Ein Buch, das verständlich geschrieben und mit entsprechenden Übungen versehen ist. Mir hat es geholfen, zu verstehen, welche Übung was bewirkt und welche weiteren Faktoren unsere grauen Zellen ebenfalls unterstützen.Dieses Buch ist eine Bereicherung für meinem Praxisalltag.
Wichtige Fragen vorneweg: was ist eine biomedizinische Analytikerin und was eine Expertin für ganzheitliches Lern- und Gedächtnistraining? Schwierig zu beantworten bzw. seltsam zu goutieren, aber Fakt ist, dass die Autorin des Buches Kopftraining eine solche ist. Und da passt ja dann Inhalt wie Topf auf Deckel. Wer allerdings auf ein umfangreiches, theoretisch aufbereitetes und auf der Metaebene fungierendes Buch wartet, der wird enttäuscht. Stattdessen handelt sich um gute, zahlreiche und interessante Übungen aus dem "Kopfsport", die es aber so und in anderer Varianten in jeder Rätselzeitschrift zu finden gibt. Die einleitenden Erklärungen der Kapitel sind eben nicht gerade so fundiert, dass sie sich davon abheben. Negativ fällt auf, dass trotzdem es ja um das Gehirn und seine Fähigkeiten geht, dieses biologisch als Steuerzentrale angesehen wird, was gerade im Rahmen der Neurobiologe zwar moderner Usus, aber anthropologische Fahrlässigkeit ist. Viel wichtiger wäre in solch einem Buch eine empathische Herangehensweise, die das Gehirn als wichtige, aber nicht entscheidende Qualifikation des Lebens zulässt.Was passiert, wenn man all die Übungen macht und sich fit im Kopf fühlt, aber nichts im Umgang mit anderen Menschen oder seiner eigenen Gefühle gelernt hat? Das hat eben auch etwas mit Konzentration oder Achtsamkeit zu tun, aber eben nichts mit den Leistungen des Kopfes.Übersichtlich sind hingehen die einzelnen Kapitel angeordnet und in eine vernünftige (!) Struktur gebracht: Konzentration, Ultrakurzzeitgedächtnis, Kurzzeitgedächtnis und Langzeitgedächtnis, Erinnerung und ein kleiner Absatz über Entspannung und Bewegung runden das Ganze ab. In den Alltagstipps, die das Buch beschließen, generiert sich die wirkliche Kraft des Buches. Es ist ein gelungener, aber häufig oberflächlicher Mix aus Ansätzen verschiedener Schulen, die so undifferenziert nicht fruchten können. Es bleibt immer etwas vom Journaille-Pathos hängen und das ist dem Leser nicht förderlich.Kurzum: ein hochwertiges Rätselexemplar mit vielen, guten Übungen, aber auch einer sehr oberflächlichen Herangehensweise. Nach dem Lesen und Bearbeiten wird die Gehirnfunktion ihres Körpers mit Sicherheit von 5 auf 10 Prozent gesteigert. Aber was, liebe ganzheitliche Gedächtnistrainer, ist mit den anderen 90 Prozent?