In "Die Kreativität des Handelns" analysiert Hans Joas Schwächen der klassischen Positionen in der Handlungstheorie und im Funktionalismus. Für erstere arbeitet er heraus, dass Max Weber sein Handlungsmodell entlang einer Rationalitätsskala entwickelt, sodass Rationalität als Bezugspunkt für alle anderen Aspekte des Handelns gilt (S. 63). Letztlich wird daran Handeln gemessen und andere Formen erscheinen demgegenüber defizitär, was damit einhergeht, dass ihnen wenig Beachtung geschenkt wird. Auch Jürgen Habermas entgeht dieser Kritik nicht, weil er zwar den Handlungsbegriff weiter fasst, indem er darunter nicht nur instrumentelle Zweckrationalität versteht, aber für kommunikatives Handeln beansprucht er ebenfalls Rationalität. Der Funktionalismus demgegenüber reduziert Handelnde zwar nicht auf rationale Akteure, sieht für sie aber kein Entkommen aus den sozialen Strukturen, denen sie unterworfen sind. In beiden Fällen, also in der rationalistisch argumentierenden Handlungstheorie und im Funktionalismus, findet Kreativität keine Berücksichtigung. Joas sieht aber viele Anhaltspunkte dafür, dass sie einen wesentlichen Aspekt des Handelns ausmacht, allein es fehlt an einer theoretischen Ausarbeitung. Immer wieder verweist er auf den Pragmatismus, der Vorarbeit für einen solchen Weg geleistet hätte. Schließlich arbeitet er unter Bezugnahme auf die Konstitutionstheorie insbesondere in Anlehnung an Anthony Giddens allgemeine Grundsätze für eine Handlungstheorie heraus, die der Kreativität des Handelns gerecht werden könnte. Eine ausgearbeitete Theorie findet sich jedoch nicht. Bei allen interessanten Einwänden gegenüber Jürgen Habermas oder Niklas Luhmann fehlt es dadurch an einer tragfähigen Alternative, auf die die Ausführungen zuvor doch sehr neugierig gemacht haben.