Nachdem mich schon mein erstes Buch des Autors (Dein Wille geschehe) nicht umgehauen hat, kaufte ich mir trotzdem dieses sehr hoch gelobte Werk, das in den Bestsellerlisten von Zeit und Spiegel so gut abgeschnitten hat. Ich erwartete den, zitiert, "perfekten" Thriller.Vorweg: Das Buch ist rundum gut. Es langweilt nicht, ist öfter auch mal spannend, ist gut geschrieben.Aber: Wenn man viele Krimis und Thriller gelesen hat, ist die Handlung auch nicht so etwas Besonderes.Und ein nervenzerreissender Pageturner war es für mich leider auch nicht.Sicherlich ist es bewegend und ergreifend, wenn man die Sicht des Opfers verfolgt.Das Buch ist aus 2 Perspektiven geschrieben, einmal die Polizeiarbeit auf der Suche nach dem Täter und außerdem die Opferperspektive.Selbstverständlich ist der Leser schockiert von den Vorgängen, die dem Opfer zustoßen - das liegt in der Natur der Geschehnisse.Doch zu einem atemlos verschlungenen nervenzerfetzenden Roman hat mir doch etwas gefehlt.Zu viel (wie schon im anderen Buch) Persönliches vom Psychologen. Bald hat diese Figur mehr Tiefe mehr als die nur recht oberflächlich geschilderten Opfer.Viele langatmige Situationsbeschreibungen, die die Spannung ausbremsen.Natürlich wollte ich wissen, wie es mit dem Opfer weiter geht - das ist bei einem Krimi ja klar.Aber dazu, daß dies nun ein außergewöhnlich packendes Leseerlebnis gewesen wäre, vermisste ich mehr mitreissende Schreibkunst. Es ist ja ein Psychothriller, kein Roman.So habe ich also einen soliden Krimi gelesen, mit schlimmen Opfererfahrungen (und m.E. etwas lahmer Erklärung, wieso der Täter so wurde, da sich seine Erfahrungen nicht dermaßen drastisch von anderen abheben, die dann nicht zum Gewalttäter werden).Da fand ich z.B. das erste Buch Erbarmen von Adler-Olsen wesentlich tiefgängiger und spannender...Ist natürlich alles individuelle Geschmackssache.Ein guter Krimi. Für mich persönlich aber auch nicht "der Reisser". Man ist schockiert, doch die Handlung ist auch immer etwas wenig überraschend. Und der Schreibstil einfach nicht so spannend, wie ich es mir gewünscht hätte.Da der Autor mit seiner Hauptperson (Psychologe) wieder Bezug auf frühere Fälle und dessen eigene Lebenserfahrungen nimmt, war es gut, daß ich zuvor Dein Wille Geschehe gelesen hatte. Ohne Vorkenntnisse kann man dieses Buch zwar auch lesen, aber man kann dann schwerer nachvollziehen, was der Psychologe damals durchgemacht hat.
Kurz vor Weihnachten wird ein Ehepaar brutal ermordet. Die Polizei von Oxford hat auch schnell einen Verdächtigen ausgemacht und bittet Professor Joe O’Loughlin bei dessen Befragung um Mithilfe. Bei der Vernehmung berichtet Augie von einem Unfall und plötzlich steht das rätselhafte Verschwinden der beiden damals 15-jährigen Teenager Piper und Tash von vor drei Jahren im Mittelpunkt des Mordfalls. Was die Polizei noch nicht weiß, Tash ist die Flucht gelungen und Piper wartet verzweifelt auf Rettung. Für sie läuft die Zeit davon, denn keiner weiß, wie der Entführer reagiert, wenn er Tashs Verschwinden bemerkt.Joe O’Loughlin soll in Oxford einen Vortrag halten, begleitet wird der Professor von seiner ältesten Tochter Charlie. Doch kaum ist der Vortrag beendet und die beiden sitzen beim Essen wird Joe um Mithilfe bei einem Doppelmord gebeten. DI Drury und sein Team haben den psychisch kranken Augie festgenommen. Dieser hätte ein Motiv, doch er bestreitet vehement, der Mörder des Ehepaares zu sein. Während der Vernehmung berichtet er von einer jungen Frau, die er meint angefahren zu haben. Und plötzlich rückt der Entführungsfall der Bingham-Girls Piper und Tash in den Mittelpunkt der Ermittlungen.Seinen achten Band der Reihe erzählt Michael Robotham mithilfe zweier Handlungsstränge. Zum einen verfolgt man aus der Ich-Perspektive erzählt die Ermittlungen, welche Joe im Auftrag der Polizei von Oxford unternimmt. Dabei wird er bald auch schon tatkräftig von Vincent Ruiz unterstützt. Zum anderen liest man die Tagebucheintragungen von Piper. Der Teenager wird zusammen mit ihrer besten Freundin Tash in einem Kellerloch festgehalten und dies schon seit rund 3 Jahren.Gerade der Erzählstrang um Piper und Tash wird von Michael Robotham sehr eindringlich geschildert. Piper ist eine begnadete Geschichtenerzählerin, lebhaft, zynisch, traurig und äußerst nahegehend sind ihre Aufzeichnungen. Verzweiflung und Hoffnung, Wut und unsagbare Angst wechseln sich immer wieder ab. Je länger die Entführung andauert und je schrecklicher die Erlebnisse werden, umso deprimierender und hoffnungsloser werden ihre Schilderungen. Doch dann keimt Hoffnung auf als Tash die Flucht gelingt.Nicht weniger intensiv und zudem von Anfang an hochspannend erzählt sind die Geschehnisse rund um Joe O’Loughlin. Der Doppelmord rückt bald immer mehr in den Hintergrund, die Entführung der beiden Mädchen nimmt immer mehr Raum ein. Alte Ermittlungsakten werden wieder durchgesehen, möglichen neuen Spuren wird nachgegangen, doch es lässt sich einfach kein Tatverdächtiger finden. Allerdings ist der Professor der festen Überzeugung, dass der Entführer einen hohen IQ haben müsste, um diese so präzise geplante Entführung über drei Jahre hinweg durchzuführen, doch wer soll der Entführer sein, dem die Mädchen den Spitznamen George gegeben haben?Michael Robotham lässt seine Leser bis zum Ende zappeln. Der Autor liefert nicht den kleinsten Hinweis, eigentlich kann der Entführer jeder sein und dessen unberechenbares Verhalten steigert zudem die Ungewissheit, wie es mit Piper nach Tashs Verschwinden weitergehen wird. Hierdurch und durch die zusätzlich wieder einmal äußerst vielschichtig angelegte Story und den hervorragenden Charakterzeichnungen gelingt es Michael Robotham hervorragend, die Spannung seines Psychothrillers bis zur allerletzten Seite auf einem sehr hohem Spannungsniveau zu halten.Fazit: Für mich der bisher beste Psychothriller der Reihe … komplex, unvorhersehbar und hochspannend.