GEIGER, Arno: Anna nicht vergessen", München 2009Nach den ersten drei Kapiteln sah ich immer noch keinen Zusammenhang und wartete darauf, dass in einem weiteren Kapitel die hier beschriebenen Personen zusammen finden werden. Ich wurde enttäuscht und das Inhaltsverzeichnis sagte mir dann, dass es einzelne Kurzgeschichten sind und kein zusammen hängender Roman.Den Titel vergab die erste Geschichte, wo eine allein erziehende Mutter mit ihrer Tochter nicht zurechtkommt. In der Wohnung klebt sie sich Zetteln auf, die sie daran erinnern sollen, dass sie die Tochter Anna rechtzeitig von der Schule abholt. Trotzdem will die Tochter eine andere Mutter.In der zweiten Geschichte nimmt ein Wiener von Berlin Abschied. Er hat in der fernen Stadt sein Glück versucht und nicht gefunden.Eine Zimmervermieterin klagt ihr Leid mit einem Untermieter, der Dichter ist, Frauenbesuche hat und nie liquid ist ums eine Rechnungen zu bezahlen.Der erste Abschnitt - genannt Tage" endet mit einer Schießübung von Wiener Persönlichkeiten, die sich mit der Schusswaffe vertraut machen, um sich selbst verteidigen zu können. Ein Wiener Politiker wurde erschossen. Sie wollen sich selbst verteidigen können. Darunter auch der legendäre Udo Proksch.Der zweite Abschnitt heißt Jahre" und beginnt mit Tonbandaufzeichnungen einer Frau, die sie ihrem Geliebten nach Australien schickt um ihn zur Heimkehr zu bewegen.Im nächsten Kapitel Es rührt sich nichts" versucht Geiger einen wieder anderen Stil. Diesmal eine fast stenografieartige Abhandlung der Aufarbeitung einer zu Ende gehenden und gegangenen Liebe. Ob man allerdings als Leser alle Versuche von Dichtern mitmachen soll?Der dritte Abschnitt nennt sich Leben". Die erste Geschichte zeigt, wie unglücklich ein Mann neben seiner Frau sein kann. In der zweiten muss ein Mann ohne seine verstorbene Frau leben lernen. Eine weitere Alltagsgeschichte zeigt eine Gemeindebedienstete, die für Schneeräumung zuständig ist und es zu warm zum Schneien ist. Ein Kollege vergreift sich an ihr. Das Buch endet mit der Rettung eines Buben im Krankenhaus aus der Sicht eines Mediziners. Als Laie klingt die Schilderung sehr beeindruckend, ob es wirklich so ist oder so wie in einer Fernsehserie ist kann nicht beurteilt werden.
Sehr nachdenkliche Geschichten, die noch lange nachwirken. Arno Geiger ist einer der jungen Autoren der gegenwärtigen österreichischen Literaturszene, den man lesen sollte.