Bin nach wie vor beeindruckt von diesem Papst. Ich muss gestehen, dass ich sozusagen "Fan der ersten Stunde" bin und schon einiges über das sehr bewegte Leben und die sehr mutigen und klaren Ziele dieses Mannes gelesen habe.Wer denkt, dass die katholische Kirche nur aus ihren Skandalen und Misserfolgen sowie ihrer schrumpfenden Mitgliederzahl besteht, der irrt. Auch wer mit dem christlichen Glauben wirklich nichts am Hut hat, kann und muss sich dem stellen, was dieser Papst zu sagen hat - und was er auch klar und deutlich äußert.Natürlich gibt es immer diejenigen, die sagen: kehrt vor eurer eigenen Tür... und das ist ja auch richtig. Aber wenn es niemanden mehr gibt, der in dieser "post-demokratischen Zeit" (hoffentlich noch nicht wirklich) für die Menschen seine Stimme erhebt, die von niemandem gewollt und gehört werden und die doch die gleichen Rechte als Menschen innehaben - dann wäre noch die letzte Hoffnung dahin.So gibt es auch viele Politiker, die nichtsdestotrotz zumindest versuchen, dem allgemeinen Werteverfall und dem Hass, dem Populismus und der Überheblichkeit sowie dem verwöhnten Brutal-Kapitalisten etwas entgegen zu setzen, was Sinn und Verstand hat.Diese Stimmen werden weniger und sie sind oftmals nicht gern gehört und umso lieber belächelt. So geht es auch Papst Franziskus. Sicherlich ist es für ihn noch viel schwerer, durch die behäbige Masse des Fundamentalen Katholizismus zu dringen, um neuen Grund zu brechen.Seine Worte sind berührend und klar. Sie sind einfach und direkt und sie fordern auch mich heraus, nachzudenken, mein Leben neu auszurichten und das bisschen zu tun, was tatsächlich in meiner Macht liegt.Corona hat es überdeutlich gezeigt: so kann die Welt nicht weitermachen und trotzdem gesund bleiben. Es geht natürlich auch um Umwelt und Wirtschaft; in diesen Bereichen muss ein totaler Paradigmenwechsel Einzug halten. Aber es geht auch darum, zu erkennen, wie selbstverständlich wir unseren Wohlstand und unser "Recht" in Anspruch nehmen und tatsächlich davon überzeugt sind, dass wir keine "Schuld" an diesen Zuständen tragen.Obwohl es doch selbst in unserem Land mittlerweile Menschen gibt, die trotz Arbeit und äußersten Mühen nicht mehr auf die Beine kommen und in ständiger Angst vor dem weiteren "Abstieg" leben müssen.Was nützt es, diese Dinge auszusprechen? Sehr viel! Wenn niemand mehr die Stimme erhebt... wie gesagt. Und es geht eben gerade um dieses Bewusstsein, was in uns allen geweckt werden muss. Das Bewusstsein, dass es keinen fairen Markt gibt, der "sich selbst überlassen" immer nur positivere Auswirkungen und "Wohlstand für alle" produziert.Es geht um das Bewusstsein, dass "Wachstum" nicht das Ziel der Zukunft sein KANN, weil es auf einer endlichen Erde, mit endlichen Ressourcen kein "endloses Wachstum" geben kann!Was macht Lebensqualität aus? Der Papst hat wirklich viel dazu zu sagen. Und bei ihm zumindest kann man nicht einfach abwinken und sagen... ach... was weiß der schon. Dieser Mann hat sein Leben lang für die Ärmsten und Schwächsten seine Stimme erhoben und aktiv geholfen. Er war "mittendrin" und versucht jetzt zumindest, an diesem heraus ragenden Platz, an dem er sich als Papst befindet, das zu tun, was wichtig ist: konkrete Ziele benennen, Wahrheiten aussprechen und Gewissen und Bewusstsein wecken.Die Menschheit hat so viele Möglichkeiten - es wäre schön, wenn es nicht nur immer wieder um Billionäre und Aktionäre gehen würde, die absolut nichts zur Verbesserung dieser Welt beitragen! Es wäre schön, wenn es wieder breitflächig um Menschen ginge, die im Kleinen und im Großen wichtige Ziele erreichen und sich ganz einsetzen für eine bessere, schönere Welt, in der Hass und Zerstörung nicht die Oberhand gewinnen.Klingt sehr theatralisch? Ist dieses Buch aber gar nicht! Es informiert sehr gut und knapp genug über die Stellungnahme des Vatikans in dieser schweren Coronazeit - Italien war ja auch besonders hart betroffen. Es zeigt an dieser globalen Krise, dass es wichtig ist, wie Männer und Frauen dieser Zeit, die verstanden haben, worum es wirklich geht, sichtbar und hörbar werden.Ein Buch, das Hoffnung macht und deutlich zeigt, wie Franziskus denkt und wie er es schafft, trotz vieler Widerstände doch einiges zu bewegen. Ich habe die Lektüre sehr genossen und gleichzeitig war ich sehr betroffen. Und doch geht es gerade nicht um Pessimismus, sondern um gelebten Glauben, der es ermöglicht, ganz neue Sichtweisen mit kleinen Schritten im Alltag zu verwirklichen - jeder wo er es kann.
Meine Schwiegermutter liest gerne Bücher dieser Art und sie findet auch das hier liest sich gut und interessant, daher gebe ich 4 Sterne.Sie ist weder katholisch, noch besonders gläubig, aber interessiert sich einfach für den Papst und ähnliche Themen.
Marco Politi gilt als Kenner des Vatikans und von Papst Franziskus. Nach "Franziskus unter Wölfen" und "Das Franziskus-Komplott" ist ein neuer Band von ihm bei Herder erschienen: "Im Auge des Sturmes." Schon der Untertitel wirkt etwas bemüht: "Franziskus, die Pest und die Heilung der Welt". Es geht - die "Pest" deutet es bereits an - zunächst um die Corona-Krise. Politi erzählt eigentlich nur nach, was die Corona-Pandemie für die Kirche und den Vatikan bedeutete: Dass Kirchen geschlossen wurden, Messen ausfallen mussten, der Papst die morgendliche Messe aus Santa Martha streamen ließ und in einem Aufsehen erregenden Gebet auf dem leeren Petersplatz die ganze Welt bewegte. Für die Kirche waren und sind das sicherlich prägende Monate und Jahre; Politis Ausführungen bringen dem Leser, der sich auch nur ein wenig mit diesen Fragen auseinandergesetzt hat, aber nichts neues.Ähnlich geht es weiter: Der Autor beleuchtet nun die Haltung von Papst Franziskus zu nationalistischen und autoritären Bewegungen auf der ganzen Welt. Es geht sodann um innerkirchliche Probleme: Die Frage nach der Segnung gleichgeschlechtlicher Paare, nach dem synodalen Weg in Deutschland, nach dem Umgang mit den Fällen sexuellen Missbrauchs. All das sind wichtige Themen, aber auch hier kann Politi nichts neues bieten für jene, die sich auch nur in Ansätzen mit dem (welt-)kirchlichen Geschehen der vergangenen Jahre auseinandergesetzt haben. Sein Buch wirkt eher wie eine Chronik der vergangenen zwei oder drei Jahre im Vatikan. Da werden eigentlich keine größeren Zusammenhänge aufgezeigt, auch theologisch vermag der Autor die Problemfelder nicht einzugrenzen oder zu erläutern. "Im Auge des Sturmes" dürfte daher für viele Leser keinen großen Gewinn bringen, fasst gleichzeitig aber wichtige kirchliche Entwicklungen der vergangenen Jahre übersichtlich zusammen.