War es Selbstmord oder wurde das erfolgreiche Model Lula Landry kaltblütig von ihrem Balkon gestoßen? Der Fall scheint klar zu sein, trotzdem bittet John Bristow, der Bruder des Models, den heruntergekommenen Ermittler Cormoran Strike sich den Fall noch einmal vorzunehmen. Strike tut es, denn er braucht das Geld. Bei seinen Ermittlungen lernt er jede Menge bunter Vögel kennen, und auch die Schattenseiten des Ruhms. Ihm zur Seite steht die entzückende Robin, die sich schon lange etwas mehr Aufregung in ihrem Leben gewünscht hat.Wow, das war "Der Ruf des Kuckucks", ein stattlicher Wälzer mit einem faszinierenden Ermittler in einer fesselnden Detektivgeschichte. Zusammen mit der Aushilfe Robin bildet Strike ein Dream Team, das hoffentlich noch einige Fälle lösen wird. Den Ermittlungen der beiden zu folgen hat viel Spaß gemacht, dabei wird die Geschichte eher ruhig erzählt, aber J.K. Rowling ist nun mal eine grandiose Erzählerin, da fühlt man sich selbst bei einem einfachen Pub Besuch gut unterhalten.Auch die Nebenfiguren sind, wie man es von der Autorin kennt, sehr sorgfältig ausgearbeitet. Darum hatte ich auch keine Probleme, trotz der Menge an Charakteren, den Überblick zu behalten. Manche Figuren sind vielleicht ein wenig stereotyp, dafür überraschen andere aber umso mehr, nur hin und wieder übertreibt sie ein wenig bei der Beschreibung der unsympathischen Personen. Die sind größtenteils sehr unattraktiv. Die Glamour-Welt in der Lula sich bewegt hat, wird ebenfalls sehr detailreich geschildert. Ständig trifft man auf Paparazzi, und man hat beim lesen beinahe das Gefühl selbst im Blitzlichtgewitter zu stehen. An diesen Stellen, und auch an einigen anderen, hatte ich das Gefühl, die Autorin greift auf eigene Erfahrungen zurück.Selbst das Einflechten von Strikes Vergangenheit in Afghanistan, ist Frau Rowling mühelos gelungen. Außerdem erfährt man einiges über seine seltsame Beziehung mit der wunderschönen Charlotte. Auch sehr schön zu beobachten war die Entwicklung von Robin. Von Anfang an ist klar, dass diese Aushilfe mehr auf den Kasten hat als "nur" Bürotätigkeiten auszuführen. Robin ist gebildet, sie ist interessiert, hat Charme und vor allem weiß sie, wie sie mit Strike umgehen muss. Sie ist beinahe schon zu perfekt, aber dabei so sympathisch, dass man es einfach hinnehmen muss.Fazit: Der Roman hat sich trotz der vielen Seiten flüssig lesen lassen und mich gut unterhalten. Ich fand es faszinierend die verschiedenen Angaben der Befragten zu vergleichen. Jeder hatte seine ganz eigene Meinung von Lula, ihren letzten Tagen, und den Menschen in ihrem Umfeld. Leider kam dann irgendwann ein Punkt, an dem nur noch Strike Bescheid wusste, das hat den Spaß am "mitermitteln" ein bisschen getrübt. Die Auflösung sollte dann wohl besonders spektakulär sein, ich fand sie nicht so überragend. Zumal ich manche Punkte nicht ganz nachvollziehen konnte. Und auf Seite 61 findet sich dann noch eine Szene, die in der Übersetzung einfach keinen Sinn macht. Hier fragt man sich nur, warum Robin hochrot geworden ist. Ansonsten liest sich das Buch aber sehr flüssig. Ich würde mich sehr über weitere Strike Romane freuen!
Episch ausgebreitet und sehr detailliert beginnt der Roman mit dem Fall, um den es geht: dem Fenstersturz von Lula Landry, der Fragen aufwirft und später noch aus anderen Perspektiven beleuchtet werden wird.Cormoran Strike, interessant und plastisch beschriebene Hauptfigur, behaftet mit Afghanistan- Blessuren und -Traumata, wird als Privatdetektiv von John Bristow, Lulas Bruder, mit der Fallrecherche beauftragt. Der glaubt nicht - wie die Polizei - an Selbstmord.Wider Willen und auch in Ermangelung von Einkünften fühlt Strike sich verpflichtet, die von einer Arbeitsagentur zu ihm geschickte Robin zumindest für eine Woche einzustellen. Robin, soeben mit dem Langweiler Matthew verlobt, findet ihre neue Aufgabe spannend und beginnt bald, für Strike eine unersetzliche Stütze zu werden.Die Figuren sind allesamt sehr gut beschrieben - auch die Örtlichkeiten werden plastisch dargestellt. Man hat als Leser die Szenerie immer vor Augen und kann - z.B. anhand eines Londoner Stadtplans - die Schauplätze in der Realität verorten.Nach der allmählichen Einführung zahlreicher Nebenfiguren und Nebenschauplätze jedoch kam bei mir etwas Ungeduld und beinahe Langeweile auf. Etwa an der gleichen Stelle wie im Buch:„Inzwischen gähnte Strike im Minutentakt; er überlegte, ob er sich einen Kaffee machen sollte, konnte sich aber nicht dazu aufraffen. Am liebsten hätte er sich hingelegt, aber er war es gewohnt, anstehende Aufgaben sofort zu erledigen, und so blätterte er weiter zu den kopierten Seiten aus dem Besucherbuch des Sicherheitsdienstes von Nummer 18, in dem verzeichnet worden war, welche Besucher am Tag vor Lulas Tod das Haus betreten hatten.“Wozu soll es dienen, wenn der Leser Strike bei seinen akribischen Nachforschungen quasi über die Schulter schaut? Muss ich das wissen? Möchte ich das wissen? Das klingt doch schon nach Zeilenschinden, zumal das nun unendlich so weitergeht. An allen noch so ausführlichen Aussagen hat man als Leser Anteil, wird fast gezwungen, die Verhöre und Puzzleleien mit zu betreiben.„Als Ersten hatte Wilson an jenem Tag um 9.10 Uhr den Briefträger aufgeführt; danach, um 9.22 Uhr, folgte Florist Lieferung Whg. 2; schließlich, um 9.50 Uhr, Securibell. Wann der Alarmanlagentechniker wieder gegangen war, war nicht vermerkt. Ansonsten war es (wie Wilson erzählt hatte) ein ruhiger Tag gewesen. Ciara Porter war um 12.50 Uhr eingetroffen; Bryony Radford um 13.20 Uhr. Während Radford persönlich unterschrieben hatte, als sie um 16.40 Uhr gegangen war, waren die Ankunft eines Cateringservices, der um 19.00 Uhr die Bestiguis beliefert hatte, Ciaras Aufbruch mit Lula um 19.15 Uhr und die Abfahrt der Cateringleute um 21.15 Uhr in Wilsons Handschrift hinzugefügt worden.“Wer merkt sich die Namen, notiert mit, setzt die Puzzleteilchen zusammen? Das soll doch bitteschön die Detektei erledigen und mir nachher das Ergebnis präsentieren.... - aber es mag sein, dass es Leser gibt, welche diese Akribie lieben und sich mit dem Detektiv identifizieren mögen.....Umso mehr wusste ich es zu schätzen, wenn Strike im Schriftverkehr der toten Lula ihre menschliche Seite entdeckt und etwas von ihrer Persönlichkeit zu ahnen beginnt:„Strike hatte gehofft, in diesem Wust von Papieren den flüchtigen Schatten eines Mörders zu erhaschen, doch stattdessen war daraus Lulas Seele aufgestiegen, die, wie es bei Opfern von Gewaltverbrechen bisweilen geschah, ihn über die Trümmer ihres zerstörten Lebens hinweg anblickte.“Sehr schön ausgedrückt! Bloß: Wie hat man sich diese Seele, diese Persönlichkeit denn nun vorzustellen? Da braucht es wohl noch einige Seiten mehr.... Und hier fehlt dann doch die nähere Psychologisierung der Figuren.Schön zu lesen.„Die von außen weiß getünchte Boutique, die sie im Visier hatten, befand sich auf der Conduit Street in der Nähe der New Bond Street und somit auf dem teuersten Quadratkilometer Londons. In Strikes Augen häufte sich in den schrillbunt dekorierten Schaufenstern ein unüberschaubares Sammelsurium von Entbehrlichkeiten: perlenbesetzte Kissen und Duftkerzen auf versilberten Schalen; artistisch drapierte Chiffonbahnen; farbenfrohe Kaftane, die man gesichtslosen Schaufensterpuppen übergestreift hatte; unförmige Handtaschen von protziger Hässlichkeit – das alles dargeboten vor einer Pop-Art-Kulisse in einer grell ausgeleuchteten Feier hemmungslosen Konsums, die Strike auf die Netzhaut und aufs Gemüt schlug. Er meinte fast vor sich zu sehen, wie Tansy Bestigui und Ursula May hier mit Expertenblick Preisschilder prüften und freudlos Krokoledertaschen im vierstelligen Bereich erstanden, um ihre lieblosen Ehen geldwert zu machen.