Es gibt wenige Schriftsteller, die mit sich und dem Leser, bedingunglos aufrichtig umgehen, Max Frisch ist einer davon. Er selbst, schreibt an einer Stelle "Dies ist ein aufrichtiges Buch, Leser." Ein Stück Literatur, das autobiographisch und sehr persönlich gehalten ist. Er schreibt: "Er (MF) ist kein Schriftsteller mit grosser Fantasie, das stimmt schon."Ein Autor der zum Einen aus der Ich-Perspektive, sein Leben betrachtet und wahrnimmt, zum Anderen dann wiederum in die dritte Person geht, als wäre er ein anderer, vielleicht braucht es ja die Distanz, um besser über sich selbst schreiben zu können. Max Frisch schreibt Sätze, die einen als Leser am richtigen Ort treffen und man geneigt ist, sich einen Moment Zeit zu nehmen und nachzuspüren, anzuhalten, womit uns dieser bemerkenswerte Autor zu treffen vermag. Eine Sprache, die zu treffen und berühren vermag, klasse gemacht.Der Autor, schreibt über Gott und die Welt, geradeso, wie es ihm in den Sinn kommt, keinen Anspruch an Chronologie stellt, im Gegenteil, eine innere Suche, der bewussten Wahrnehmung, von dem was da gerade gelebt und wahrgenommen wird. Im Zentrum steht dabei die Amerikanerin Lynn, die er dort an jenem Wochenende trifft und mit ihr eine intime Annäherung erlebt. Lynn steht für Alice Locke-Carey, einer Verlagsmitarbeiterin, die Frisch während einer Leserreise in den Staaten kennenlernt. Sie verbringen ein Wochenende, 100 Milen östlich von New York, von Long Island, einem Ort namens Montauk.Der Autor reflektiert dabei stets sich selbst in berührender Aufrichtigkeit. Eine autobiographische Selbstreflexion, die es mehr als ehrlich meint und keinen Anspruch hegt, gefallen oder entsprechen zu wollen. "Es sind nicht die Frauen, die mich hinters Licht führen, das tue ich selber." Eine Literatur, die sich selbst genügt...Doch geht es nicht nur über jene Liebesbeziehung, nein, Frisch reflektiert sein Leben, sein Mann-Sein, seine Berühmheit, seine Rolle, seinen Erfolg, sein Älterwerden, seine Freunde, seine Literatur, seine Familie, seinen Werdegang, seine Beziehungen zu Frauen und schliesslich seine Liebe zu Lynn, die Anlass gibt in Rückblenden einen Blick auf das eigene Leben zu machen. Eine selbstkritische Annäherung an sich selbst. Unverblümt, offen, schnörkelos, intim, schonungslos, autobiographisch, nicht beschönigend, dem eigenen Alleinsein gewidmet.Fragen, wie wer bin ich für andere, für sich selbst sind dabei ständig beim Lesen präsent. Eine feinfühlig erzählte Annäherung an eine Liebesbeziehung und gleichzeitig auch eine Rückblende, zur früheren Frau Marianne, die immer wieder beim Autor aufzuleuchten scheint. Als ob er sich selbst auf der Spur wäre....ehrlich und aufrichtig. "Ich höre, was mir gesagt wird, und glaube es." Eine Annäherung an das eigene Leben, dessen Wirkung in einer reflektierenden Betrachtungsweise, die es mehr als ehrlich mich sich selbst meint. Ein intimes, ein aufrichtiges ein berührendes Buch, von einem Autor, der es schafft, dass man danach von dem Erzählten und Menschen berührt zurück bleibt und ihnen noch ein wenig nachsieht. Ein Buch das man gerne liest und sich gleichzeitig über den Autor freut...schön dass es Autoren gibt, die sich der Aufrichtigkeit verschrieben haben...eine Qualität, von der es sich lohnt, sich von ihr berühren zu lassen...Nur wenige Schriftsteller lassen Leser so nahe an sich heran kommen, Max Frisch lässt es zu...Lesen!
Dieses Buch ist etwas für die Enthusiasten von Max Frisch. Es liest sich nicht leicht. Wer nichts bereits über das Leben Frischs weiß, der wird damit nicht gut zurecht kommen. Es handelt von dem Wochenende des in den 60er-Jahren seines Lebens stehenden Autors mit der rund 30 Jahre jüngeren US-Amerikanerin Lynn auf Montauk, einer Halbinsel, die genauso wenig Reize hat wie Lynn, dieses etwas aseptische und eigentlich langweiige Wesen. Frisch nimmt das Zusammensein mit Lynn zum Anlaß zu deren Beobachtung, die ihn immer wieder zu Betrachtungen seines früheren Lebens und seiner früheren Frauenbeziehungen führt. Frisch ergeht sich in wenig interessanten Landschaftschilderungen und ständigen Gedankensprüngen,die man mögen muss. Auch viele verschwurbelte Gedanken. Allerdings - und das ist das Positive - kommen auf den zum Durchhalten ermunterten Leser auch sehr kluge Aussagen zu, mit denen er sich oft selbst indentifizieren kann. Gut gemacht, Max Frisch! Warum diese Beziehung älterer Mann zu jüngerer Frau dann allerdings trotz aller Gegensätze in größter Intimität münden muss, das bleibt das Geheimnis der beiden. Zumal sich Frisch in seinen Betrachtungen in seinem Alter bereits als Zumutung für jede Frau empfunden hat. Frisch und Lynn trennen sich am Schluss ohne große Emotionen. Lynn geht davon, ohne sich noch einmal umzudrehen. Wer mehr über dieses Buch Montauk und seinen Hintergrund und Wahrheitsgehalt erfahren möchte, der lese darüber bitte einmal in Wikipedia nach. Ich jedenfalls schwanke beim Lesen von Montauk immer wieder zwischen Weiterlesen und Aufhören.