Als ich „Die Gedanken sind frei“ in der Vorschau des Verlages entdeckte und die Inhaltsangabe las, war klar, ich muss dieses Buch lesen. Geht es doch in dem Buch um eine junge Frau, die nach den Wirren des 2. Weltkrieges alles versucht um die Verlagsbuchhandlung Ihrer Eltern wieder aufzubauen. Der erste Teil der zweiteiligen Serie „Die Buchhändlerinnen von Frankfurt“ ist eine Ode an die Bücher, an das Lesen . Aber darüber hinaus hat die Autorin Julia Kröhn eine mir bis zum lesen des Buches völlig unbekannte Seite der deutschen Geschichte näher gebracht, die Schicksale der Displaced Persons, heimatlose Überlebende, die unter anderem in Frankfurt im Lager Zeilsheim untergebracht wurden. Ein bisschen schäme ich mich dafür, bisher nichts über diese Seite der Überlebenden des Holocaust gewusst zu haben. Umso dankbarer bin ich, dass Julia Kröhn das größte jener Lage in Ihrem Buch in den Mittelpunkt rückt. Die junge Ella Reichenbach ist eine willensstarke Protagonistin, die den meisten Frauen Ihrer Zeit weit voraus ist. Nicht nur, dass sie als Frau versucht den Familienbetrieb nach den fatalen Auswirkungen des 2.Weltkrieges wieder ans laufen zu bringen. Nein, sie lebt und kämpft für eine Vision. Sie will die Gedanken in den Köpfen der Menschen befreien. Dieser starke Willen und dieses unbändige Verlangen nach Mehr, nach einem besseren Platz, einer besseren Zukunft steht in einem starken Widerspruch zu den Umständen der Zeit. Lebensmittelknappheit, ja ein Mangel an sämtlichen Ressourcen, das Wage bangen um die Verschollenen des Krieges sowie die menschenunwürdigen Lebensumstände sind tägliche Begleiter. Und inmitten dieser Umstände hat Julia Kröhn eine mutige, unermüdliche Protagonistin geschaffen, die mir auf Anhieb sympathisch gewesen ist. Auch die Liebe kommt in diesen dunklen Tagen nicht zu kurz, und auch wenn am Ende des Buches für die junge Liebe kein glückliches Ende in Aussicht gestellt wird, setze ich diesbezüglich auf den zweiten Teil dieser fesselnden Familiengeschichte. Denn auch das ist dieser Roman. Eine spannende und vielschichtige Familiengeschichte, in der es um Vertrauen, Verrat und Verzeihen geht. Dieser Roman bietet so viele Facetten, dass es kaum vorstellbar ist, dass es nur eine Fortsetzung geben soll. Julia Kröhn hat den Geist der Zeit meiner Meinung nach sehr gut eingefangen, historische und gesellschaftliche Aspekte spannend und authentisch mit einer Familiengeschichte verwoben, die es nicht möglich macht das Buch wieder aus der Hand zu legen. Die Fortsetzung befindet sich schon auf dem Weg zu mir und ich gebe eine klare Leseempfehlung für dieses Buch.
