Die Autorin war die Tochter von Alfred Kerr, einem der bedeutendsten deutschsprachigen Publizisten des ausgehenden 19. Jahrhunderts bis weit ins 20. Jahrhundert hinein. Die Familie musste Anfang 1933 Deutschland Hals über Kopf verlassen, denn auf der Abschussliste der Nazis steht der Name Kerr ganz oben. Er gehört zur Minderheit derer, die klar voraussehen, was passieren wird. Dazu hat er die Möglichkeit der Flucht - er kann sein Leben und das von Frau und Kindern retten, immerhin. Aber: Der Bohémien Kerr, bereits im Rentenlater, verliert seine Lebensgrundlage: das Schreiben und Publizieren.Judith Kerr beschreibt Flucht und Emigrantendasein aus der Sicht der 10-jährigen Anna, ihrem Alter Ego. Kerr und seine Familie fliehen zunächst in die Schweiz, weil er hofft, dort weiter publizieren zu können. Doch die Eidgenossen interessiert überhaupt nicht, was Kerr über die Nazis zu sagen hat; sie wollen lieber Geschäfte mit der Diktatur machen – eine schlechte Presse wäre da nur hinderlich.Danach versucht Kerr es in Frankreich, weil er perfekt französisch spricht. Doch auch dort ist er nicht erfolgreich. Am Ende landet die Familie in England, letztlich ein Glücksfall, denn das wird zu Kriegszeiten außer der Schweiz und Schweden das einzig sichere Land Europas sein.Im „rosa Kaninchen“ erscheint der Vater als liebenswerten Großbürger, vergeistigt und eher unpraktisch. Auch die 30 Jahre jüngere Mutter hatte nie einen Haushalt geführt, da es dafür immer Bedienstete gab. Von jetzt auf gleich steht die Familie vor dem Nichts, hat keinerlei Rücklagen, kaum Einnahmen. Anna erlebt trotzdem eine glückliche Kindheit, da sie mit Eltern und Bruder zusammen ist und ihr materielle Annehmlichkeiten wie hochherrschaftliche Wohnungen weitgehend wurscht sind. Sie und ihr Bruder Max lernen schnell die fremden Sprachen und finden sich zurecht – im Gegensatz zu ihrem Vater, der das Exilantenleben interessant findet, aber nie richtig ankommt.Die bitteren Seiten des Exils beschreibt Judith Kerr vor allem in dem zweiten Band „Warten bis der Frieden kommt“. Die Jahre in England sind von Hunger, Entbehrungen und großen Existenzängsten gekennzeichnet, auch wenn Kerr weiß, dass ihre Familie durch das Überleben weitaus mehr Glück hatte als viele andere. Ein bitterer Unterton haftet dem Buch dennoch an.Im dritten Band „Eine Art Familientreffen“ macht sie sich über die Beziehung zu ihrer Mutter und ihrem Bruder Michael Gedanken. Die Mutter lebt nach dem Tod Alfred Kerrs 1948 wieder in Berlin in einer neuen Beziehung. Nach einer Affäre ihres Lebensgefährten unternimmt sie einen Suidzidversuch. Anna alias Judith fliegt nach Berlin und muss sich wieder mal um alles kümmern. Ihr Bruder, der „Strahlemax“, Einserjurist und Erfolgsmensch, kommt zwar auch, um sich dann aber gleich wie üblich aus dem Staub zu machen. Ein düsteres Buch über die Langzeitfolgen entwurzelter Flüchtlinge. Judith Kerr ist mit Deutschland nie mehr richtig warm geworden, das ist in jeder Zeile zu spüren.Vor allem aber das „rosa Kaninchen“ ist sehr einfühlsam und lebendig geschrieben, liest sich gut und vermittelt durch die kindliche Unvoreingenommenheit eine positive Grundstimmung. Die kommt in den beiden anderen Bänden abhanden, nicht nur historisch bedingt, sondern auch dem steigenden Alter der Autorin geschuldet. Die 15-jährige Anna erlebt das Exil mit all seinen negativen Ausprägungen und beschönigt nichts. J. Kerrs Vater wäre vermutlich stolz auf die Erinnerungen seiner Tochter gewesen.
Dieser Dreiteiler ist einfach ein wunderbares Werk. Ich habe das Buch damals zu meinem 15. Geburtstag bekommen, und doch ist es irgendwie außerhalb meines Radars geblieben. Damals interessierte ich mich schon für diese Zeit, aber mehr aus militärischer Sicht. Mittlerweile studiere ich Geschichte im dritten Semester und mich interessiert seit Langem schon viel mehr Sozial-und Kulturgeschichte. Da passt dieser Roman einfach wunderbar rein.Ich finde die Art und Weise, wie mit diesem Thema umgegangen wird, sodass es Kinder auch verstehen können (zumindest die ersten beiden Bände) großartig. Dieses Thema wird uns noch lange begleiten, die Frage ist nur auf welche Weise? Da immer mehr Zeitzeugen gehen, ist zu befürchten, dass sich der Umgang verändern wird. Dieses Buch allerdings sorgt für einen alltäglichen und emotionalen Zugang zu diesem Thema. Es ist für mich quasi eine Buchversion der Serie "Holocaust" nur, dass die Serie eben eine Familie zeigte, die nicht aus Deutschland emigriert ist. Es wird daher in diesem Buch auch viel mehr auf die Probleme und Herausforderungen wert gelegt, die die Menschen, vor allem Anna, gehabt haben als sie Deutschland verließen. Dadurch, dass es sich auf Anna fokussiert, stellt es vor allem im ersten Band so die alltäglichen Umstände und Sorgen von Kindern dar. Kinder können sich demnach mit ihr identifizieren. Das ist ganz wichtig, um den Kindern (nicht nur ihnen) zu zeigen, dass das Menschen wie du und ich gewesen sind, die auf einmal ihr Land verlassen mussten. Dass diese Familie in dem Buch die judenfeindlichen Stimmungen wahrgenommen haben, die sie noch v. a. in Deutschland erfuhren. Judith Kerr schreibt in diesem Dreiteiler auch, wenn natürlich mit dichterischer Freiheit, ihr Leben in den jungen Jahren nieder. Dass es gerade an echte Ereignisse angelehnt ist, macht dieses Buch um so authentischer. Allerdings bringt es einen doch auch gehörig zum Nachdenken.Um es mit Primo Levis Worte zu sagen: „Es ist geschehen, und folglich kann es wieder geschehen.“ Das sollte man nicht vergessen.Mich haben diese Bücher wirklich mitgenommen und sie zählen definitiv zu dem Besten, was ich zu dieser Zeit je gelesen habe.Ich kann es wirklich nur jedem ans Herz legen, sich diese 3 Bücher allein für diesen Spottpreis anzuschaffen.
Das Buch selber ist nicht zu beanstanden.Der Preis für alle 3 Bände ist super....1 Stern Abzug deswegen weil es nicht für die Schule geeignet ist wenn man "Geld" sparen möchte.Band 1 das man für 9,99 Euro bekommt hat ganz andere Seitenzahlen als dieses Buch.Wenn die Lehrerin also sagt wir lesen bis Seite 25 haben meine Kinder die Seite 23 und kommen vollkommen durcheinander weil sie nicht wissen bei welchem Wort die Seite 25 aufhört.Da sie deswegen Ärger bekommen haben habe ich jetzt doppelt kaufen müssen.