Dieses Buch ist keine leichte Lektüre für Normalsterbliche. Aber das solles auch gar nicht sein. Es handelt sich um eine umfassende, ausführliche Darstellung des deutschen Antisemitismus, die kaum Fragen offen lässt. Dabei ergeben sich machmal verblüffende Erkenntnisse, z.B. dass Antisemitismus bei weitem keine Erfindung der Nazis war, sondern weit vorher bereits in allen gesellschaftlichen Gruppen und politischen Pateien ausgesprochen verwurzelt. Auch in solchen, die das heute so gar nicht wahrhaben wollen. Die Arbeit lohnt sich also.
Longerich beschreibt überzeugend, wie sehr Antisemitismus in Deutschland verbreitet und verankert ist. Das der Antisemitismus eben keine Erfindung der Nazis war, die brauchten nur das zu schüren, was längst vorhanden war. Dabei streift Longerich leider nur die Tatsache, dass Judenhass ein Phänomen ist, was auch schon das frühe Mittelalter durchzieht und sich über die frühe Neuzeit hinweg quasi "kuratiert" durch die offizielle Politik hinweg aufbauen konnte zu dem, was wir im zwanzigsten und leider eben auch jetzt im aktuellen Jahrhundert erleben. Bedauerlich nur sind zwei Punkte: Dieses Buch wird nicht von den Menschen gelesen, die antisemitisch handeln und Longerich (ok, eine Zäsur muss her) streift die Zeit vor dem 16. Jahrhundert nur sehr kurz.Unbedingt lesenswert!
Das Buch bietet einen Überblick über die Judenfeindschaft vom späten 18. Jahrhundert bis annähernd in die heutige Zeit. Hauptsächlich geht es dabei um Deutschland, aber die Situation in anderen Ländern wird auch ganz knapp dargestellt. Immer mal wieder verknüpft der Autor den Antisemitismus mit der nationalen Identität, einem deutschen Selbstbild, das so schwächlich ist, dass es nicht aus eigener Kraft und Substanz existieren kann, sondern ein verzerrtes Feindbild braucht. Das ist natürlich besonders interessant und ich finde, der Autor hätte diesem Aspekt noch mehr Raum im Buch geben sollen.