Aus meiner Schulzeit konnte ich mich noch dunkel an den schlechten Ruf der Scholastik erinnern (unnötig umständlich, unnötig kompliziert...). Wer sich davon nicht abbringen läßt, lernt vielleicht das Beste kennen, was die Philosophie zu bieten hat.Zu kurz gegriffen scheint mir jedenfalls die Meinung, daß Thomas seine Theologie mit der aristotelischen Philosophie lediglich kompatibel gemacht hat. Hervorragend die Vorworte, Einführungen und Anmerkungen von Joseph Bernhart.Nicht zu unterschätzen ist die von Grund auf didaktische Konzeption des Werkes. Daher gerade auch für Nichttheologen hoch empfehlenswert. Und wer nicht nur wissen, sondern verstehen will.
Ich kann mich dem vorherigen Rezensenten nur anschließen. Von dieser Ausgabe muss man absolut abraten. Es ist leichter Latein zu lernen als das Deutsch des Übersetzers Joseph Bernhardt. Nur zwei Beispiele: Aus lateinisch "habitus" wird deutsch "Verhabtheit" und aus lateinisch "ratio" wird deutsch "Urwurf". Mit anderen Worten, man kann die Übersetzung nicht verstehen, wenn man den lateinischen Text nicht kennt (was wiederum die Übersetzung überflüssig macht). Als Nicht-Lateiner muss man halt zur alten zweisprachigen Deutschen Thomasausgabe greifen oder eine englische Übersetzung heranziehen. Im Übrigen ist die Auswahl der Textstellen keineswegs glücklich und konfrontiert den Leser mit gewaltigen logischen Lücken. Außerdem wird die formale Struktur der Summa an vielen Stellen zerstört. Man erhält nur die Antwort des Thomas, die Gegenargumente (obiectiones), auf die er Bezug nimmt, sind oft nicht mitübersetzt. Statt dessen finden sich in den Fussnoten Verweise auf angebliche Parallelen zu Kant etc., die dem Textverständnis nicht wirklich dienen. Es bleibt überhaupt fraglich, ob man zu einer Auswahlübersetzung greifen sollte, um sich Thomas zu nähern. Ich meine, es ist besser sich einige inhaltlich zusammenhängende Abschnitte der Summa vorzunehmen und diese wirklich Satz für Satz zu lesen. Diese Ausgabe habe ich jedenfalls mit einiger Verärgerung ganz schnell beiseite gelegt. Schade ums Geld.