der jungen Frau zunächst vollkommen von den ihr vermittelten Wert- und Schönheitsvorstellungen geprägt ist und sich dann nach und nach für die Sichtweise ihres aufgeklärten Mannes öffnet.Ein schon älteres Buch (30er Jahre), das aber noch immer absolut lesenswert erscheint. Ich lese derzeit viel Literatur aus und über China. Dabei muss ich sagen, dass der Schreibstil der chinesichen und überhaupt ostasiatischen Schriftsteller auf uns oft recht fremd, vor allem sehr langsam, oft unterkühlt wirkt. Insofern kann es hier eine Erleichterung sein, dass das Buch von einer amerikanischen Autorin verfasst ist. Sie lebte als Kind in China und lehrte später einige Zeit dort amerikanische Literatur. 1938 erhielt sie den Nobelpreis für Literatur.