"Zwei Wurzelfragen des menschlichen Seelenlebens sind es nach denen hingeordnet ist alles was
durch dieses Buch besprochen werden soll. Die eine ist ob es eine Möglichkeit gibt die
menschliche Wesenheit so anzuschauen dass diese Anschauung sich als Stütze erweist für alles
andere was durch Erleben oder Wissenschaft an den Menschen herankommt wovon er aber die
Empfindung hat es könne sich nicht selber stützen. Es könne von Zweifel und kritischem Urteil
in den Bereich des Ungewissen getrieben werden. Die andere Frage ist die: Darf sich der Mensch
als wollendes Wesen die Freiheit zuschreiben oder ist diese Freiheit eine blosse Illusion die
in ihm entsteht weil er die Fäden der Notwendigkeit nicht durchschaut an denen sein Wollen
ebenso hängt wie ein Naturgeschehen? Nicht ein künstliches Gedankengespinst ruft diese Frage
hervor. Sie tritt ganz naturgemäß in einer bestimmten Verfassung der Seele vor diese hin. Und
man kann fühlen es ginge der Seele etwas ab von dem was sie sein soll wenn sie nicht vor die
zwei Möglichkeiten: Freiheit oder Notwendigkeit des Wollens einmal mit einem möglichst großen
Frageernst sich gestellt sähe. In dieser Schrift soll gezeigt werden dass die
Seelenerlebnisse welche der Mensch durch die zweite Frage erfahren muss davon abhängen
welchen Gesichtspunkt er gegenüber der ersten einzunehmen vermag. Der Versuch wird gemacht
nachzuweisen dass es eine Anschauung über die menschliche Wesenheit gibt welche die übrige
Erkenntnis stützen kann und der weitere darauf hinzudeuten dass mit dieser Anschauung für
die Idee der Freiheit des Willens eine volle Berechtigung gewonnen wird wenn nur erst das
Seelengebiet gefunden ist auf dem das freie Wollen sich entfalten kann."