Walter Faber alias "Homo faber" ist ein rational denkender Mensch, der für alles eine weltliche Erklärung hat und den nichts aus der Ruhe bringt. Ein denkwürdiger Flug mit anschließender Notlandung setzt jedoch eine Ereignis-kette in Gang, für die selbst der kühle Faber keine richtige Erklärung findet. Plötzlich wird er mit einer Vergangenheit konfrontiert, mit der schon lange abgeschlossen hatte. Unglaubliche Zufälle rufen alte bekannte auf den Plan und bringen Fabers Weltbild beträchtlich ins Wanken. Faber scheint sich zu verlieben, doch seine junge Bekanntschaft ist ihm weitaus näher verbunden als Faber und ihr lieb sein kann. Menschliche Tragödien nehmen ihren Lauf während jahrelange Missverständnisse ans Tageslicht kommen."Homo faber" ist eines der Hauptwerke des Schweizer Schriftstellers Max Frisch. Der Untertitel des Buchs lautet "Ein Bericht" was die Erzählung in der "Ich-Form" hervorheben soll. Anfangs ist es auch ein Bericht der nüchtern über Ereignisse die Faber widerfahren berichtet. Jedoch wird es mit fortnehmender dauer mehr zu einem Roman, da ich in einem Bericht keine Gefühle erwarte. Gerade in Bezug auf Sabeth (Fabers geliebte) werden mehr und mehr Gefühle in den Bericht gebracht.Es geht in diesem Werk um das Leben eines eiskalten Rational denkenden Menschen und wie er die Welt um sich herum sieht. Man kann viel über diese Weltanschauung lernen wenn Faber innerlich über Menschen die an Übersinnliches glauben, religiös sind oder Fantasie haben spöttelt. Des Öfteren wird aufgezeigt das Faber sich in seiner Sichtweise der Dinge anderen gegenüber überlegen fühlt. Das so ein Mensch jedoch auch nicht Unerschütterlich sein kann zeigt dieses Buch auch auf. Im Laufe der Geschichte wird Fabers kalte Schale immer weiter abgeschält. Bis er sich hals über Kopf verliebt. Da scheint es dann mit der Rationalität vorbei. Er lässt sich (meist) von ihren Gefühlen leiten und das wird ihm dann am Ende zum Verhängnis. Ob man dem Buch diese enorme Verwandlung abnimmt ist einem selbst überlassen. Mir persönlich wird er dafür am Anfang etwas zu kalt dargestellt.Zum Schreibstil lässt sich sagen das kaum längere Sätze verwendet werden und sich das Buch recht flüssig lesen lässt. Etwas Gewöhnungsbedürftig sind die unangekündigten und unkommentierten Rückblenden die des Öfteren eingeworfen werden. Manchmal ist mir auch der Hintergrund der Rückblende nicht gänzlich ersichtlich. Gelegentlich sind auch Wörter im Gebrauch die in der heutigen Zeit äußert ungeläufig sind. Ein gutes Beispiel ist die Verwendung des Wortes "obschon" anstatt "obwohl". Oder etwa die Verwendung von "Zopilote", eine veraltete Bezeichnung für eine Geier-Art. Dies ist aber dem Alter des Buches zuzuschreiben und stört den Lesefluss auch kaum. Das Buch hat 202 Seiten im DIN A5 Format. Es ist damit nicht übermäßig lang, jedoch ist es absolut kein Buch was man an einem Stück verschlingen kann. Dafür fehlt es ihm einfach an Spannung und gut erzählten Ereignissen. Schockierende oder Wichtige Geschehnisse kommen meist wie mit der Tür in das Haus gefallen. Besonders geärgert hat mich das bei dem Tod eines Nebenprotagonisten, der vorher noch nicht einmal zu Wort kam und der Grund dessen Dahinscheidens darauffolgend auch gar nicht tiefer behandelt wird. Außerdem sind zwischendurch auch einige längen vorhanden die sich meist in langen Monologen Fabers äußern.Jedoch ist dieses Buch auch nichts für den gemütlichen Sonntagabend mit einem Glas Wein auf der Couch, sondern eher etwas zum studieren und interpretieren. Und dafür lässt dieses Buch einigen Spielraum. Nicht umsonst hat es Eingang in den allgemeinen Schulkanon gefunden. Man kann herrlich darüber diskutieren.Alles in allem ist es ein Buch über das man in der heutigen Zeit Wahrscheinlich nur noch auf dem Weg zum Abitur stolpern wird, jedoch kann es auch ohne Bedenken einfach so gelesen werden. Es hat bei mir zu einigen interessanten Gedanken geführt. Wer jedoch ein Buch sucht, welches er auch noch nebenbei während des Sonntagabendfilms lesen kann ist hier nicht auf der richtigen Seite, denn das Buch braucht Aufmerksamkeit.