Nachdem die ein oder anderen Rezensionen mich vor dem Kauf irritiert hatten, freue ich mich meinem Tradition treu geblieben zu sein, und mir selbst ein Urteil zu bilden. Ich kann den potentiellen LeserInnen und Lesern auch dieses Werk uneingeschränkt empfehlen. Ich könnte mehr verschlingen und allein das Ende des Epilogs macht neugierig auf das was kommen wird. Also einfach selber lesen und Urteil bilden.
Als passionierter Begley-Leser hatte ich diesen, wie auch den Jack-Dana- Vorgängerband bereits vor einem Jahr gelesen - und gerade einmal ein Wochenende für die rund 600 Seiten benötigt. Und dieses Wochenende ist es wieder so gewesen...Ich denke, dass sich Begley, der für seine fein ziselierten Charakterzeichnungen bekannt ist, angesichts seiner Jack-Dana-Schöpfung immer noch zu Tränen amüsiert, hat er bei diesem stahlharten und doch zu weichen, dabei mit besten Manieren und klassischer Bildung ausgestattetem und dazu noch Romane schreibenden James-Bond-Marine-Verschnitt kein,aber auch gar kein Klischee ausgelassen ... Man merkt dem Autor die ironische Freude und das Amüsement beim Schreiben an - auf mich als Leser hat das auch beim zweitem Mal abgefärbt und mir neben einem spannenden Lesevergnügen viel Schmunzeln bereitet.
Wer in Louis Begley den intelligenten Erzähler kennt, erlebt hier eine krasse Enttäuschung. Ein banales, uninteressantes Werk, in dem keine Spannung aufkommt. Es wimmelt von endlosen Wiederholungen nichtiger Vorgänge (ich habe irgendwann nicht mehr gezählt, wie oft das Mixen von Martinis beschrieben wird). Vollkommen unmotiviert wird ein Schauplatz wie Torcello eingeflochten (wodurch das Werk auch nicht aufregender wird). Hinzu kommt das oberflächliche Beschreiben amerikanischer Anwaltskanzleien und deren Gepflogenheiten, irgendwann wird es einfach langweilig. Schade, was waren das für Zeiten, als wir zum Beispiel Wartime Lies lesen durften.