Was ist Realität und was ist Schein? Was sind die Dinge die wir Träumen und was sind die Dinge die wir erlebt haben? Kommt es nicht immer einmal wieder vor, das wir morgens aufwachen und uns hundertprozentig sicher sind, das diese Dinge, diese Handlungen, diese Empfindungen die wir gerade noch erlebt, ja physisch gespürt haben real waren?Schrecken wir nicht auf und haben entweder etwas grauenhaftes erlebt oder alternativ mit der schönsten Frau (Mann) die/den man sich vorstellen konnte Sex gehabt.Es sind die Dinge des Alltags die einen immer wieder in den Träumen heimsuchen. Gerade erlebtes, im Fernsehen oder Kino gesehenes oder aber auch Kindheitserinnerungen.Aber wir sind immer wieder unsicher. Genauso unsicher wie ich nach dem Lesen diese Buchs von Haruki Murakami bin. Murakami erzählt darin eine Lebensgeschichte. Die Geschichte eines 37jährigen Mannes der oberen Mittelschicht in Japan. Das Leben läuft, oberflächlich angeschaut, in einem perfekten Bogen. Freundin vor der Pubertät. Freundinnen in und nach der Pubertät. Affären. Probleme. Studium der Literaturwissenschaften. Studenten Protest. Arbeitsplatz in einem Schulbuchverlag. Die Frau die man treffen sollte. Heirat. Geliebte. Zwei Kinder. Zwei Autos. Zwei Häuser. Erfolgreicher Unternehmer. Einen Schwiegervater der einen akzeptiert und auch einmal bei Problemen behilflich ist. Perfekt.Wie kann man über solch eine Perfektion einen Roman schreiben. Wie kann man seinen Leser über 230 Seiten fesselnd am Buch halten und über Normalität schreiben?Zum Beispiel kann man dies mit einer blumigen, ansprechenden Sprache oder aber mit einem verheisungsvollen Titel. Gefährliche Geliebte".Sollte man hier dem Dumont Verlag eine Schuld einräumen? Ja, durchaus. Auf jeden Fall den Übersetzern. Verkaufsstimulanz hin oder her. Man sollte keinen, den Inhalt des Buches beeinflussenden Titel wählen. Oder! Man sollte vielleicht direkt aus dem Japanischen übersetzen.Kommen wir aber zum Buch. Einfach habe ich es mir gemacht im oberen Abschnitt. Die Aufzählung eines Lebens. Ein Leben das mein eigenes sein könnte. Auch wenn es im Detail nicht die parallelen gibt, galt es mir, die Episoden, die Lebensabschnitte des Protagonisten. Hajime" jap. Für Beginn, Anfang ist der Held" der Geschichte. Streichen wir das Held und setzen Hauptfigur. Dann wären da noch Shimamoto, Izumi. Yukiku -die Frauen in Hajimes Leben¬ in der korrekten zeitlichen Abfolge. Und der Schwiegervater. Dies ist das was man Hauptdarsteller nennen könnte. Dazu kommen noch ein paar Nebenrollen, die wir hier aber unkommentiert lassen möchten.Mit Shimamoto, einem Mädchen das durch eine leichte Behinderung am Bein etwas gehandicapt ist, verbindet ihn mehr als eine Schulbekanntschaft in der 7. Klasse. Es war die Frau deren Hand er zum ersten mal gehalten hatte. Die Frau die ihn verstand, die ihm zuhörte, die gleiche Musik hörte und die gleichen Bücher las. Hört sich das nicht nach einer perfekten Beziehung an?Nur war diese Liaison auf unsichere Beine gestellt. Denn wie es einmal so ist in diesem Alter. Kaum geht man auf eine andere Schule, oder zieht ein paar Häuserblocks weg, ist man derartig aus dem Sinn, das an eine Weiterführung der Freundschaft nicht zu denken ist.Es folgt das Erwachsenwerden und die Freundschaften mit den Mädels, das erste mal mit Izumi sollte nicht sein, dafür aber mit der Cousine. Die daraufhin unabwendbare Trennung von Hajime treffen das junge Leben der unschuldigen Izumi hart und gnadenlos. Der 37 jährige reflektiert sein Leben und bleibt immer wieder an dem einen Punkt stehen. Warum habe ich die Frau, die ich schon mit zwölf geliebt habe, verlassen? Warum habe ich nicht die Energie aufgebracht, diese Frau wieder zu suchen?Murakami macht dies mit einer Poesie und einer Eindringlichkeit, die trotz ihres einfachen Handlungsstranges jede Phase des Lebens dieses ¬wohl von einer Midlife-Crisis geschüttelten Japaners- so erscheinen lassen als wäre es unser eigenes Leben. Jeder hat diese Alltäglichkeiten schon durchgemacht. Diese Marktplatz der verpassten Chancen schon durchlebt. Die Jugendliebe in ihrer Reinheit und Perfektheit zu dem Maß aller Dinge manifestiert.Es sind die Kleinigkeiten, die die Sprache dieses japanischen Ausnahmeautors zu einem Kleinod werden lassen. Wussten Sie ob der Erotik eines nachziehenden Beins in Folge einer Kinderlähmung? Oder der perfekten Augenbrauen? Es sind die Kleinigkeiten, die eine erotische Stimmung aufkommen lassen, ohne jemals in die Schmuddelecke abzudriften.Es wäre nicht fair, über das zu berichten was Shimamoto noch mehr in Hajimes leben bedeutet. Es wäre auch nicht fair über den Schein, den Traum und die Wirklichkeit Klarheit zu schaffen. Lassen wir auch den Buchtitel weiter unkommentiert. Vielleicht sollte es auch so sein. Für die Spannung bis zur letzten Seite diese wunderschönen Buches.