Carl Joseph von Trotta, ein Trotta von Sipolje in dritter Generation und noch jung in seiner Offizierslaufbahn, lässt sich nach unwiederbringlichen Ereignissen an die östlichste Grenze der kaiserlich-königlichen Monarchie Österreich-Ungarn versetzten. Schon als Kadett war er ein leidlicher Reiter und ein mäßiger Schüler. Seine Mutter war früh gestorben, er war bei seinem Vater in Mährisch-Weißkirchen aufgewachsen und war nun an der Reihe den Stolz der Offiziersfamilie des Helden von Solferino zu tragen. Sein Großvater von bäuerischer, slawischer Herkunft hatte dem jungen Kaiser Franz Jospeh bei der Schlacht von Solferino das Leben gerettet. Doch das war lange her."Alt war er und müde, und der Tod wartete schon auf ihn, aber das Leben ließ ihn noch nicht frei. Wie ein grausamer Gastgeber hielt es ihn am Tische fest, weil er noch nicht alles Bittere gekostet hatte, das für ihn bereitet war." Pos.4145Der Kaiser war mittlerweile ein Greis, ebenso wie sein Monarchie dem Sterben näher war als dem Leben. Während die jungen Offiziere sich einerseits an Glückspiel, Alkohol und den Frauen labten, ihre Rechte noch in Duellen ausfochten oder sich gegenseitigen der Spionage verdächtigten, wagten sie kaum, sich die Ausübung ihres Berufes vorzustellen, denn das würde das undenkbare Verschwinden der Monarchie bedeuten. Und dabei hat der Vielvölkerstaat schon begonnen sich in seine einzelnen Bestandteile aufzuteilen. Die Fassade hielt. Bis zu jenem schicksalsschwangeren Tag, an dem das Gerücht der Ermordung des Thronfolgers in Sarajevo während eines Sommerfestes gemeldet wurde."Und Carl Joseph war einer der Empfindlichsten. Er sah den goldenen Glanz, den die Prozession verströmte, und er hörte nicht den düstern Flügelschlag der Geier. Denn über dem Doppeladler der Habsburger kreisten sie schon, die Geier, seine brüderlichen Feinde." Pos.3267, S243Der Reigen um die Monarchie ist gespielt. Und Joseph Roth verdanken wir es, die Stimmung, die Ängste und das Knistern jener großen Europäischen Wende heute nachempfinden zu können. In drei Teilen treibt der Autor sein Schwungrad des Untergangs langsam an, um im dritten und letzten Teil in einem unheimlichen Crescendo den Krieg ankündigt, der in einem leichten Abgang bereits begonnen hatte."Und zum ersten Mal in seinem nunmehr langen Leben musste der Bezirkshauptmann erfahren, wie schwer es ist, hilflos zu sein und würdig zu bleiben." Pos. 4528, S336Als Leser gelangen wir in eine Welt von Würde und Ehrverteidigung, Ordens- und Würdeträgern, von Offizieren und Rittmeistern und der guten Gesellschaft ganz allgemein. Frivole Anstands- und Sittenlosigkeit bleiben hinter verschlossenen Türen. Joseph Roth war ein Meister der Beschreibung und ein Regisseur, der sich der Melancholie verschrieben hatte.Eine absolute Empfehlung.