Durch online-Werbung, viele Rezensionen und diverse Buchblogger motiviert habe ich dieses Buch, und auch gleich Band 2, erworben. Das Genre, die Zeit, das Thema, der Schauplatz und Geschichten um starke Frauenfiguren interessieren mich. Das Thema klang vielversprechend, abseits des Standards der Historischen Frauenromane.Bereits ab etwa Seite 30 kamen mir erste Zweifel, ob die Autorin es schaffen würde, mir ihre Hauptfiguren nahezubringen? Der immer wieder auf- und abtauchende Ari wirkt suspekt und unklar in Rolle und Charakter. Ella, die mit Anfang 20 so sicher weiß, wie die Welt und die Menschen zu funktionieren haben, ist und bleibt unnahbar und wird für mich nie zur Sympathieträgerin, die nicht zuhört und nur ihre Meinung für richtig hält. Einzig, wenn sie sich um ihre kleine Schwester kümmert, schimmert etwas Herzenswärme durch. Ein Hoffnungsschimmer ist die pragmatische Angestellte, die mehr verschweigt als sie sagt.Mehrfach mit dem Wunsch aufzugeben, fand ich das Buch ab ca Seite 150 interessanter werdend. Auch ab Seite 250 flammte nochmal meine Hoffnung auf, das ich endlich in die Geschichte finde.Nach Seite 345 habe ich dem Buch und somit auch Band 2 doch endgültig den Laufpass gegeben. Bei mir entwickelte sich beim Lesen nie der Drang, wissen zu wollen, wie die Geschichte weitergeht. Und nun habe ich das Buch nach 10 Wochen endlich zugeklappt (Normales Lesetempo 8 Tage bei 450 Seiten).Im Allgemeinen hat ein Buch bei mir maximal 50-100 Seiten Zeit, mich zu erobern. Weshalb ich hier so lange geduldig gehofft habe, kann ich nicht sagen. Julia Kröhn hat es jedenfalls auch nach 345 Seiten nicht geschafft, mich zu begeistern.
Frankfurt nach Ende des zweiten Weltkriegs. Ella Reichenbach möchte das Vermächtnis ihrer Mutter, die Buchhandlung und den Verlag, wieder aufleben lassen. Doch alles ist knapp und es ist schwer, überhaupt an Rohstoffe und die Genehmigungen der Alliierten zu kommen. Noch dazu scheint jeder Geheimnisse zu haben, Geheimnisse, die so manche Beziehung für immer kaputt machen.Julia Kröhn nimmt uns mit in eine Zeit, in der Broschüren wie „Kochen ohne Zutaten“ die Ella am Anfang herausbringt, ihre Zeit haben. Alles ist knapp in der ausgebombten Stadt und Bücher scheinen ein Luxus zu sein. Der Aufbau der Buchhandlung und des Verlages der Familie beinhaltet den einen Handlungsstrang der Geschichte. Der zweite hängt mit Ari zusammen, einem jungen Juden, der den Holocaust nur mit Hilfe überlebt hat. In seinem Teil des Buches geht es darum, ob Juden in Deutschland nach dem Krieg überhaupt noch leben können und wollen.Ich fand die Themen des Buches durchaus spannend, auch wenn ich erschrocken bin, wie radikal manche Juden nach dem Krieg unterwegs waren. Ich kann verstehen dass viele nur noch weg wollten, aber wie sie teilweise mit Glaubensbrüdern umgegangen sind, die sich in Deutschland ein neues Leben aufbauen wollten, hat mich erschreckt. Hier war teilweise richtiggehend Hass im Spiel. Auf jeden Fall ist es der Autorin hier gelungen eine ganz andere Sicht der Dinge zu zeigen.Allerdings muss ich sagen, bin ich gerade mit Ella nicht warm geworden. Sie war mir ihrem Vater gegenüber einfach zu selbstgerecht, immer meint sie zu wissen was er getan oder nicht getan hat, ohne mit ihm auch nur einmal darüber zu sprechen. Und auf der anderen Seite ist sie, was das Zeitgeschehen betrifft unglaublich naiv. Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass jemand Monate nach Ende des Krieges überhaupt nichts von den Verbrechen an den Juden mitbekommen hat und immer noch an die Ausreden der Eltern glaubt, dass die Juden alle einfach nur weggegangen sind. Auch Ari und seine Familie habe ich nicht so richtig fassen können. Irgendwie haben sie mir alle so den Eindruck gemacht, als hätten sie keinen eigenen Willen und würden immer nur die Erwartungen anderer Menschen erfüllen.Alles in allem war es ein interessantes Buch in dem ich einiges über die Lager, in denen die jüdischen Displaced Persons festgehalten wurden, gelernt habe. Das Thema Buchhandel und Verlag hätte gerne noch etwas mehr Gewicht haben können.