China im 19. Jahrhundert in der verbotenen Stadt. Man verfolgt das Leben dort aus der Sicht der Konkubine, Gemahlin und zuletzt Kaiserinmutter. Der Kampf mit den in das Riesenreich drängenden Ausländer, die uralte chinesische Tradition, Religion und Kultur. Lesenswert.
"Das Mädchen Orchidee" - im Original trägt das Buch aus dem Jahre 1956 den weitaus passenderen Titel "Imperial Woman" - der amerikanischen Nobelpreisträgerin Pearl S. Buck erzählt in einer Mischung aus akkuratem Historiendrama und (einem in manchen Passagen etwas zu kitschig geratenen) Liebesroman die Lebensgeschichte der letzten regierenden Kaiserin Chinas.Selbst in China als Tochter amerikanischer Missionare aufgewachsen, gibt Pearl S. Buck nicht nur einen genauen Einblick in die Gebräuche, Religionen und Sitten sowohl der chinesischen Bevölkerung als auch jene des kaiserlichen Hofes am Ende des 19.Jahrhunderts, sondern versucht nebenbei auch die widersprüchliche und vielseitige Persönlichkeit der Regentin Tsu Hsi zu ergründen:Als junges Mädchen an den kaiserlichen Hof gebracht, um dort eine der vielen Konkubinen des Herrschers zu werden, schafft es Orchidee mit Geschick, Schönheit, Klugheit, guter Ausbildung und Talent, aber auch mit Hinterlist, Intrigen und Sturheit, nicht nur in einer männerdominierten Umgebung der Politik und des Krieges zu bestehen, sondern auch zuerst zur Favoritin des Kaisers aufzusteigen, um hernach, nachdem sie dem Kaiser den langersehnten Thronfolger geboren hat, nach dem Tode der beiden selbst für lange Jahre zur Kaiserin zu werden.Zu diesem Zeitpunkt jedoch ist bereits seit langem ein innerer Umbruch der chinesischen Nation zu bemerken. Lange Zeit hält Tsu Hsi fast schon reaktionär an den alten Gebräuchen und Gepflogenheiten ihrer Vorfahren fest, und versucht, China von allzu "schädlichen" äußeren Einflüssen zu schützen. Stets um ihre Macht und den Erhalt des Thrones bedacht, erkennt sie erst sehr spät, die Zeichen der Zeit nicht richtig erkannt zu haben.....Basierend auf diversen - nicht immer genauen - historischen Quellen und ihren eigenen Erfahrungen und Erkenntnisen durch die chinesische Bevölkerung, gelingt Pearl S. Buck, verquickt mit einer fiktiven Liebesgeschichte, ein mitreißend, spannender Roman, der dem westlichen Leser die chinesische Seele eindringlich näher bringt.