Josef Reichholf ist als Zoologe, Evolutionsbiologe und Ökologe Autor von zahlreichen sehr lesenswerten Büchern über die Natur. Er studierte Biologie, Chemie, Geografie und Tropenmedizin und beforschte als Stipendiat auch ein Jahr lang in Brasilien die tropische Artenvielfalt. Mit Bernhard Grzimek, Horst Stern und Hubert Weinzierl gründete er Anfang der 70er Jahre die Gruppe Ökologie, aus der später der BUND hervorgehen sollte. Als emeritierter Honorarprofessor der TU München war er Sektionsleiter Ornithologie der Zoologischen Staatssammlung München und hielt über 20 Jahre Vorlesungen über die Vogelkunde (Ornithologie), für die er seit früher Kindheit ebenso wie auch für Schmetterlinge entflammt war, was mit seinem Herkommen aus Aigen am Inn zusammenhängt, weil die dortige Auenlandschaft ihm auf ausgedehnten Erkundungen damals wie heute viel an Naturerleben zu bieten hatte.Aber natürlich kann Reichholf auch viel Kluges über Säugetiere berichten. Und da er als Kind mit einem von seiner Mutter aufgepäppelten Siebenschläfer namens Schmurksi zu tun hatte und irgendwann als Zoologe auch befragt wurde, wie man ein Eichhörnchen-Baby aufziehen könne, war der Gedanke an ein Buch über diese possierlichen Tiere gereift, zu dem Johann Brandstetter schöne Zeichnungen beigetragen hat.Natürlich geht das Buch schwerpunktmäßig auf das Eichhörnchen ein, daneben aber berichtet Reichholf auch über die nahen und weiteren Verwandten, also andere Hörnchen und auch Nagetiere, unter ihnen auch den Biber und seine imposanten Staudämme. Und mit dem benannten Siebenschläfer stellt er auch die Unterschiede zwischen diesem Nacht-aktiven Winterschläfer und den Tag- und Winter-aktiven Eichhörnchen heraus. Immer wieder betont Reichholf den so wichtigen empathischen Zugang zur Tierwelt, wie er eben zum Beispiel über das Großziehen eines Winterschläfers in Not oder durch die Naturbeobachtung von Tieren entstehen kann. Der gesetzliche Artenschutz mache solche Tierliebe heutzutage kaum noch möglich durch vorgebaute Gesetze, wodurch kranke oder verletzte Tiere eher verenden, als dass ihnen unbürokratisch geholfen werde wie in früheren Zeiten.Den Zuzug durch zunächst in England, dann auch auf dem europäischen Festland ausgesetzte, ursprünglich aus Amerika stammende Grauhörnchen, die größer und mehr am Boden lebend sind als „unsere“ Eichhörnchen, sieht Reichholf entspannt. Er widerspricht der oft vorgebrachten These, dass die Grauhörnchen invasionsartig die Eichhörnchen verdrängen werden und bringt dafür viele stichhaltige Argumente. In einer durch uns Menschen veränderten Umwelt sollten wir uns nicht wundern, dass es eben auch Veränderungen in der Artenzusammensetzung geben wird. Solange dadurch eine Biodiversität aufrecht erhalten wird, sei alles gut. Und wir sollten nicht vergessen, dass auch in früheren Jahrhunderten andere Baumarten eingeführt wurden, sonst hätten wir hier keinen Mischwald, sondern eher einen monotonen Rotbuchenbestand.Ein sehr schönes Buch, das dazu beiträgt, die Familie der Nagetiere besser zu verstehen und auch die Tierliebe zu wecken. (04.11.21)