Für Business Coaches gibt es wenig Möglichkeiten sich in interkulturellen zwischenmenschlichen Beziehungen hineinzuarbeiten, es sei denn, man ist wie Obelix in der Suppe ganz klein darin gefallen. Der Autor macht es sich nicht einfach und nimmt sich ein schwieriges Thema an, um besser zu verstehen, wieso diese Beziehungsgestaltung im interkulturellen Business Coaching so wichtig für den Erfolg des Coaching und dann natürlich des Kunden ist. Es bedarf Anpassungsfähigkeit und vor allem die Sicherheit man kennt sich selbst als Coach so gut, dass der Prozess nicht darunter leidet, in einem Kontext ausserhalb der eigenen Kultur. Spannend!
Das Sachbuch „Beziehungsgestaltung im interkulturellen Coaching – Eine erste empirische Annährung“ vonDaniel Pauw, basiert auf seiner Masterarbeit „Aufbau und Erhalt einer tragfähigen Arbeitsbeziehung iminterkulturellen Coaching“ für die er 2016 den Erdinger Coaching-Preis erhielt, und ist 2016 im SpringerFachmedien Verlag erschienen.Zu Beginn wird die Notwendigkeit der Betrachtung des Faktors „Interkulturalität“ im Coaching und ihreAuswirkung auf die Beziehungsgestaltung begründet. Anschließend wird dazu der aktuelle Forschungsstandaufgezeigt und die leitende Forschungsfrage abgeleitet:„Wie beeinflusst Interkulturalität das Erleben und die Gestaltung der Arbeitsbeziehung aus der Perspektivevon Coaches aus unterschiedlichen Ländern?“Im dritten Kapitel beschreibt der Autor sein Forschungsdesign. Die Forschungsdaten basieren auf einerStichprobe, die mit der qualitativen Methode von halbstrukturierten Experteninterviews erhoben wurden.Als ein Ergebnis der Datenanalyse, präsentiert der Autor ein Kategoriensystem, welches sich am typischenCoaching Prozess orientiert:· Grundannahmen des Coacheso Differenzierung der Klienteno Haltung/Still des Coacheso Einfluss von Kultur und Persönlichkeit im Coaching· Anbahnung der Arbeitsbeziehungo Selektiono Aufbau eines geteilten Bezugsrahmenso Anpassung an den Klienteno Einfluss von Sprache· Die Arbeitsbeziehungo Empathieo Vertraueno Unterstützung und Herausforderungo Reflexion und Thematisierung von Störungen der Beziehungo Mehrwert einer guten Arbeitsbeziehung· Coaching-Ausbildungo Interkulturelles Trainingo Einfluss der Coaching-AusbildungDas Sachbuch schließt mit einer Diskussion von vier identifizierten Faktoren der interkulturellenBeziehungsgestaltung ab:· Kultur als einen möglichen Fokus verstehen· Schaffung eines geteilten Bezugsrahmens· Vertrauen als wichtigste Zutat der Arbeitsbeziehung· Gemeinsame Reflexion der ArbeitsbeziehungDaniel Pauw begründet die Auswahl seines Forschungsgebietes mit der Bedeutung der Beziehung zwischenCoach und Coache für den Erfolg des Coachingprozess. Den Bedarf zur Untersuchung des interkulturellenEinfluss sieht er in der niedrigen Anzahl an Studien in der Coachingforschung die dieses Thema aufgreifen undeiner damit verbundenen Forschungslücke. Bei einer fortlaufenden Internationalisierung von Arbeitsweltenund der damit einhergehenden Interaktionen über Landesgrenzen hinweg, insbesondere im Führungskräfte-Coaching.Der Autor sieht seine qualitative Forschungsarbeit als Anregung und Orientierungshilfe für eventuell folgendequantitative Untersuchungen. Bereits im zweiten Kapitel „Stand der Forschung“ wird er diesem Anspruchgerecht. Auf 26 Seiten wird der aktuelle Forschungstand auf den Punkt gebracht zusammengefasst. Aussagendes Autors werden, mit wissenschaftlichen Quellen belegt und in einem logischen Zusammenhangpräsentiert. Auf Grund der bestehenden Forschungslücke und geringe Anzahl an Studien aus derCoachingforschung zu dem gewählten Forschungsgebiet, bedient sich Daniel Pauw Studien aus derPsychotherapieforschungen. Hier bei differenziert er zwischen Coaching und Therapie als auch zwischen „SkillCoaching“, welches Parallelen zum Trainingsbereich hat und „Transformative Coaching“, dass größereÜberschneidungen mit Psychotherapeutischen Elementen aufweist. Dadurch gelingt ihm der Transfer vonErkenntnisse von interkulturellen Einflüssen auf die Beziehungsgestaltung in der Psychotherapie in dieCoachingforschung.Aus persönlichen Gesprächen