Was so viele wahrscheinlich nicht wissen, war J. J. ein Meister im Plagiieren. Viele Ideen und Begebenheiten hat er sich gemerkt und daraus eine interessante Geschichte konstruiert. I. A. verteidigt S. J. seinen begabten Bruder immer wieder geschickt gegen ungerechtfertigte Angriffe.
Wer den „Ulysses“ gelesen hat (oder lesen will), sollte dieses großartige Buch kennen, denn es liefert viele Erkenntnisse zu James Joyce, zu seinem Charakter und seiner Prägung – aus nächster Nähe beobachtet von seinem Bruder Stanislaus. Näher kommt man als Leser nicht ran an James Joyce! Was warum wie im „Ulysses“ steht: Nach der Lektüre von „Meines Bruders Hüter“ kennt man viele Hintergründe. Und nicht nur das: Auch über die Eigenarten der Iren erfährt man viel Wissenswertes.Umso ärgerlicher ist es, dass man sich als Leser durch das streckenweise dümmliche „Geschwurbel“ von Arno Schmidt kämpfen muss, bei dem der Suhrkamp-Verlag anno dunnemals – leider – die Übersetzung in Auftrag gegeben hat. Schmidt inszeniert sich auf die ihm eigene – aus meiner Sicht unerträgliche – Weise. „Ulysses“ heißt bei ihm unerklärlicherweise „Odysseus“, mit der Kommasetzung mangelt es immer mal wieder arg, der Satzbau ist oft hölzern und die Rechtschreibung folgt Schmidtschen Prinzipien oder sollte man sagen: seiner schrägen „Filosofie“? Interessanterweise schreibt Schmidt „Theosophie“ mit „ph“, aber vielleicht ist ihm das seinerzeit nur im blinden Eifer durchgerutscht. Einen Lektor scheint der Sprach-Narziss damals nicht neben sich geduldet zu haben, sonst wären wohl viele Fehler und Peinlichkeiten nicht passiert.Sehr schade, dass Suhrkamp eine solch unbrauchbare Übersetzung immer noch im Verlagsprogramm „mitschleift“! Es ist höchste Zeit, dass „Meines Bruders Hüter“ endlich „ohne Mätzchen“, dafür aber mit Sinn und Verstand ins Deutsche übertragen wird. Das Buch hat es mehr als verdient!
Das durchaus kritische Vorwort von T.S. Eliot hat seine Berechtigung: Was gehen den Leser die privaten Details aus dem Leben eines Autors an? Diese Frage ist berechtigt und muss immer wieder neu beantwortet werden.Da Joyce kleinste Details aus seinem Leben in Dublin in sein Werk eingebracht hat, ist die Biografie seiner Jugendjahre durch Bruder Stanislaus natürlich gerechtfertigt und kann unter anderem als Ansammlung von Mikrokommentaren und Fußnoten zum Werk des Meisters gelesen werden. MEINES BRUDERS HÜTER ist auch ein wunderbares Buch über Irland und steckt voller kleiner Anekdoten, wie sie schöner und typischer für das irische Wesen kaum sein könnten.Professor Stanislaus Joyce war nicht nur der kleine Bruder von James, sondern ein eigenständiger scharfer Denker und Beobachter, der seine Abneigung gegen die katholische Kirche sogar noch deutlicher zum Ausdruck brachte als James Joyce.MEINES BRUDERS HÜTER ist auch eine Dokumentation der schwierigen Beziehung der Brüder zueinander, ein Gegenstück sozusagen zu Shaun und Shem in FINNEGANS WAKE.Ironie des Schicksals: Stanislaus Joyce starb am Bloomsday des Jahres 1955!Die Übersetzung wurde von Arno Schmidt angefertigt und ist wunderbar lesbar.