“Satzkonstruktionen wie diese ist man versucht zu überspringen, wird aber gezwungen, zweimal hinzuschauen:„Er kehrte in sein Büro zurück, wo er erst John Bristow (der in einem Meeting war und nicht gestört werden durfte; »Bitte sagen Sie ihm, dass er mich so schnell wie möglich zurückrufen soll«), dann Eric Wardle (Mailbox: »Ich hätte noch eine Frage zu Lula Landrys Laptop«) und schließlich, trotz geringer Erfolgsaussichten, Rochelle Onifade anrief (keine Antwort; keine Möglichkeit, eine Nachricht zu hinterlassen: »Mailbox voll«).“Bei ca 60% - auf Seite 308 - hat Strike wohl schon eine Vorstellung davon, was genau passiert sein könnte. Leider wird diese dem Leser nicht mitgeteilt.„Strike hatte sich zwar durch die Worte, die sie ihren Freunden geschrieben hatte, ein Bild von der lebenden Frau machen können; er hatte ihre Stimme auf einem Handy an seinem Ohr gehört; doch erst jetzt, da er auf das Letzte hinabstarrte, was sie in ihrem Leben gesehen hatte, fühlte er sich ihr wirklich nahe. Langsam schälte sich die Wahrheit aus der Fülle augenscheinlich unzusammenhängender Details heraus. Allein die Beweise fehlten ihm noch.„Sehr gut lernt der Leser die Stadtteile Londons, einzelne Straßenzüge und Häuser der „upper class“ kennen, jedoch auch Pubs diverser Kategorien und heruntergekommene Ecken werden genauestens beschrieben.Ebenso detailliert: die Personenbeschreibungen:„Sie musterte ihn mit einem lustlosen Lächeln und abgeklärtem Blick. Unter ihrer grauen Kapuzenjacke trug sie ein pinkfarbenes Lycratop, und ihre Leggins endeten weit über ihren nackten blassgrauen Knöcheln. Sie hatte ausgelatschte Flipflops an den Füßen und zahlreiche Goldringe an den Fingern. Ihr blondiertes Haar, das an den Wurzeln in ein Graubraun überging, war mit einem schmuddeligen Frotteehaargummi zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden.2Das geht seitenweise so weiter. Erinnerungen Strikes werden genauso episch ausgebreitet und en detail beschrieben. Was dagegen einzuwenden ist? Eigentlich nichts, soll es doch der Psychologisierung der einzelnen Figuren dienen und der Genauigkeit des Dargestellten und der Abläufe. Ermüdend kann das trotzdem sein.„Jeder Schritt hallte in seinem Kopf wider, der sich nach wie vor anfühlte, als wäre er fest mit Draht umwickelt. Doch der feixende Gott der Trunkenheit hielt seine schützende Hand über ihn. Angenehm distanziert von der Realität und seinen Mitmenschen, stieg er wie selbstverständlich die Treppe zu den Duschen im Studentenwerk hinab.“Die Beschreibungen gehen sogar so weit, dass die Autorin eigene Produktnamen für Handtaschen, Parfums und andere Designermarken erfindet. Perfekter und ausgefeilter geht’s kaum. Und dennoch: Muss man das alles wissen? Macht das die Story glaubwürdiger, besser?Ungeheure Fleißarbeit, Recherchen über alles und jedes, aber muss ich dieses Bild so genau vor mir sehen: „Seine schmutzigen Finger glitten über etwas hinweg, das ein Rosenkranz zu sein schien; sie streiften unzählige leere Zigarettenschachteln, aus denen Kartonstücke herausgerissen waren; drei Feuerzeuge, eines davon ein graviertes Zippo; Zigarettenpapierchen; lose, verschlungene Kabel von irgendwelchen Geräten; ein Kartenspiel; ein gebrauchtes, fleckiges Taschentuch; mehrere zerknitterte Blätter Papier; ein Musikmagazin mit Duffield in düsterem Schwarz-Weiß auf der Titelseite; geöffnete und ungeöffnete Post; ein zerknülltes Paar Lederhandschuhe; etwas Kleingeld; und am Rand der Müllhalde einen unbenutzten Porzellanaschenbecher mit einem einzelnen silbernen Manschettenknopf in Form eines winzigen Revolvers. Endlich fand er unter der Couch eine angebrochene Packung Gitanes, zündete sich eine an und blies eine lange Rauchfahne zur Decke hinauf. Dann wandte er sich an Ciara, die den Männern gegenüber auf der Couch lagerte und an ihrem Wein nippte.“trotz allem, was mich beim Lesen störte: Die Hauptprotagonisten Strike und Robin haben viel Potential auf Weiterentwicklung. Möglicherweise kommen sich die beiden ja doch auch näher in der weiteren Fortsetzung der Reihe? Ich werde wohl doch weiterlesen und mich in den nächsten Bänden auf seitenlange Beschreibungen eingestellt haben.Hauptsache: Die Story stimmt und wird gut erzählt.