mit dem Autor wurde deutlich, dass auch Studien aus der interkulturellenKonflikt- bzw. Mediationsforschung für einen Erkenntnisgewinn herangezogen wurden, da auch in diesemBereich die Beziehungsgestaltung eine wichtige Bedeutung spielt.Im dritten Kapitel „Forschungsdesign“ wird die Methodenauswahl begründet. Wie es der Untertitel „Eineerste empirische Annäherung“ des vorliegenden Sachbuches zeigt, handelt es sich hierbei, um einePrimärerhebung. Zur Erinnerung, Grundlage dieses Sachbuches ist eine Masterarbeit. Diese differenziert sich,durch die Primärerhebung von deskriptiven studentischen Forschungsarbeiten, die auf Sekundärerhebungenbasieren. Dem Autor ist bewusst, dass die Stichprobengröße mit 10 TN gering ist. Gleichzeitig, ist dies einUmfang der den qualitativen Anspruch einer Masterarbeit gerecht wird und in diesem Rahmen leistbar ist.Einen inhaltlichen Mehrwert, sind die Datenanalyse im vierten und die Diskussion der Ergebnisse im fünftenKapitel. Zur Darstellung der Ergebnisse wurde ein Kategoriensystem (siehe oben) entwickelt, welches aus derGruppierung von Aussagen aus der qualitativen Stichprobe durch Experteninterviews entstanden ist. Durchdie Orientierung an einem typischen Coachingprozess, zeigt der Autor wo und wann sich interkulturelleAspekte auf ein Coaching auswirken können und unterlegt diese mit Aussagen aus den Experteninterviews.Die abschließende Diskussion, zeigt die Grenzen des gegebenen Rahmens (Masterarbeit) derForschungsarbeit und damit einhergehenden eingeschränkt generalisierbaren Implikationen für dieCoachingforschung auf. Darüber hinaus werden Ansatzpunkte für mögliche folgende quantitative Studienbeleuchtet.„Auf den Punkt gebracht!“, so lässt sich der Gesamteindruck des Sachbuches „Beziehungsgestaltung iminterkulturellen Coaching – Eine erste empirische Annäherung“ zusammenfassend beschreiben. Daniel Pauwgelingt es auf 78 Seiten, den aktuellen Forschungsstand und die Erkenntnisse seiner Forschungsarbeit zupräsentieren. Das unterstützt den Leser dabei, sich in kurzer Zeit einen schnellen Überblick über das Themazu verschaffen. Gleichzeitig kann Tiefgang hier nicht erwarten werden.Das Sachbuch nähert sich einem jungen Forschungsgebiet an, ist ein idealer Einstieg in das Thema und bietetmit 162 Quellenangaben, eine umfangreiche Ausgangslage für eine ausführlichere Auseinandersetzung mitdem Forschungsgebiet. Der Schreibstil von Daniel Pauw, zeichnet sich durch Klarheit, strukturelle Logik undNachvollziehbarkeit aus. Besonders hervorzuheben ist die Reflektion des Autors im Verlauf seinerForschungsarbeit. Wie ein roter Faden, finden sich immer wieder Stellen im Text, an denen der Autor dieForschung, sein Vorgehen, Ergebnisse und Erkenntnisse kritisch hinterfragt und damit auch Schwächen undEinschränkungen transparent aufzeigt. Es wird deutlich, dass es dabei um einen Beitrag zu „guter“ Forschunggeht. Um eine Haltung, offen zu sein und auch sich selbst kritisch zu hinterfragen, mit der Absicht demQualitätsanspruch von Forschung gerecht zu werden.Eine Empfehlung für Leser, die beabsichtigen in das Thema einzusteigen, den Faktor Interkulturalität imCoaching kritisch reflektieren wollen und dem Appell des Autors folgen möchten, diesem mehr Beachtung zuschenken.
Da ich mich profesionell mit Coaching beschäftige, bin ich über den Erdinger Coachingpreis auf das Buch von Daniel Pauw aufmerksam geworden. Mir gefällt vor allem die sehr gehaltvolle theoretische Ausarbeitung, in der der Autor auch immer wieder sehr passend aktuelle Forschungserkentnisse zusammenfassend darstellt und auch Querbezüge aus anderen Disziplinen herstellt. Der Aufbau des Buches ist sehr klar und ermöglicht es dem Leser, zu jeder Zeit die Übersicht zu behalten. Auch finde ich die empiriische Studie sehr interessant und konnte in den Ergebnissen nochmal ein paar wertvolle Anregungen für die eigene Arbeit als Coach gewinnen.Insgesamt ist das Buch sicher für alle Coaching forschenden , aber auch Praktikerinnen und Praktiker zu empfehlen, die sich einen fundierten Überblick über die "Kunst" der Beziehungsgestaltung im Coaching verschaffen möchten.